WavingTheGuns_EineHandBrichtDieAndere

Waving The Guns – Eine Hand bricht die an­de­re

Mein Rap bleibt dagegen, weil Rap dagegen sein muss.
Auch wenn alle anderen hier es der BILD-Zeitung gleichtun.

In einer Zeit, in der postfaktische und rechte Stimmen lauter werden, wünscht man sich mehr denn je auch politisch motivierte Gegenmeinungen aus der deutschen Rapszene. Blöd nur, wenn desinformative, falsch formulierte Aussagen von Rappern dann fragwürdigen Gesinnungen in die Karten spielen. Obwohl es sich dabei um Einzelfälle handelt, sind derartige Zitate von Menschen, deren Musik man sonst vielleicht mag, eher unangenehm. Zum Glück gibt es da Musiker wie Waving The Guns, bei denen Sound und Aussage gleichermaßen passen.

Die Rostocker Milli Dance und Admiral Adonis sowie die Produzenten Dub Dylan und Doktor Damage präsentieren nämlich nicht nur ein neues Werk voll guter Sprüche. "Eine Hand bricht die andere" ist zudem der pure Hörgenuss. Schließlich pumpt man "Sturmhauben-Beats, keine miedertragenden Loops", wenn man feststellt: "Leider bewies Absztrakkt, dass Meditieren und Lotussitzen nicht vor geistigen braunen Kotspuren schützen." So kriegen Rapper, Journalisten und Gesellschaft auf wunderschön dreckigen Oldschool-Beats ihr Fett weg. Dabei ist es egal, ob auf Kneipentour in die "Kornflasche" oder auf der Bühne ins "Open Mic" gerappt wird. Oder man lässt befreundete Künstler wie Cheddar Mike, Haszcara, Pöbel MC, Sketch One und Toni Starter zu Wort kommen. Dass diese Gäste der Gruppe in nichts nachstehen, beweist vor allem Haszcara mit einer der wohl schönsten Zeilen der hiesigen Rapgeschichte: "Laber nicht von wegen 'Du fickst meine Mutter tief in Po'. Stattdessen gibt's ein Butter-Schinken-Brot auf ihrem Schoß." "Eine Hand bricht die andere" ist eben nicht nur klanglich, sondern auch inhaltlich besonders groß.

Früher oder später muss man sich wohl damit abfinden, dass nicht jeder Rapper zu politischen Themen Stellung bezieht – was in manchen Fällen aber auch ganz gut so ist. Den Job übernehmen dann eben Künstler wie Waving The Guns, denen man nicht nur aufmerksam zuhört, sondern deren Texte man auch immer wieder gerne zitiert.

(Daniel Fersch)