Dexter – Haare nice, Socken fly

Ich bin wavy. Und du nicht.

"Dexy, wo bist du?" – Eigent­lich ist die­se Fra­ge über­flüs­sig, war der Platin-​Produzent doch stets prä­sent. Denn auch wenn Dex­ters letz­tes Solo-​Album bereits drei Jah­re her ist, war er durch Beat-​Produktionen und regel­mä­ßi­ge Gast­parts immer auf der Bild­flä­che. Als der ers­te "Hob­by­rap­per, der bei Fea­tures den bes­se­ren Part rappt" sein neu­es Werk "Haa­re nice, Socken fly" ankün­dig­te, kam das trotz­dem über­ra­schend. Allem vor­an, weil er bis­her eher sel­ten für ein kom­plet­tes Album selbst zum Mic gegrif­fen hat.

An besag­tem Mic gibt Dex­ter direkt den Ton für die nächs­ten 46 Minu­ten an: "Ich sag' in Halb­sät­zen bes­se­re Din­ge als dein favo­ri­te Rap­per in sei­nen Reim­ket­ten." Das Album strotzt nur so vor Läs­sig­keit und amü­san­ten, ein­gän­gi­gen Lines. Es geht um Dexys Lie­be zum Wein, die Defi­ni­ti­on von "wavy" oder ein­fach dar­um, die See­le bau­meln zu las­sen. Inhalt­lich reißt der Mitt­drei­ßi­ger damit nichts Neu­es an. Er ver­steht es aber den­noch, durch­ge­hend zu unter­hal­ten. Jede Line sitzt, selbst die Adlibs wer­den amü­sant ergän­zend zum Text ein­ge­spielt und sind kei­ne simp­len Catch­phra­ses. Zwei­fels­oh­ne dür­fen wie auch auf dem vor­he­ri­gen Release "Pal­men und Freun­de" eini­ge Gäs­te nicht feh­len. So fin­den sich alte Bekann­te wie Fato­ni, Retro­gott oder Jaq erneut für einen kur­zen Part ein. Apro­pos Vorgänger-​Album: Die Beats von Dex­ter knüp­fen genau dar­an an und ver­ei­nen Sam­ples mit moder­nen Ein­flüs­sen zu einem "wavy" Som­mer­sound. Auf drei Tracks unter­stüt­zen ihn jeweils Brenk, Fid Mel­la und Minh­ten­do. Letz­te­rer lie­fert mit sei­nem Instru­men­tal die Grund­la­ge für "Palm­blät­ter", das mit beson­ders melo­di­scher Hook von Über­ra­schungs­gast LGo­ony punk­tet.

Die ers­te Sin­gle schür­te auf­grund der zahl­rei­chen Angli­zis­men und "I bims"-Aussagen die Befürch­tung, Dex­ter schwim­me viel­leicht mit dem aktu­el­len Hype mit. Doch zusam­men­fas­send lässt sich sagen, dass "Haa­re nice, Socken fly" – los­ge­löst von aktu­el­len Trends – erneut ein läs­si­ges wie ein­gän­gi­ges Som­mer­al­bum gewor­den ist. Um die Plat­te mit dem wohl größ­ten Ohr­wurm dar­auf zu beschrei­ben: "Wavy as fuck!"

(Lukas Päck­ert)