LUX, Cap Kendricks & Tom Doolie

Es ist dun­kel und reg­net. Da Win­ter in Mün­chen für mich gleich­zu­set­zen ist mit Schnee, habe ich natür­lich kei­nen Regen­schirm dabei und frie­re mir – gelin­de gesagt – den, na ja, Dings, ab. 19:01 Uhr, Rot­kreuz­platz. Ich schrei­be eine wüten­de SMS an LUX: "Ich erfrie­re. Ich hab' kal­te Füße und dann wer­de ich krank. Eure Schuld." Just im Moment des Abschi­ckens ent­de­cke ich die Umris­se von drei dick ein­ge­pack­ten Jungs. Mit­ten im Regen. Am ver­ein­bar­ten Ort, wäh­rend ich etwas ent­fernt unter einem Vor­dach ste­he. Ich schä­me mich kurz und steue­re auf LUX, Cap Ken­d­ricks und Tom Doo­lie zu. Kur­ze Zeit spä­ter sit­zen wir in einem sehr vol­len und genau­so lau­ten Lokal und schaf­fen es, uns für gute 50 Minu­ten anhand eines schö­nen Gesprächs weit weg zu bea­men. Am Abend zuvor habe ich mir stun­den­lang die neue Plat­te "24|7 Power­nap" der drei Mehr-​oder-​weniger-​Münchner (Tom Doo­lie stammt aus Frei­sing) ange­hört. Eine melan­cho­li­sche, ent­spann­te Plat­te, wel­che aus­schließ­lich nachts weit außer­halb der Stadt geschrie­ben, pro­du­ziert und auf­ge­nom­men wur­de. Pro Nacht ein Track, so lau­tet das Kon­zept am Ende. Pas­send zum Titel spre­chen wir viel über Rap-​ferne The­men wie Schlaf und Power­naps, Schlaf­lo­sig­keit und Träu­me: Was bedeu­tet Schla­fen für die drei? Kön­nen Träu­me zu neu­en Track-​Ideen inspi­rie­ren? Und kann Schlaf­lo­sig­keit die Pro­duk­ti­vi­tät eines Künst­lers stei­gern? Im Anschluss kom­men wir auf die neue Plat­te zu spre­chen, auf ihren jah­re­lan­gen Ent­ste­hungs­pro­zess, auf Ein­flüs­se und Vor­bil­der. Und zu guter Letzt fin­det sich bei einem der weni­gen Münch­ner Rap-​Interviews auch unse­re gemein­sa­me Hei­mat­stadt ein wenig wie­der: Gibt es ihn, den München-​typischen Sound? Was ist eigent­lich mit der Münch­ner Rap­sze­ne und ihrem Ruf los und wie steht es um Lokal­pa­trio­tis­mus? Fra­gen über Fra­gen – und auf jede wur­de eine Ant­wort gefun­den. Auf dem Nach­hau­se­weg erreicht mich eine SMS von LUX: "Scheinst ganz schön gars­tig zu wer­den, wenn dir kalt ist."

MZEE​.com: Zu Beginn des Inter­views wüss­te ich ger­ne, pas­send zum Titel eurer Plat­te, von jedem von euch, was für ihn per­sön­lich Schla­fen bedeu­tet und ob es eher ein posi­tiv oder nega­tiv beleg­ter Begriff ist.

LUX: (grinst) Schla­fen ist für mich ein sehr posi­tiv gepräg­ter Begriff. Ich schla­fe sehr ger­ne und sehr viel. Und ich hab' den Power­nap per­fek­tio­niert. Das heißt, ich kann in jeder Situa­ti­on, an jedem Ort und zu jeder Zeit einen kur­zen Schlaf ein­le­gen und bin danach wie­der top­fit.

MZEE​.com: Sagst du das, weil es den Titel eurer Plat­te so schön wider­spie­gelt?

Tom Doo­lie: Nein, das ist wirk­lich so. Wäh­rend dem Shoo­ting zum Cover­fo­to unse­rer Plat­te ist er ein­ge­pennt … (auf dem Bild ist LUX schla­fend zu sehen, Anm. d. Red.) Ein­fach, wäh­rend wir die Fotos gemacht haben. (LUX lacht)

Cap Ken­d­ricks: Ich fin­de, Schla­fen ist Zeit­ver­schwen­dung. Ich schlaf' eigent­lich schon gern, aber am liebs­ten wür­de ich gar nicht schla­fen. Es kommt aber immer auf die Situa­ti­on an: Wenn ich schla­fen muss, will ich nicht schla­fen. Wenn ich nicht schla­fen kann, bin ich müde und will schla­fen. Und in Power­naps bin ich per­sön­lich nicht so gut.

