Akkurat – Filmriss

Bleib' der Pussy-Magnet.
Nenn mich 'Neuzeit-Poet'.

Als Kind aus dem Iran geflüchtet, auf einer US-Airbase HipHop kennengelernt. Erste Schritte in der Szene und in kriminellen Gefilden gewagt, später dann als Support von Savas oder Farid Bang aktiv. Manche würden viel geben, um Akkurats Biografie vorweisen zu können. Daraus ließen sich immerhin persönliche Storyteller basteln, die das Zeug dazu haben, Fans zum Nachdenken anzuregen. Akkurat selbst sieht das allerdings anders. Laut eigener Aussage muss seine Musik vor allem tanzbar sein. Das Publikum soll Probleme für ein paar Minuten vergessen können. Ist das Release "Filmriss" dementsprechend kopflos?

Akkurat hat sich definitiv seine Gedanken gemacht. Der gemeinsam mit A-Boom kreierte Sound klingt durchdacht und ausproduziert. Den Hörer erwarten Versatzstücke aus clubbigem Trap und aktuellen französischen Styles, vereint mit einen Schuss R'n'B. Alles ist auf Eingängigkeit getrimmt und jeder Track ein vollwertiger alleinstehender Song. Insgesamt fehlt dann aber doch der rote Faden. Die vielen unterschiedlichen Einflüsse der in sich runden Lieder folgen teils zu unpassend aufeinander und sorgen für Sprünge im Klangbild. Gleiches gilt auch inhaltlich: Tracks über die erstbeste "Chicca", die "heute Nacht" in "Bend Over"-Pose wartet, waren eh nie das Maß aller Dinge. Zusätzlich beißen sie sich aber hier noch stark mit Liebesliedern über die Traumfrau oder das traurige Ende einer Beziehung. Wenn Akkurat dann mit einem Titel wie "Diese Welt ist kaputt" auch noch gesellschaftskritische Töne anschlägt, ist das thematische Chaos trotz lobenswertem Inhalt komplett. Jenseits dieser inhaltlichen Unstimmigkeiten ist der Sound jedoch einwandfrei.

Vielleicht ist bei "Filmriss" der Name Programm. Vielleicht darf man das Gesamte gar nicht als Einheit betrachten. Jedes Lied eine autarke Geschichte, nach jedem Track eine Art "Filmriss". Vielleicht sollte man sich im Fall von Akkurat auch einfach nicht so viele Gedanken machen und wie er es sagt für ein paar Minuten den Kopf ausschalten. Ein passendes Klangbild liefert er dazu allemal.

(Daniel Fersch)