Nynjoe

Kaum eine Sze­ne hier­zu­lande scheint so fa­cet­ten­reich zu sein wie die Deutschrap­sze­ne. Wäh­rend es be­reits jetzt schon fast un­mög­lich er­scheint, je­den ein­zel­nen, eta­blier­ten Ver­tre­ter zu ken­nen, steigt die Zahl neu­er, noch un­be­kann­ter Künst­ler ex­po­nen­ti­ell wei­ter an. Den Über­blick zu be­hal­ten, gleicht ei­ner Her­ku­les­auf­ga­be: Hat man sich ein Gesicht der HipHop-​Hydra ge­merkt, tau­chen schon wie­der min­des­tens zwei neue auf. Gleich­zei­tig ist es für un­be­kannte, jun­ge Talen­te über­aus schwer, aus der über­wäl­ti­gen­den Mas­se an Musi­kern her­aus­zu­tre­ten und sich ei­nen Namen zu ma­chen.

Bei­den Sei­ten soll un­ser Mic Check eine Hil­fe­stel­lung bie­ten. Rap­pern, die bis­her noch in den Tie­fen des Unter­grunds un­ter­ge­gan­gen sind, eine Platt­form ge­ben, auf der sie sich kurz, aber prä­gnant prä­sen­tie­ren kön­nen. Und Hörern und Fans er­mög­li­chen, sich ei­nen schnel­len Über­blick über nen­nens­werte Künst­ler zu ver­schaf­fen, die sie bis­her viel­leicht noch gar nicht auf dem Schirm hat­ten.

 

MC_Nynjoe_STECKBRIEF

MZEE​.com: Zusam­men mit dei­ner dama­li­gen Crew Bast­laz hast du schon um die Jahr­tau­send­wen­de mit Rap ange­fan­gen – wann und wie bist du Hip­Hop denn erst­mals begeg­net?

Nyn­joe: Ich den­ke, ich bin frü­her übers Bas­ket­ball­zo­cken und Ska­ten zu Hip­Hop gekom­men, so mit 12 oder so. Das Übli­che: 2Pacs Sachen, NWA, Masta Ace, aber haupt­säch­lich Westcoast-​Mucke. Mit 14 fing ich an, zu malen. Das gab dann bis 16, 17 so viel Stress mit der Staats­macht, dass es nicht mehr lus­tig war. Und so fing ich an, inten­si­ver zu free­sty­len und eige­ne Tex­te zu schrei­ben. So rich­tig ernst hab' ich die Sache dann mit 18, 19 ange­fan­gen, als ich Mir­ko Polo – auch Bastlaz-​Mitglied – auf mei­ner Schu­le ken­nen­lern­te. Es kommt zeit­nah sogar ein neu­es Bastlaz-​Album raus, das "Schwar­ze Magie" hei­ßen wird.

MZEE​.com: Als du noch mit den Bast­laz und spä­ter mit Gran­Till als "Roh­dia­man­ten" unter­wegs warst, bist du unter ande­rem mit Leu­ten wie Olli Ban­jo, ABS, aber auch Method Man auf­ge­tre­ten. Gibt es aus die­ser Zeit ein beson­ders ein­präg­sa­mes Erleb­nis von einem Gig?

Nyn­joe: Puh, da gab's sehr vie­le schö­ne Ereig­nis­se, aber vie­les ist vom Alk und der "Pau­se" ein biss­chen faded. Wir haben immer ordent­lich Gas gege­ben. Aber allein mit vie­len mei­ner musi­ka­li­schen Vor­bil­der wie Method Man, Capone-​N-​Noreaga, Par­ty Arty, AG und ande­ren die Büh­ne am sel­ben Abend geteilt zu haben, war schon der Ham­mer. Ein­mal sind wir mit Fler und Bushi­do auf­ge­tre­ten. Da kamen die gera­de raus und schon beim Sound­check fing Fler an, auf der Büh­ne wie wild zu schrei­en: "Wer ist hier Head­li­ner? Wer ist hier Head­li­ner?" Weil irgend­was nicht ablief, wie er woll­te, und wir etwas zu lan­ge gecheckt haben – glau­be ich. Die Ber­li­ner eben.

MZEE​.com: Dein Solo­re­lease "Opti­mist" ist sehr viel­sei­tig und bie­tet neben fröh­li­chen Tracks auch sehr tief­sin­ni­ge Titel wie "Koka­in Prin­zes­sin" – was genau möch­test du mit dei­ner Musik ver­mit­teln?