Tom Doo­lie: Also, was Power­naps angeht: Tags­über pen­nen pack' ich gar nicht. Und ich fin­de es voll unan­ge­nehm, aus­zu­schla­fen. Ich hab' immer das Gefühl, ich ver­pass' irgend­was, und will immer raus. Schla­fen ist des­we­gen schon ein biss­chen Zeit­ver­schwen­dung. Ande­rer­seits: Wenn mich kei­ner weckt, schla­fe ich schon auch lang. Aber wenn ich län­ger als neun oder zehn Stun­den schlaf', hab' ich immer das Gefühl, der hal­be Tag ist schon vor­bei. Klar, der Rhyth­mus ver­än­dert sich dann, du bist dann halt län­ger wach … Und tags­über schla­fen geht sowie­so gar nicht – da kann ich nicht ein­schla­fen.

LUX: Bei mir ist es so: Wenn ich aus­schla­fe, wache ich auf und denk' mir: "Ja okay, jetzt wäre ich eigent­lich fit und könn­te auf­ste­hen." – Und dann schlaf' ich trotz­dem noch mal zwei Stun­den. Ein­fach nur, weil ich ends Bock hab'. (grinst)

MZEE​.com: Wie steht es um eure Erfah­run­gen mit Schlaf­lo­sig­keit? Kann sie zu beson­de­rer Pro­duk­ti­vi­tät füh­ren? Oder Pro­duk­ti­vi­tät umge­kehrt zu Schlaf­lo­sig­keit?

Cap Ken­d­ricks: Ja, es kommt schon oft vor, dass man was macht und damit nicht auf­hö­ren kann. Dass man den Kopf nicht abschal­ten kann und dadurch nicht ins Bett geht. Oder, dass man im Bett liegt, drü­ber nach­denkt und nicht ein­schla­fen kann. Dann ist es irgend­wann mor­gens und dann muss man halt ein­fach mal schla­fen. Was auch ein The­ma ist: Wenn man lan­ge nicht schläft, kommt man auf ganz ande­re Gedan­ken. Wenn du dich rich­tig aus­powerst und nicht schläfst, denkst du auch anders. Viel­leicht auch krea­ti­ver. Vor allem, wenn ich lan­ge nicht geschla­fen hab', fällt es mir noch schwe­rer  ein­zu­schla­fen. Dann wird's immer schlim­mer.

MZEE​.com: Ich wür­de zunächst ger­ne auf eure Drei­er­kon­stel­la­ti­on ein­ge­hen. Wie kam es zu eurer Zusam­men­ar­beit? Und woher und wie lan­ge kennt ihr euch?

Tom Doo­lie: Es fing irgend­wie so an: Ein Spezl von mir, auch ein alter Schwa­bin­ger, hat mir LUX gezeigt. Dann haben wir uns kon­tak­tiert, er war zu der Zeit aber gera­de in Madrid. Ich hab' ihm ein paar Beats geschickt und er hat auf einem der Beats einen sehr per­sön­li­chen Track zur Madrid-​Geschichte geschrie­ben. Als er wie­der­ge­kom­men ist, haben wir 'nen Song für unse­re Plat­te gemacht – die Plat­te mei­ner vor­he­ri­gen Crew. Dann hat sich bald eine Freund­schaft ent­wi­ckelt und es sind sehr schnell Songs ent­stan­den. Bei denen wir dann auch zu dritt waren – bei den bei­den (Cap und LUX, Anm. d. Red.) ist es ja so: Einer ohne den ande­ren geht nicht. (grinst) Die waren immer zu zweit. Und dann haben wir eben zu dritt Songs geschraubt. Es waren schnell mal ein paar da, die in einer ähn­li­chen Stim­mung waren. Es war nicht so: Wir machen jetzt mal ein Album. Wir haben ein­fach Songs gemacht, alle in einer Stim­mung und da hat sich die Plat­te raus­kris­tal­li­siert.

MZEE​.com: In wel­chem Jahr hast du ihm denn den ers­ten Beat geschickt?

Tom Doo­lie: (an LUX gerich­tet) Wann warst du in Madrid?

LUX: 2012.

MZEE​.com: Ach, Quatsch. Ich dach­te, das wäre erst vor Kur­zem gewe­sen.

