Fatoni – Im Modus

Deine Mutter ist wie WLAN bei McDonalds, Homie.
Denn jeder darf rein.

"Ihr habt lang genug nicht erwartet, dass ein Mixtape erscheint." – Mit dieser Line begrüßt Fatoni seine Hörer im Intro seines neuesten Werks. Irgendwie wahr, wirkte der Rapper doch dank zahlreicher Auftritte nie wirklich abwesend, obwohl seit seinem letzten Großprojekt schon zwei Jahre ins Land gezogen sind. Nun ist er nach "Yo, Picasso!" also auch offiziell zurück "im Modus".

An seiner Art, Musik zu machen, hat sich seitdem wenig geändert. Mit der gewohnten Portion Sarkasmus und Selbstironie stellt er sich die wirklich wichtigen Fragen im Leben. Etwa was passiert, wenn sich ein Künstler mal wirklich mit der Mutter eines Feindes aufs Hotelzimmer verzieht und nicht nur auf Tracks davon spricht. Dabei zeichnen Fatoni und seine Gäste ein stets witziges, aber auch erschreckend ehrliches Bild – und das in zahlreichen Facetten. Ob der Münchner sich nun mit Maeckes' Hilfe darüber Gedanken macht, wer dem Durchschnittsrapper in Deutschland mal die Rente zahlt, oder auf Solotracks einen besorgten Blick auf politische Debatten wirft: Irgendwie fühlt man sich immer ertappt, schon einmal selbst ganz ähnliche Überlegungen angestellt zu haben. Nur können die wenigsten es so ausdrucksstark formulieren, wie Fatoni es schafft. Das einzige, das man bei "Im Modus" anzweifeln kann, bleibt letzten Endes eine lange Halbwertszeit. Sei es die cloudige Fantasie von einer verkorksten Bahnfahrt oder die Geschichte über den ersten MC mit "Narkolepsie": Die meist sperrige Vortragsweise erschwert den Zugang zu vielen Tracks immens.

Fatonis charmante, aber stets ehrliche Einblicke in seine absurde Gefühlswelt wussten schon immer zu überzeugen, das ändert sich auch 2017 nicht. So ganz "im Modus" von früher scheint er aber noch nicht zu sein, dafür wirken einige Tracks musikalisch doch weniger ausgereift als auf seinem letzten Album mit Dexter. Das ändert allerdings nichts daran, dass beim Münchner jede noch so absurde Pointe perfekt sitzt – eben "fast so wie beim Wu-Tang Clan".

(Sven Aumiller)