Dissythekid – Fynn

Sie fra­gen: 'Wo siehst du dich in der HipHop-​Szene so?'
Ich sag': 'Ich bin die Kaker­la­ke in der Premium-​Edition.'

Dis­sy­the­kid will nicht wie die Ande­ren sein. "Raps böser Zwil­ling" hat­te bis­her nichts übrig für radio­taug­li­che Melo­di­en oder den typi­schen Release-​Zyklus eines durch­schnitt­li­chen deut­schen Rap­pers. Und so dau­er­te es über drei Jah­re, ehe der Nach­fol­ger zu sei­ner "Pestizid"-EP erschien. Mit "Fynn" will der Erfur­ter nun sein gleich­na­mi­ges Alter Ego in den Fokus rücken.

Die­ses lebt sei­nen Hass auf die Sze­ne und ihre Ver­tre­ter voll und ganz in der Musik aus – und bedient sich dafür alt­be­kann­ter The­ma­ti­ken. So gibt es auf der neu­en EP von Dis­sy­the­kid den für Deutschrap übli­chen, anbie­dern­den Ver­such eines Som­mer­hits – jedoch aus der Sicht eines men­schen­feind­li­chen Jun­kies, der nur Spu­cke für das Mainstream-​Publikum "da im Park" übrig hat. "Ich hab dich gese­hen im Super­markt" mutet wie der typi­sche Lie­bes­song für die Her­zens­da­me an, ent­puppt sich aber als die kran­ke Wunsch­vor­stel­lung eines Stal­kers. Es sind genau die­se Ide­en, längst abge­nutz­te Song­struk­tu­ren aus einem ande­ren und düs­te­re­ren Blick­win­kel zu betrach­ten, die auf "Fynn" zu begeis­tern wis­sen. Gepaart mit der Sozi­al­kri­tik eines vom Sys­tem ver­sto­ße­nen Dro­gen­ab­hän­gi­gen ergibt sich nicht nur text­lich eine mehr als inter­es­san­te Plat­te. Auch die Unter­ma­lung mit wum­mern­den Bäs­sen, dunk­len Syn­thies und allem, was man so für ein drü­cken­des Sound­bild braucht, passt per­fekt in den Gesamt­kon­text.

"Ich kann nichts dafür, dass ich so anti bin" – dies beschreibt nicht nur Dis­sy­the­kid als Per­son per­fekt, son­dern auch das gesam­te Werk. "Fynn" ist für immer gegen alles und will mit jeder Norm bre­chen, die ihn im Hip­Hop so stört – und kann genau damit auch über­zeu­gen.

(Sven Aumil­ler)