LUX: Nee, nee. Das war tat­säch­lich vor bald fünf Jah­ren. Ich hab' zu dem Song sogar noch ein klei­nes Video in Madrid gemacht – das gibt es heu­te noch auf You­Tube. Und 2013 waren wir das ers­te Mal im Stu­dio. 2014 haben wir dann schon mit dem ers­ten Song für die neue Plat­te ange­fan­gen. Da sag' ich auch auf einem Song: "Ich bin jetzt 24 Jah­re alt." Und heu­te bin ich 26.

Cap Ken­d­ricks: Das war der schnells­te Arbeits­pro­zess …

MZEE​.com: Das heißt, ihr habt nicht durch­ge­hend an dem Album gear­bei­tet, son­dern über Jah­re hin­weg immer mal wie­der einen Track gemacht.

Cap Ken­d­ricks: Genau. Es sind immer wie­der ein­fach Songs ent­stan­den.

MZEE​.com: Kom­men wir kon­kret auf die Plat­te zu spre­chen: "24|7 Power­nap" wur­de aus­schließ­lich nachts erschaf­fen. Wie groß war der Ein­fluss der Tages­zeit auf den Sound?

LUX: Ziem­lich stark. Die Tages­zeit wirkt sich in mei­nen Augen tat­säch­lich sehr auf die Stim­mung der Plat­te aus – es klingt dadurch wie "Nacht".

MZEE​.com: Habt ihr eure Näch­te über die Jah­re hin­weg immer im glei­chen Stu­dio ver­bracht oder ist die Plat­te an ver­schie­de­nen Orten ent­stan­den?

Tom Doo­lie: Damals hat­te Cap "nur" ein Bedroom-​Studio bei sich zu Hau­se im WG-​Zimmer. Das Head­quar­ter hat sich zu der Zeit aber irgend­wie auf­ge­löst. Und ich hab' halt ein ziem­lich coo­les Stu­dio, in dem man auch recor­den konn­te. Die bei­den waren ziem­lich beein­druckt, als sie mal vor­bei­ge­kom­men sind: "Boah, geil, hier kann man voll gut arbei­ten!" Und so hat sich das dann erge­ben: Dadurch, dass ich ein biss­chen aus­wärts woh­ne (Frei­sing, Anm. d. Red.), war es so, dass sie nicht immer wie­der heim­fah­ren konn­ten. Wenn sie mal da sind, sind sie da. Also war es so: Okay, machen wir ein­fach Sound – solan­ge, bis wir ein­schla­fen …

LUX: … Oder bis wir am nächs­ten Mor­gen mit der ers­ten S-​Bahn heim­fah­ren. Das war wirk­lich cool – es ist ein rich­ti­ges Haus mit Gar­ten. Da ist eine Küche mit Wohn­zim­mer. Oben ist das Stu­dio. Das war ein biss­chen wie Kurz­ur­laub für uns. Man fährt mit dem Zug oder der S-​Bahn raus, ist 'ne Nacht da und ent­spannt völ­lig. Man kann das gan­ze Leben, das in der Stadt ist, ein biss­chen hin­ter sich las­sen.

MZEE​.com Es wur­de in jeder Nacht, in der ihr drei zusam­men­saßt, ein Track geschrie­ben, pro­du­ziert und auf­ge­nom­men. Saßt ihr wirk­lich gan­ze Näch­te an den ein­zel­nen Tracks oder sind man­che auch in ein paar Stun­den ent­stan­den?

Tom Doo­lie: Es kommt immer drauf an. Der Beat steht ja immer in den ers­ten zwei Stun­den, wür­de ich sagen …

LUX: … Und dann bas­telt man noch drei Stun­den wei­ter.

Tom Doo­lie: Da gibt's dann noch Klein­ar­beit. Der Vibe, das Gerüst, steht nach der ers­ten Stun­de. Da hat er dann meis­tens im Hin­ter­grund schon ange­fan­gen, Tex­te zu schrei­ben.

LUX: Der Titel stand dann meis­tens auch schon. Dafür haben sie ein Wort, das ich im Hin­ter­grund gemur­melt hab', genom­men und die Datei dann so genannt.

MZEE​.com: Stand das Kon­zept von Anfang an, sich pro Track nur eine Nacht Zeit zu las­sen?

Tom Doo­lie: Das kam eigent­lich aus der Situa­ti­on her­aus, dass sie eben immer den wei­ten Weg zu mir gefah­ren sind. Nach­dem wir das zwei, drei mal gemacht hat­ten und in die­sen Näch­ten gute Songs ent­stan­den sind, haben wir irgend­wann gesagt: "Mor­gen tref­fen wir uns wie­der – und dann machen wir 'nen Song."

LUX: Ein­mal sind sogar zwei ent­stan­den.