Nyn­joe: Ich den­ke, ich möch­te immer eine Atmo­sphä­re ver­mit­teln. Der Vibe muss das The­ma unter­ma­len. Ich mache Musik vor­ran­gig für mich und am Ende muss ich das Gefühl haben, dass der Song die Stim­mung durch Wort­wahl, Flow, Stim­me und Beat wie­der­gibt, die ich mir vor­ge­stellt habe. Dann gefällt es auch dem ein oder ande­ren, der ähn­lich schwingt.

MZEE​.com: Besag­tes Album hast du mit Mit­te 30 releast, womit du wohl eher zur älte­ren Gene­ra­ti­on im Rap-​Business gehörst. Glaubst du, dass du eines Tages zu alt bist für Rap?

Nyn­joe: Ja, auf jeden Fall. Also, im Moment den­ke ich das schon, aber wer weiß. Dach­te die Rock'n'Roll-Generation sicher­lich auch und heu­te ste­hen die Rol­ling Stones, AC/​DC et cete­ra immer noch auf Büh­nen. Jay Z ist auch weit über 40 und KRS schon 50, glau­be ich. Wer weiß. Rap ver­än­dert sich stän­dig, wird immer brei­ter gefä­chert und altert mit. Von daher … Die Zah­len der Jah­re ändern sich auch schnel­ler als mein Gehirn – zumin­dest habe ich das Gefühl. Und das geht, den­ke ich mal, vie­len so.

MZEE​.com: Laut eige­ner Aus­sa­ge bist du jemand, der kein Pro­blem damit hat, "Unter­grund" zu sein, und siehst Musik nicht als Mög­lich­keit, dei­ne Bröt­chen zu ver­die­nen. Um aber genau das zu errei­chen, ist Hip­Hop heut­zu­ta­ge anbie­dern­der in Rich­tung Main­stream denn je. Was hältst du von die­ser Ent­wick­lung?

Nyn­joe: Ich den­ke, das ist die nor­ma­le Ent­wick­lung eines Musik­gen­res oder einer Sub­kul­tur. Heut­zu­ta­ge sehen die Kids das Gan­ze ein­fach als Mög­lich­keit, berühmt zu wer­den und even­tu­ell etwas Koh­le zu machen. Das ist ein biss­chen die­se DSDS- oder Facebook-​Generation-​Mentalität. Es scheint für vie­le das Erstre­bens­wer­tes­te zu sein, bekannt zu wer­den – egal, wie und womit. Die gan­ze Gesell­schaft ist in mei­nen Augen immer weni­ger rebel­lisch und dafür viel kon­for­mer gewor­den und hat sich den Geset­zen und Wer­ten des Mark­tes unter­wor­fen. Ein wirt­schaft­lich gepräg­tes Gesell­schafts­sys­tem eben. Auf der ande­ren Sei­te hat es auch was Gutes, dass Rap immer grö­ßer wird und Leu­te, die gut sind, immer öfter ein Aus­kom­men davon haben, weil die Musik immer mehr Hörer hat. Ich den­ke, für Musik und ande­re kul­tu­rel­le Aspek­te einer Gesell­schaft ist der Unter­grund das Fun­da­ment, auf dem alles steht. Nicht umsonst kom­men Trends meist aus dem Unter­grund – ob in Musik, Mode et cete­ra. Hier ist man frei­er in sei­nem Schaf­fen. Ich fin­de es wich­tig, dass Din­ge auch einen Wert haben kön­nen, ohne dass sie einen mone­tä­ren Gegen­wert haben. Das gilt für vie­le Berei­che des Lebens. Men­schen zum Bei­spiel. Ein Mensch, der kein Geld bringt, ist in unse­rer Gesell­schaft weni­ger wert, das ist scha­de.

 

Ein Exclu­sive von Nyn­joe könnt Ihr Euch ab so­fort auf dem YouTube-​Channel von MZEE​.com an­se­hen:

 

Nyn­joe auf Face­book

(Dani­el Fersch & Lukas Päck­ert)
(Gra­fi­ken von Puf­fy Pun­ch­li­nes, Logo von KL52)

 

Du bist der Mei­nung, Du oder jemand, den Du kennst, soll­te sich unse­rem Mic Check unter­zie­hen? Wir freu­en uns über Bewer­bun­gen oder Emp­feh­lun­gen mit dem Betreff "Mic Check – *Künst­ler­na­me*" an daniel@mzee.com.