MWK

Kaum eine Szene hier­zu­lande scheint so fa­cet­ten­reich zu sein wie die Deutschrapszene. Während es be­reits jetzt schon fast un­mög­lich er­scheint, je­den ein­zel­nen, eta­blier­ten Vertreter zu ken­nen, steigt die Zahl neuer, noch un­be­kann­ter Künstler ex­po­nen­ti­ell wei­ter an. Den Überblick zu be­hal­ten, gleicht ei­ner Herkulesaufgabe: Hat man sich ein Gesicht der HipHop-Hydra ge­merkt, tau­chen schon wie­der min­des­tens zwei neue auf. Gleichzeitig ist es für un­be­kannte, junge Talente über­aus schwer, aus der über­wäl­ti­gen­den Masse an Musikern her­aus­zu­tre­ten und sich ei­nen Namen zu ma­chen.

Beiden Seiten soll un­ser Mic Check eine Hilfestellung bie­ten. Rappern, die bis­her noch in den Tiefen des Untergrunds un­ter­ge­gan­gen sind, eine Plattform ge­ben, auf der sie sich kurz, aber prä­gnant prä­sen­tie­ren kön­nen. Und Hörern und Fans er­mög­li­chen, sich ei­nen schnel­len Überblick über nen­nens­werte Künstler zu ver­schaf­fen, die sie bis­her viel­leicht noch gar nicht auf dem Schirm hat­ten.

 

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MZEE.com: Deine neue "Grün EP" kann man kostenlos oder gegen eine kleine Spende downloaden. Ein Weg, der nicht unbedingt monetäre Ziele verfolgt. Was sind stattdessen deine Pläne mit der Musik?

MWK: In erster Linie geht es mir vor allem darum, mit Gleichgesinnten Musik zu machen, neue Kontakte zu knüpfen, Spaß an der Sache zu haben und Auftritte zu spielen. Gewissermaßen dient mir die Musik auch als Ventil, um Einwirkungen von außen zu verarbeiten oder diese eben wieder loszuwerden. Als Nächstes steht ein Vinyl-Release ganz oben auf der Agenda. Mir ist klar, dass die damit verbundenen Kosten – trotz Wunschdenken – in meinem Fall nicht mit Spenden über Bandcamp getilgt werden können. Was soll ich sagen? Ich bin fleißig am Sparen beziehungsweise warte auf eine Mail von HHV. (lacht)

MZEE.com: Vor der "Grün EP" wurde im Januar 2016 schon "um die Ecken" gedacht – deine Diskografie ist so gesehen noch recht kurz. Hast du dennoch bereits einen persönlichen Lieblingstrack von dir selbst?

MWK: Genau genommen beginnt Release-technisch alles 2008 mit der "Nachbarschaftpromo 1". Ein Demo, welches eigentlich unerwähnt geblieben wäre, wenn mir jetzt nicht eine "recht kurze" Diskografie unterstellt worden wäre. (lacht) Mit der Rc Gäng folgten dann weitere Releases, welche auf ratisbona-calling.de nachgehört und runtergeladen werden können. Einen Lieblingstrack gibt es in dem Sinne eigentlich nicht. Mit Tracks verhält es sich ja eher so: Je öfter man sie hört oder spielt, desto älter werden sie – nicht nur zeitlich gesehen. Das neue Zeug reizt einen dann selber natürlich mehr. Müsste ich mich jetzt entscheiden, wäre es ein Track von der neuen EP, zum Beispiel "Kapuzenmusiker".

MZEE.com: "Um die Ecken" erhielt im Mai letzten Jahres zu dem eine Remix-Version. Hier wurden also bestehende Texte mit neuen Instrumentals eingekleidet. Doch wie läuft das bei dir sonst – suchst du dir zuerst einen Beat aus und schreibst dann den Text oder andersherum?

MWK: Kann ich pauschal so nicht beantworten. Entweder der Beat oder ein Part eines Featurepartners steht oder man hat eh ein paar Zeilen im Vorhinein, denen nur der letzte Schliff fehlt. Am Ende kommt es auf das Resultat an. Nicht darauf, wie es angefangen hat.

MZEE.com: Auf dem Intro des neuen Werks spielst du mit der Zeile "Wieder mal 'n Text, wieder mal 'n Track – wieder mal 'n Anfang, mit dem jeder Rapper anfängt" auf die Austauschbarkeit vieler Texte anderer Künstler an. Gibt es für dich dennoch so etwas wie die beste Line eines anderen Rappers?

MWK: Ich finde es schwierig, einen Künstler auf eine beste Line zu reduzieren. Die Texte von Hiob und Morlockk haben mich schon immer beeindruckt. Auf eine beste Line kann ich mich trotzdem oder gerade deswegen nicht festlegen.

MZEE.com: Deine Texte beinhalten eine ordentliche Portion Selbstironie, handeln häufig von deinem Leben und Umfeld und widmen sich zusätzlich auch mal der Szene im Allgemeinen. Würdest du sagen, deine Inhalte haben trotz dieser vielen Facetten eine gemeinsame Grundbotschaft? Wenn ja, welche?

MWK: Hm ... (überlegt) Um eine Grundbotschaft zu finden, muss man in meinen Texten zwischen den Zeilen lesen. Ich versuche, mit meinen Texten zu vermitteln, dass man nicht alles und vor allem nicht sich selbst zu ernst nehmen sollte. Schätze deine Freunde und die Zeit, die du mit ihnen verbringst, denn Glück wird nicht durch Geld definiert.

 

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(Daniel Fersch & Lukas Päckert)
(Grafiken von Puffy Punchlines, Logo von KL52)

 

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