MZEE​.com: Die Plat­te hat dadurch tat­säch­lich ein biss­chen was von Urlaub …

LUX: Wir bau­en jetzt halt gera­de ein Stu­dio hier um die Ecke (in Mün­chen, Anm. d. Red.), des­halb muss er (Tom, Anm. d. Red.) jetzt in die Stadt kom­men. Dann wird der Sound auch bestimmt wie­der anders …

MZEE​.com: Wenn man sich nur eine Nacht Zeit pro Track gibt – hat man nicht manch­mal nach "ein­mal drü­ber schla­fen" das Gefühl: "Oh man, ich will doch noch was ändern?"

LUX: Ein biss­chen gehört die­se Unper­fek­ti­on auch zur Stim­mung dazu, des­halb hab' ich es dann meis­tens so gelas­sen. Ich hab' im Nachin­ein kurz vor Abschluss des Gan­zen nur noch ein paar Klei­nig­kei­ten aus­ge­tauscht. Drei, vier Songs sind auch gar nicht drauf, bei denen wir fan­den, dass sie nicht so geil gewor­den sind oder von der Stim­mung her nicht ganz dazu pas­sen.

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MZEE​.com: Ist euer Fea­ture­part­ner Mikzn eigent­lich auch mit aufs Land gefah­ren?

LUX: Ja. Und das ist der ein­zi­ge Song, der nicht nachts ent­stan­den ist, son­dern tags­über. Er heißt des­halb auch "Sonn­tags"; weil er an einem Sonn­tag ent­stan­den ist … Und das Video auch an 'nem Sonn­tag.

Tom Doo­lie: Das Wit­zi­ge ist: Der Mikzn kommt eigent­lich aus Frei­sing. Und hat, als ich 14 war, auch noch da gewohnt. Er war für mich voll der Ein­fluss – ich fand ihn damals schon gut. Es ist echt wit­zig, dass wir jetzt – 13 Jah­re danach – einen Song zusam­men haben. Das ist schon ziem­lich cool, muss ich sagen.

MZEE​.com: Wie muss man sich den Pro­duk­ti­ons­pro­zess vor­stel­len – wie groß war der Ein­fluss unter­ein­an­der? Gab es einen unter euch, der die klei­ne Zie­ge war und immer gesagt hat: "Was du da gemacht hast, geht gar nicht!"?

Cap Ken­d­ricks: (grinst) Joah, also ich bin eigent­lich schon recht kri­tisch. Aber ich kann mich dann auch zurück­neh­men. Es ist nicht so, dass ich dau­ernd sage: "Das ist voll schei­ße, das kannst du gar nicht machen!" Vor allem beim Text sage ich aber viel­leicht mal: "Komm, lass' mal ein biss­chen in 'ne ande­re Rich­tung gehen …"

LUX: Das ist ja auch im Pro­zess völ­lig okay.

Cap Ken­d­ricks: Und ich glaub', wir zwei (Tom und Cap, Anm. d. Red.) haben uns auf jeden Fall sehr stark beein­flusst. Wir haben ver­schie­de­ne Her­an­ge­hens­wei­sen und das spornt mich schon immer sehr an. Es macht auf jeden Fall sehr Spaß, so zusam­men­zu­ar­bei­ten.

MZEE​.com: Wenn man allei­ne an einer Plat­te sitzt, holt man sich oft Feed­back von Leu­ten außer­halb. Wie war das bei euch, wo ihr zu dritt am Pro­zess betei­ligt wart – wie vie­le Leu­te von außer­halb durf­ten sich bei euren Tracks noch ein­mi­schen?

LUX: Gar kei­ne. Das ist kom­plett unser Ding und das ist voll geil, weil es sich auch als Rap­per viel mehr wie Musik machen anfühlt. Nicht so: Ich krieg' über's Inter­net irgend­was geschickt, schreib' dann und nehm' was auf, schick' es zurück und dann wird wie­der wei­ter­ge­schraubt. Man ist im gan­zen Pro­zess mit drin und kann sei­nen Ein­fluss mit abge­ben. Ich kann sagen: "Das wür­de ich anders machen … Da gefällt mir der Sound, bring den doch noch mal rein." Dabei geht es um Details. Es ist nicht so, dass ich Drums ein­spie­le, aber man hat trotz­dem Ein­fluss und das ist voll geil.

Cap Ken­d­ricks: Ich find's auch voll wich­tig, dass was gesagt wird. Im Raum. Da pas­siert ein­fach wie­der was ganz Neu­es. Wenn du allei­ne dasitzt, bist es halt nur du. Aber so muss dir nur jemand sagen: "Hey, du könn­test doch noch …" Und dann pas­siert es halt ein­fach.

