Bausa – Dreifarbenhaus

Ich bin kein Fan von gro­ßer Ver­nunft.
Aber Mama hat recht: Du bist nur eine brot­lo­se Kunst.

Der ers­te Ein­druck zählt. Zumin­dest sagt man das so. Meist gelingt es aber erst auf den zwei­ten Blick, eine Sache rich­tig wahr­zu­neh­men. Wer wür­de bei dem eher hart wir­ken­den Bau­sa bei­spiels­wei­se dar­auf kom­men, dass er sich sei­nen Künst­ler­na­men nach dem Erz­feind von Super Mario aus­ge­sucht hat? Und wer wür­de bei dem fast schon nied­lich klin­gen­den Album­ti­tel "Drei­far­ben­haus" direkt an Stutt­garts größ­tes Freu­den­haus den­ken? Als ich eben­je­ne Plat­te dann zum ers­ten Mal durch­hö­re, rauscht ein Groß­teil davon gefühlt an mir vor­bei – doch viel­leicht lohnt sich ja ein zwei­ter Blick.

Und tat­säch­lich: Beim erneu­ten Hören des Albums bleibt direkt mehr hän­gen. Der sehr melo­diö­se Sound wirkt wie aus einem Guss, die ein­zel­nen Tracks flie­ßen naht­los inein­an­der. Die vor­wie­gend ange­nehm ruhi­gen Beats von Gorex, SOTT und Co. erge­ben ein stim­mi­ges Gan­zes, das durch Bau­sas tie­fe Stim­me und den kla­ren Gesang abge­run­det wird. Das Klang­bild mag sich nicht so recht fest­le­gen kön­nen, ob leich­te Syn­thie­tep­pi­che oder ana­log anmu­ten­de Instru­men­te den Ton ange­ben, doch arbei­tet bei­des so homo­gen mit­ein­an­der, dass ein strik­ter roter Faden gar nicht von Nöten scheint. Auch der Inter­pret selbst lässt sich alle Türen offen, wenn er ein­mal eher obli­ga­to­ri­sche Straßenrap-​Inhalte bedient, dann aber doch mit sehr per­sön­li­chen und lyri­schen Tex­ten glänzt. Alles geschieht in einem pas­sen­den Rah­men, der es zulässt, dass sämt­li­che Zei­len authen­tisch wir­ken und man als Hörer selbst die eine oder ande­re gedro­sche­ne Phra­se ver­zeiht. Am Ende bleibt nur fest­zu­stel­len: Bau­sa kann rap­pen. Er kann sin­gen. Und kre­iert mit Songs wie "Trop­fen", "Baron" oder "Bam­bi" zwar sehr unter­schied­li­che, aber den­noch extrem ein­gän­gi­ge Ohr­wür­mer.

Hin und wie­der muss man sich zwar erst dazu über­win­den, einen zwei­ten Blick zu wagen, nach­dem man bereits ein ers­tes Urteil gefällt hat. Doch in die­sem Fall lohnt sich dies defi­ni­tiv. "Drei­far­ben­haus" mag zunächst so unschein­bar wie sein Name wir­ken, doch beim nähe­ren Hin­se­hen eröff­net sich eini­ges an Tie­fe.

(Dani­el Fersch)