SXTN – Leben am Limit

Real­talk von 'nem Manns­weib …
Was ja doch 'n biss­chen rap­pen kann anschei­nend.

Nura und Juju von SXTN über­zeug­ten mit ihrer EP "Aso­zia­li­sie­rungs­pro­gramm" unter ande­rem durch zwei Din­ge: Belei­di­gun­gen und pro­vo­kan­te Lines. Klingt stumpf, doch damit erreich­ten die bei­den 2016 eine durch­aus beacht­li­che Hörer­schaft. Mit "Leben am Limit" kommt nun ihr ers­tes Album. Dem Titel nach könn­te man tat­säch­lich mei­nen, der Fokus lie­ge die­ses Mal mehr auf dem eige­nen Hust­le als auf Pro­vo­ka­ti­on.

Auf dem Titel "Die Fot­zen sind wie­der da" geht es aber zuerst ein­mal dar­um, die kom­plet­te Rap­sze­ne zu ficken. Dabei wird in bekannt rotz­fre­cher Manier dem Hörer "Und du bist immer noch ein Huren­sohn" ins Ohr gesun­gen. Das Grund­kon­zept der Ber­li­ne­rin­nen ist immer noch das glei­che: meist Ohrwurm-​lastige Hooks und provokant-​harte Tex­te, alles zusam­men­ge­packt für die nächs­te Par­ty. So kann man den bereits erwähn­ten ers­ten Track oder auch "Stän­der" wit­zig fin­den und fei­ern. Oder skip­pen, weil es eben doch nicht jeder­manns Humor ist, wenn Juju davon rappt, dass sie einen Stän­der bekommt. Dem ent­ge­gen ste­hen aller­dings die weni­ger an ihren Weg­be­glei­ter Frau­en­arzt erin­nern­den Anspiel­sta­tio­nen. Denn auf "Er will Sex", "Frisch­fleisch" oder auch "Aus­zie­hen" set­zen sich SXTN durch­aus kri­tisch und auf­klä­rend mit The­men wie Sexis­mus aus­ein­an­der. Eben­so zeigt die Flucht vor der grau­sa­men Welt ins "Bong­zim­mer", dass Nura und Juju auch anders kön­nen. Pas­send dazu sind bei den etwas tief­grün­di­ge­ren Inhal­ten die Beats ent­spre­chend ruhi­ger pro­du­ziert, die Melo­di­en aber gleich­zei­tig nicht min­der ein­gän­gig wie die rest­li­chen Party-​Tracks.

Natür­lich besteht "Leben am Limit" nicht nur aus Hits. Die Atti­tü­de von SXTN erin­nert stel­len­wei­se an den frü­he­ren Atzen-​Rap und es mag sein, dass Titel wie "Heul doch" oder "Von Par­ty zu Par­ty" etwas zu sehr wie eine Kopie einst bekann­ter Disco-​Songs klin­gen. Trotz­dem haben die bei­den Ber­li­ne­rin­nen hier ein durch­aus star­kes Album auf den Markt gebracht, bei dem sich zumin­dest ein Rein­hö­ren emp­fiehlt.

(Lukas Päck­ert)