LUX: Und das ist text­lich eben auch so – es ist voll geil, wenn dir jemand sagt: "Bist du dir bei der Zei­le wirk­lich sicher?" Und wenn du dann nur 'ne Klei­nig­keit ver­än­derst, fühlst du dich danach sel­ber bes­ser. Wenn der Track schon fer­tig ist, dann ist das natür­lich ein biss­chen madig. Aber wenn das wäh­rend dem Pro­zess pas­siert, ist es über­haupt nichts Nega­ti­ves.

MZEE​.com: Tom – ich habe gese­hen, dass du das Art­work der Plat­te selbst gemacht und einen Instagram-​Account mit ziem­lich guten Bil­dern hast. Ist das Foto­gra­fie­ren nur Bei­werk oder schwankst du zwi­schen Pro­du­zie­ren und Foto­gra­fie­ren?

Tom Doo­lie: Boah, dan­ke­schön. Also, das Foto­gra­fie­ren inter­es­siert mich sehr stark und ich befas­se mich pri­vat damit viel. Ich mach' jetzt auch für Team Büro und das Estro-​Kollektiv die Fly­er und ein biss­chen was für die Vide­os. Es taugt mir, ich mag's ein­fach voll ger­ne. Die Kame­ra und Fotos an sich sind auf jeden Fall eine gro­ße Lei­den­schaft von mir. Gelernt hab' ich's nicht – es ist learning by doing. Ich gehe pri­vat auch ein biss­chen den Weg in die Pro­fes­sio­na­li­tät. Das heißt: Ich neh­me mitt­ler­wei­le auch Foto- und Grafik-​Aufträge an.

MZEE​.com: Apro­pos Art­work: LUX, wenn man sich mal mit dei­nem Auf­tritt in sozia­len Medi­en beschäf­tigt und das Cover der neu­en Plat­te sieht, kann man das Gefühl bekom­men, dass du stän­dig auf Rei­sen bist. Gibt es grund­sätz­lich die Über­le­gung, mal eine Wei­le in der Fer­ne, in einem abge­le­ge­nen Haus Musik zu machen?

LUX: Wir bei­de (Cap und LUX, Anm. d. Red.) haben das letz­tes Jahr in der Schweiz tat­säch­lich gemacht.

Tom Doo­lie: Da war ich nicht dabei, ich bin den bei­den immer noch sau­er.

LUX: Wir haben dich ein­ge­la­den! Wir haben gesagt: "Komm mit dem Bus!"

Cap Ken­d­ricks: Wir haben das wirk­lich gemacht, das ist eigent­lich das nächs­te Pro­jekt … Es sind sogar die nächs­ten zwei Pro­jek­te ent­stan­den. Wie lan­ge waren wir da? (über­legt) 13 Tage. Wir haben wirk­lich jeden Tag geschrie­ben und Beats gebaut.

MZEE​.com: LUX, du bist schon stän­dig im Urlaub, oder?

LUX: Ich?! Ich bin nie im Urlaub! Ehr­lich gesagt hab' ich das kom­plett orga­ni­siert. Also war das für mich auch Arbeit. Es war voll geil, aber ich hab' mich um alles geküm­mert. Um alle Hotels, Flü­ge für alle, Yach­ten mie­ten … (alle lachen) Und wenn wir da ein Album machen, dann ist das ja auch Arbeit. Wir haben jeden Tag Musik gemacht. Also gear­bei­tet.

Cap Ken­d­ricks: Es sind auch 18 Songs ent­stan­den. Wir haben schon … gear­bei­tet. Ich hab' min­des­tens 30 Beats gemacht. Aber viel­leicht soll­ten wir das noch mal machen, damit wir das abschlie­ßen kön­nen.

LUX: Mei­ne Fami­lie hat auch ein Haus in Ita­li­en und da will ich das unbe­dingt auch mal machen. Das ist eigent­lich der nächs­te Plan. Da hab' ich ends Bock drauf.

MZEE​.com: Kom­men wir auf den Sound von "24|7 Power­nap" zu spre­chen. Das Intro erin­nert mich sehr an "Back" von Creme Fresh. Ist die­se Zusam­men­stel­lung aus Melan­cho­lie, Sehn­sucht und Ent­span­nung ein München-​typischer Sound?

Cap Ken­d­ricks: Also, ich wür­de nicht sagen, dass ich 'nen Münch­ner Sound hab'. Ich weiß auch gar nicht, wie ich den München-​Sound ein­ord­nen soll und ob Creme Fresh München-​Sound gemacht haben … Das, was sie gemacht haben, war halt ein bestimm­tes Gefühl zu einer bestimm­ten Zeit.

