Swiss & die Andern - Wir gegen die

Swiss & Die Andern – Wir ge­gen die

Diese Welt ist missglückt und das macht den Menschen Angst.
Sie suchen nach sich selbst, doch sie finden nur ihr Land.

Swiss & Die Andern zählen zu den Künstlern, die man nicht so wirklich einordnen kann: Die Grenze zwischen HipHop und Punkrock mit gelegentlichen Rap-Einlagen ist bei den Hamburgern fließend. Dazugehören wollen sie ohnehin scheinbar nirgends. Stattdessen grenzen sie sich ganz klar von der gesichtslosen Mainstream-Masse ab, weshalb ihre neueste EP nun den Namen "Wir gegen die" trägt.

Beim Opener "Du liebst mich nicht" schafft Swiss es leider nicht, dem schon so oft behandelten Thema "unerwiderte Liebe" eine neue Facette hinzuzufügen, sodass der Track keinen wirklich guten Einstieg darstellt. Die darauffolgende Anspielstation schlägt dagegen in eine ganz andere Kerbe: "Germanische Angst" mit Shocky weiß durch eine treffende Analyse der Paranoia xenophober Deutscher zu überzeugen. So heißt es in Swiss' Strophe: "Am besten verkauft sich im Westen die Angst – denn Menschen mit Angst brauchen Geld von der Bank." In den Parts wird zunächst eine gereizte Stimmung erzeugt, die sich schließlich in einer aggressiven Hook entlädt. Eine ähnlich brachiale Richtung schlägt auch der EP-Titeltrack ein, der mit einer Gaststrophe von Dirk Jora, dem Sänger der legendären Hamburger Punkband Slime, aufwartet. Der Hass, den die beiden Musiker gegenüber dem System empfinden, ist hier deutlich zu spüren, wodurch eine energiegeladene Stimmung entsteht, die den Track zum besten des Werks macht. Neben den bereits erwähnten Songs beinhaltet das Release noch das vom Überdruss an der eigenen Person handelnde "So satt" sowie "Zickzackkinder", eine Hymne auf die Ziel- und Heimatlosigkeit. Diese Titel hinterlassen jedoch kaum einen bleibenden Eindruck, da sie außer Trübsinn höchstens Langeweile verursachen.

Mit "Wir gegen die" veröffentlichen Swiss & Die Andern eine EP, die dort ansetzt, wo sie auf ihrem letzten Album aufgehört haben. Wirklich gut wird dieses Werk jedoch immer nur dann, wenn das Aggressionslevel steigt. Auf ihrem nächsten Release sollten sie diese Karte lieber vollends ausspielen und noch mehr auf den Putz hauen.

(Steffen Bauer)