AK Ausserkontrolle – A.S.S.N.

AK Ausserkontrolle – A.S.S.N.

Fulltime-Ticker, verteil' nonstop Kombis.
Junkies ohne Seelen rennen rum wie Zombies.

Die Ausgangslage für AK Ausserkontrolle scheint gar nicht schlecht zu sein. Das Debütalbum ließ sich hoch in den Charts platzieren, anschließend durfte man sogar eine Tour mit der 187 Strassenbande spielen. Nun steht mit "A.S.S.N." der nächste Langspieler an. Dieser soll den Hörer erneut in die Welt der echten Verbrecher auf Berlins Straßen entführen.

Thematisch zeichnet AK das klassische Bild eines Großstadtgangsters. Zwischen Raubüberfällen, Drogendeals und dem Zählen von Scheinen bleibt außerdem noch Zeit, zu erklären, warum man das alles macht ("Satans schlimmer Hunger"). Thematisch ist das auf der Innovations-Skala zwar nicht sehr weit oben anzusiedeln, bietet aber prinzipiell keinen schlechten Stoff für harten, guten Straßenrap. Leider ist das nur Theorie und bringt wenig, wenn die Präsentation nicht stimmt. Denn genau die möchte hier so überhaupt nicht gelingen. AK, der als Hauptprotagonist am meisten rappt, zerstört mit seiner unangenehm hohen Stimme und der oft unpassenden Betonung jegliche Atmosphäre, wenn sie denn zwischen den zu vielen Haus-Maus-Reimen überhaupt aufkommt. Songs wie "Lieber Gott", die inhaltlich die bittere Schiene fahren sollen, wirken eher weichgespült als hart. Versucht man es auf die rotzige und respektlose Art ("Fick die Hoe", "Jim Beam & Voddi"), driftet das Ganze ins Lächerliche ab. Zusätzlich erschwert die Verwendung von augenscheinlich wahllos eingesetzten Doubletime-Instrumentals oder poppigen Beats, die stark an Großraumdiskotheken erinnern, "A.S.S.N." ernst zu nehmen. Erwähnenswerte Lichtblicke fernab von prominenten Features sucht man leider vergebens.

Der Anspruch, authentisch und hart zu sein, ist zweifelsfrei ein richtiger, um im zeitgemäßen Straßenrap mitzumischen. AK Ausserkontrolle schafft es jedoch nicht, diese Wirkung zu erzielen. Es ist dabei nicht der Inhalt oder der persönliche Hintergrund, der dem Release das Genick bricht, sondern vielmehr die komplette Präsentation.

(Benjamin Borowitza)