MZEE​.com: Gibt es denn Ein­flüs­se oder Vor­bil­der, die ihr bei der Plat­te hat­tet?

Tom Doo­lie: Ich hab' das nach dem letz­ten Inter­view ein biss­chen reflek­tiert. Und ich glaub': Über­haupt gar nicht.

LUX: Ja, eigent­lich über­haupt gar nicht. Klar, wir haben alle unse­re Ein­flüs­se. Aber es gab kein Kon­zept, das wir von Anfang an hat­ten. Oder dass wir gesagt hät­ten: "Wir machen jetzt die und die Rich­tung." Es ist alles ein­fach so ent­stan­den.

Cap Ken­d­ricks: Ich wür­de immer sagen, Tom ist Ein­fluss auf mich gewe­sen. Und ich halt auch auf ihn.

LUX: Um noch mal zum München-​Sound zu kom­men: Also, ich hab' das auch frü­her alles rich­tig krass gefei­ert, als klei­ner Teen­ager. Und ich glaub' schon, dass man das bestimmt heu­te noch irgend­wie hört und es immer auch Ein­fluss auf mich hat­te und hat. Viel­leicht rap­pe ich schon so, dass man merkt, dass ich ein Rap­per aus Mün­chen bin. Das kann ich mir gut vor­stel­len. Aber ich glau­be, das war mal kras­ser und ich gehe davon immer wei­ter weg.

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MZEE​.com: Der bay­ri­sche Ein­fluss war auf dei­nem letz­ten Release auf jeden Fall deut­li­cher zu hören.

LUX: War­um hat man das so krass gehört?

MZEE​.com: Weil du auf jeden Fall ande­re Wor­te ver­wen­det hast.

Tom Doo­lie: Ja, das stimmt schon.

Cap Ken­d­ricks: Das ist ja eigent­lich auch gut. Wenn man hier auf­ge­wach­sen ist, dann über­nimmt man halt meis­tens den Slang. Aber viel­leicht ist Slang irgend­wann nicht mehr so wich­tig. Wenn man älter wird und sich auch mit ande­ren Men­schen umgibt.

LUX: Mir wär' es halt viel zu lang­wei­lig, immer alles gleich zu machen.

Tom Doo­lie: "Des is so wie ich red" ist halt auch ziem­lich voll mit Slang …

LUX: Ja, ich weiß es nicht. Das war nicht bewusst. Ich hab' ein­fach immer Lust, neue und ande­re Sachen zu machen. Ich glaub', die nächs­ten Sachen, die kom­men, sind auch wie­der anders. Und ich will auch immer wei­ter weg von die­sem … Also, ich war halt frü­her schon krass lokal­pa­trio­tisch, mir war wich­tig, woher ich komm'. Das wird mir immer unwich­ti­ger. Denn dar­um geht's nicht. Es gibt wich­ti­ge­re Geschich­ten. Es kann immer ein Ein­fluss sein, man kann's auch irgend­wie raus­hö­ren und ich mag's auch, wenn ich von ande­ren Rap­pern hör', dass sie ihren Lokal­pa­trio­tis­mus haben. Aber es ist ein­fach nicht so wich­tig. Das habe ich viel­leicht auch erst gelernt.

MZEE​.com: Apro­pos Bay­risch: Fin­det ihr, dass es eine Münch­ner Rap­sze­ne gibt?

Tom Doo­lie: Also, es gibt Münch­ner Rap. Was ist 'ne Sze­ne? Wenn man es von außen betrach­tet, gibt es auf jeden Fall 'ne Münch­ner Sze­ne, würd' ich sagen. Irgend­wie kommt es mir schon so vor, dass viel pas­siert im Moment. Man wür­de sich irgend­wie wün­schen, dass mehr mit­ein­an­der pas­siert – aber ich glau­be, dass das irgend­wie auch ein biss­chen Wunsch­den­ken ist. Im End­ef­fekt ist es gut, wenn ver­schie­de­ne Bau­stel­len ent­ste­hen. Und solan­ge es kei­nen Streit unter­ein­an­der gibt, fin­de ich es okay, wenn es sie gibt.

Cap Ken­d­ricks: In Mün­chen gibt's nichts, über das man sich strei­ten kann.

Tom Doo­lie: Ich hab' manch­mal schon den Ein­druck, als gäbe es so eine Art unter­schwel­li­gen, nicht aus­ge­spro­che­nen Streit. Weil man zum Bei­spiel nicht mit­ein­an­der redet und sich nicht gegen­sei­tig auf Ver­an­stal­tun­gen bookt.

