elo­quent – Schön ist anders

Schön ist anders – in jedem Kopf.
Du machst 'Hurensohn' als Nebenjob.

Gefühlt erscheint ja monatlich eine neue Platte aus dem Hause Sichtexot. Dieses Gefühl könnte aber auch von dem bleibenden Eindruck herrühren, den diese Veröffentlichungen bei mir hinterlassen. So hält man wieder eine dünne Pappschachtel in den Händen, darin ein kreisförmiges Stück schwarzen Vinyls, welches man aus der Verpackung befreit, bevor die Nadel sanft darüberkratzt. Es ertönen die von Negroman eingespielten Töne sowie die Stimme eloquents und man denkt: "Schön ist anders".

Denn weder bei eloquent noch einem der anderen SXT-Mitglieder geht es um Schönheit. Vielmehr wird die Hässlichkeit aus jedem Winkel des Daseins gekratzt, zu einem großen Haufen zusammengelegt und dann auf ein Podest gestellt. Auf insgesamt achtzehn Titeln wird davon berichtet, was in der Szene, im Leben und in der Gesellschaft allgemein schief läuft. Die Klänge, die Negroman Instrumenten, Samples und Boom bap-Versatzstücken entlockt, triefen angenehm aus den Boxen und ergießen sich als stringentes Soundbild ins Ohr. Dominiert wird es von eloquents Stimme, die eher ruhig und zurückhaltend wirkt und nicht durch ihre Kraft besticht, sondern durch die Schärfe der Aussagen, die der Rapper trifft. So sei das "Giftzumlachen", welches "täglich im Blut" treibe, "nötig", um den Willen zum "Zuschlagen" zu unterdrücken, wenn man mit einer Szene konfrontiert werde, deren "Zweitjob" Hurensohn sei. Und während sich alle übrigen Gefühlsregungen "upinsmoke" auflösten, könne man am Ende noch "über Liebe" reden, aber "das macht man nicht".

Und schon landet eine weitere SXT-Platte in der Sammlung. Eine weiteres Release, dem man sich immer wieder widmen kann, ohne dass man seiner überdrüssig wird. Ein Werk, das wie alle SXT-Werke vermutlich genau wegen der inhaltlichen wie klanglichen Stärke und seiner Langlebigkeit so anmutet, als hätte es erst im letzten Monat eines gegeben. Und das ist verdammt schön.

(Daniel Fersch)