Disarstar – Minus x Minus = Plus

Dig­ga, Minus mal Minus gleich Plus.
Im Klar­text, dass jedes die­ser Lie­der sein muss.

Disar­star ist qua­si der Pro­to­typ des hung­ri­gen New­co­mers: packen­der Hin­ter­grund, der Erzähl­stoff bie­tet, dazu intel­li­gent und mit dem nöti­gen Biss im Flow, um in jeder Zei­le Gesell­schaft wie Busi­ness zu kri­ti­sie­ren. Doch ein rich­ti­ger New­co­mer ist der Ham­bur­ger gar nicht mehr. Der Label­de­al steht längst, die Zeit der rei­nen Free Download-​Tapes ist auch vor­bei. Spä­tes­tens mit dem neu­en Werk "Minus x Minus = Plus" will sich Disar­star über­all als ernst­zu­neh­men­der Künst­ler eta­blie­ren.

Und selt­sa­mer­wei­se scheint genau das irgend­wie das Pro­blem zu sein. Denn zwi­schen pro­fes­sio­nell aus­pro­du­zier­ten, auf die pas­sen­de Atmo­sphä­re getrimm­ten Tracks und einem wohl­durch­dach­ten Alb­um­kon­zept fehlt mir etwas. Disar­star schnappt sich "Beat, Stift und Blatt" und erzählt scho­nungs­los ehr­lich aus sei­ner Ver­gan­gen­heit, pran­gert die aktu­el­le poli­ti­sche Lage im Land an und skiz­ziert zudem die Zukunft der Gesell­schaft wie sei­ne eige­ne. All dies geschieht auf meist düs­te­ren, melo­di­schen Beats, die groß­ar­tig mit der mar­kan­ten Stim­me des Künst­lers har­mo­nie­ren. Doch genau die­se Har­mo­nie ist es, die klar macht, was mich an "Minus x Minus = Plus" stört: Wo sonst das Rohe, Wil­de dem Sound des Rap­pers den letz­ten Schliff gab, wir­ken die neu­en Klang­wel­ten zu glatt. Im Grun­de han­delt es sich natür­lich um eine posi­ti­ve qua­li­ta­ti­ve Stei­ge­rung, die in Ver­bin­dung mit den nach wie vor intel­li­gen­ten Tex­ten für noch zugäng­li­che­ren Hör­ge­nuss sorgt. Den­noch macht sie aus der Musik Disar­stars, der auf frü­he­ren Wer­ken ein­fach frei Schnau­ze rapp­te, ein rei­nes – wenn auch wohl­klin­gen­des – Pro­dukt.

"Minus x Minus = Plus" ist kei­nes­wegs schlecht. Im Gegen­teil: Tracks wie "Kon­sum" mit Tua sind abso­lut groß­ar­ti­ge Kunst und machen voll­kom­men klar, dass der Ham­bur­ger längst bereit ist, oben mit­zu­mi­schen. Den­noch nimmt die per­fek­tio­nier­te Aus­pro­duk­ti­on des Albums dem Gesamt­kunst­werk Disar­star einen wich­ti­gen, mar­kan­ten Punkt. Fast so, als hät­te die Ent­wick­lung zum Pro­to­typ des voll­wer­ti­gen Künst­lers dafür gesorgt, dass Disar­star inzwi­schen satt ist.

(Dani­el Fersch)