Cap Ken­d­ricks: Weil auch vie­le Leu­te aus Mün­chen mitt­ler­wei­le sagen, es gibt wie­der so 'ne Art Sze­ne, muss ich wirk­lich dazu sagen: Ich fin­de schon, dass wir auch unse­ren Teil dazu bei­tra­gen. Wir ver­su­chen, immer alle zu beden­ken und irgend­was Coo­les zu machen. Es gibt ja auch wirk­lich gute Rap­per aus Mün­chen.

MZEE​.com: Nach außen hin hat die Sze­ne ja meis­tens doch einen schlech­ten Ruf. Was denkt ihr, wor­an das liegt? Im Ver­gleich zu Ber­lin zum Bei­spiel.

Cap Ken­d­ricks: Na ja, das ist ja auch eine grö­ße­re Stadt, sie hat mehr Rap­per und alle zie­hen da hin.

Tom Doo­lie: Ich glau­be, dass es vie­len – den Fans oder den Medi­en – ein­fach immer noch sehr wich­tig ist, dass Rap dre­ckig, mit ekli­ger Spra­che, Dro­gen und Bit­ches ist. Ich hab' das Gefühl, dass Leu­te, die über ein nor­ma­les Leben rap­pen, dane­ben manch­mal unter­ge­hen.

LUX: Es war ja noch nie so, dass man was Coo­les über Mün­chen gesagt hät­te. Es ging immer nur um ver­ein­zel­te Bands. Natür­lich Blu­men­topf vor­an­ge­stellt, die den gro­ßen Mainstream-​Sprung aus Mün­chen raus geschafft haben. Es gab immer ein­zel­ne Crews oder Künst­ler. Und das liegt, glau­be ich, am meis­ten dar­an, dass eine Struk­tur, um die Sze­ne zu reprä­sen­tie­ren, in Mün­chen fehlt. Das heißt, alle Städ­te, über die man sagt: "Die hat­ten 'ne Sze­ne", hat­ten immer gro­ße und rele­van­te Labels. Die sich zusam­men­ge­schlos­sen und Künst­ler als Szene-​Verbund nach außen gebracht haben. Das hat es in Mün­chen eigent­lich nie gege­ben.

Cap Ken­d­ricks: Das stimmt. Das gibt es ein­fach nicht. Sag mir ein gro­ßes HipHop-​Label aus Mün­chen … Es gibt nur Uni­ver­sal oder so. Um aber als Künst­ler Auf­merk­sam­keit zu bekom­men, brauchst du Medi­en und du brauchst Plat­ten­fir­men. Es gibt ver­ein­zelt Künst­ler in Mün­chen, die was erreicht haben – aber die haben auch gute Leu­te hin­ter sich, die das ermög­li­chen. Die Künst­ler allei­ne wür­den das nie­mals auf die Rei­he krie­gen. Sie wür­den gar nichts schaf­fen und ein­fach nur Musik machen. Weil das nicht ihrem Natu­rell oder ihrem Auf­ga­ben­be­reich ent­spricht.

LUX: Nach außen wirkt das aber halt dann so, als ob es hier nichts gibt. Weil die Leu­te in der Glo­cken­bach­werk­statt blei­ben, blöd gesagt. Wir sind da ja jetzt schon auf 'nem guten Weg, es auch raus zu schaf­fen. Des­halb ver­su­chen wir es jetzt auch mit der Tour.

MZEE​.com: Macht ihr Musik denn momen­tan beruf­lich? (alle schüt­teln den Kopf) Nie­mand?

Cap Ken­d­ricks: Ja, schon. Ich steck' die meis­te Zeit da rein. Vom Gefühl her ist es irgend­wie gera­de schon mehr beruf­lich. Aber vom Geld … Ich weiß ich nicht.

LUX: Vom Fee­ling her bin ich heu­te in die­sem Jahr das ers­te Mal mei­ner ande­ren Arbeit nach­ge­gan­gen. Ich hab' die letz­ten drei, vier Wochen full-​time Musik gemacht. Aber es war eigent­lich fast nur Busi­ness. Nur die Plat­te pro­mo­ten. Wir haben nur wenig Neu­es in der Zeit gemacht. Es war haupt­säch­lich das Gan­ze drum­her­um, das halt auch wich­tig ist.

MZEE​.com: Zum Abschluss hin wür­de ich ger­ne noch mal auf das The­ma "Schlaf" zurück­kom­men. Ich wüss­te ger­ne, ob ihr in eurem Leben schon Träu­me hat­tet, die euch lan­ge beglei­tet haben oder im Gedächt­nis geblie­ben sind.

