Boshi San

Kaum eine Szene hier­zu­lande scheint so fa­cet­ten­reich zu sein wie die Deutschrapszene. Während es be­reits jetzt schon fast un­mög­lich er­scheint, je­den ein­zel­nen, eta­blier­ten Vertreter zu ken­nen, steigt die Zahl neuer, noch un­be­kann­ter Künstler ex­po­nen­ti­ell wei­ter an. Den Überblick zu be­hal­ten, gleicht ei­ner Herkulesaufgabe: Hat man sich ein Gesicht der HipHop-​Hydra ge­merkt, tau­chen schon wie­der min­des­tens zwei neue auf. Gleichzeitig ist es für un­be­kannte, junge Talente über­aus schwer, aus der über­wäl­ti­gen­den Masse an Musikern her­aus­zu­tre­ten und sich ei­nen Namen zu ma­chen.

Beiden Seiten soll un­ser Mic Check eine Hilfestellung bie­ten. Rappern, die bis­her noch in den Tiefen des Untergrunds un­ter­ge­gan­gen sind, eine Plattform ge­ben, auf der sie sich kurz, aber prä­gnant prä­sen­tie­ren kön­nen. Und Hörern und Fans er­mög­li­chen, sich ei­nen schnel­len Überblick über nen­nens­werte Künstler zu ver­schaf­fen, die sie bis­her viel­leicht noch gar nicht auf dem Schirm hat­ten.

 

MZEE.com: "Seit ich lesen kann, hab' ich Rap in jedem Strang meiner DNA und jedes Mal, wenn ich ein Mic seh', fängt's zu beben an ..." Die Zeile aus der ersten Videoauskopplung zum Album "Reicher Mann" lässt darauf schließen, dass du schon sehr früh mit Rap zu tun hattest. Wann und wie bist du HipHop denn erstmals begegnet?

Boshi San: Ich bin mit circa sechs oder sieben das erste Mal richtig mit Rap in Berührung gekommen. Auf einem Sommerfest in der Grundschule haben die größeren Schüler aus der Hauptschule plötzlich Naughty by Nature aufgelegt und angefangen, sich gegenseitig anzuspringen und zu schubsen. Ab diesem Zeitpunkt hatte Rap mich in seinem Bann. Die wilde, aggressive und gleichzeitig coole und lässige Attitude hat mich schon damals fasziniert. Mit circa. 14 habe ich dann selbst angefangen zu rappen. Seitdem bin ich dabei.

MZEE.com: Hast du deine allerersten gerappten Lines noch im Kopf? Oder kannst du dich noch an sonstige erste Zeilen erinnern?

Boshi San: Die wirklich allerersten Lines weiß ich nicht mehr, aber eine Zeile aus dem allerersten kompletten Track ging ungefähr so: "Unter 6,8 Milliarden und deinen Chosen Few, wer bist du?" Das muss circa 1999 gewesen sein.

MZEE.com: Dein Album trägt, wie bereits erwähnt, den Titel "Reicher Mann". Möchtest du denn mit deiner Musik ein "reicher Mann" werden oder verfolgst du damit eigentlich ganz andere Ziele?

Boshi San: Gegen einen stabilen Geldfluss als Mittel zum Zweck wäre natürlich nichts einzuwenden, aber das ist nicht das primäre Ziel meiner Musik. Wenn Geld meine Motivation wäre, dann hätte ich wahrscheinlich schon lange hingeschmissen. Ich sehe Musik wie alle anderen künstlerischen Formen als Mittel der Selbst- und Welterfahrung und weniger hochgestochen einfach nur als Quelle von Spaß. Es macht mir einfach Spaß, ist wie Spielen und eine innere Notwendigkeit. Die Frage nach dem Ziel stellt sich also meist gar nicht. Was muss, das muss.

MZEE.com: Das Album wurde hauptsächlich von Main Concept-Producer Glammerlicious produziert. Wie kann man sich eure Zusammenarbeit vorstellen? Suchst du dir zuerst einen Beat aus und schreibst dann deinen Text oder war es andersherum?

Boshi San: Die Zusammenarbeit hat verschiedene Formen. Manchmal picke ich mir einfach eine Reihe seiner Layouts und schreibe etwas dazu. Manchmal gehe ich mit einer Idee zu ihm und er versucht, den Vibe nach seinen Vorstellungen umzusetzen. Ich habe keinen sehr gleichmäßigen künstlerischen Prozess. Songs können auf sehr unterschiedliche Weise entstehen.

MZEE.com: Inzwischen bist du über 30 Jahre alt – glaubst du, dass du eines Tages zu alt bist für Rap?

Boshi San: Ich glaube schon, dass man für bestimmte Aspekte des Spiels "zu" alt werden kann. Aber das ist dann für mich eher eine inhaltliche als eine formelle Frage. Die Themen verändern sich wohl mehr und mehr, man verliert sicherlich auch das Rebellische und wird "spießiger". Aber wieso sollte das keine Berechtigung haben? HipHop ist für mich eine sehr vielfältige und wandelbare Kultur, die noch gar nicht in all ihren Formen ausgeschöpft ist. Alle Altersstufen und Formen haben eine Relevanz. Außerdem bin ich musikalisch zum Glück auch nicht auf Rap limitiert, falls ich doch eines Tages feststellen sollte, dass ein rappender Greis nicht funktioniert.

 

Ein Exclu­sive von Boshi San könnt Ihr Euch ab so­fort auf dem YouTube-​​Channel von MZEE.com an­se­hen:

 

Boshi San auf Facebook

(Daniel Fersch & Lukas Päckert)
(Grafiken von Puffy Punchlines, Logo von KL52)
(Fotos von Philipp Wulk)

 

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