LUX: Ja, ich weiß einen. Ein kras­ser Traum, den ich auf jeden Fall schon öfter hat­te, ist, dass wir auf einem fet­ten Fes­ti­val spie­len, das mega­pa­cked ist. Wir kom­men auf die Büh­ne, fan­gen an, den ers­ten Song zu spie­len – und alle gehen. (alle lachen) Also wirk­lich alle. Von Zehn­tau­sen­den.

Tom Doo­lie: Vor der Release­par­ty hast du doch auch geträumt, dass dei­ne Stim­me aus­fällt und kei­ner kommt. (grinst) Und im End­ef­fekt rockst du die Sta­ge dann.

Cap Ken­d­ricks: Also, ich wür­de mei­ne Träu­me ger­ne mehr steu­ern kön­nen. Aber es geht irgend­wie nicht.

Tom Doo­lie: Ich hat­te als Kind manch­mal Verfolgungs-​Träume. Aber auch, wenn der Traum noch so inten­siv ist, ist er bei mir nach zwei Tagen spä­tes­tens wie­der weg. Ein­fach weg aus dem Gedächt­nis. Ich kann mich aber an die­se Träu­me tat­säch­lich erin­nern – ein­mal hat mich ein Wolf ver­folgt. Und ein­mal 'ne Kuh. (alle lachen) Da war ich noch end­klein. Ich bin über den Kuh­zaun gesprun­gen, hab' mich umge­dreht und dach­te: "Jetzt ist sie weg!" Und dann springt sie ein­fach auch über den Zaun. Damals war ich echt erstaunt. (grinst)

Cap Ken­d­ricks: Ich kann mich an mei­nen ers­ten Alb­traum erin­nern, aber ich kann ihn echt schwer in Wor­te fas­sen. Und ich kann mich auch nur vom Gefühl her dran erin­nern. Das ist ganz komisch. Ich kann mich wirk­lich noch genau an die­sen Tag erin­nern. Ich war noch super­klein. Und ich weiß, dass ich auf­ge­wacht bin und super Schiss hat­te.

MZEE​.com: Sind Träu­me für Künst­ler eine Art Inspi­ra­ti­ons­quel­le, sodass einem Text- oder Beat-​Ideen im Schlaf ein­fal­len und man beim Auf­wa­chen die Idee hat?

Cap Ken­d­ricks: Ich träu­me manch­mal schon sol­che Sachen. Zum Bei­spiel, dass ich einen rich­tig kras­sen Song hör'. Aber dann wache ich auf und er ist weg. Ich weiß dann: Es war voll geil, aber wahr­schein­lich hast du nur irgend­was geträumt, das gar nicht reell oder wirk­lich da war. Etwas, das ein­fach nur im Traum geil war.

Tom Doo­lie: Ich glau­be, bei mir ist es manch­mal eher so: Wenn der Traum einen posi­tiv in den Tag gehen lässt, dann wird die Musik, die man an dem Tag macht, posi­ti­ver.

LUX: Also, bei mei­nem Traum den­ke ich, dass er eher einen posi­ti­ven Ein­fluss auf mich hat. Weil ich dann auf der Büh­ne alles gebe und voll da bin, um zu ver­hin­dern, dass das aus dem Traum halt in echt pas­siert. Das ist ja auf jeden Fall auch posi­tiv.

MZEE​.com: Zu guter Letzt: Wie sieht es zukünf­tig aus: Wer­det ihr nach der Tour wei­ter zu dritt Musik machen?

Tom Doo­lie: Ich mach' mit Cap gera­de was Instru­men­ta­les. Und wenn das Stu­dio fer­tig ist, wer­den bestimmt neue Songs ent­ste­hen. Wir wer­den auf jeden Fall kei­ne getrenn­ten Wege gehen. Ob es jetzt ein neu­es Album gibt? Schau'n mer mal.

LUX: An dem, was wir (LUX und Cap, Anm. d. Red.) in der Schweiz gemacht haben, wol­len wir auf jeden Fall dran arbei­ten und es fer­tig machen. Und unse­re Crew Fel­la­tricks Con­nec­tion bringt die­ses Jahr auf jeden Fall ihre ers­te EP raus.

MZEE​.com: Möch­tet ihr zum Abschluss noch irgend­was los­wer­den?

LUX: Ja: Bes­te Fra­gen zum Album auf jeden Fall von dir. Von allen Inter­views, die wir bis jetzt gege­ben haben.

(Flo­rence Bader)