Jeffrey – Zigeuner

Wir sind nicht anders als du.
Wir geh'n den Weg hier nur mit ande­ren Schu­hen.

In der unüber­schau­ba­ren Mas­se an wöchent­lich erschei­nen­den Relea­ses gibt es kaum etwas, das einem Album zu mehr Auf­merk­sam­keit ver­hilft, als ein pro­vo­kan­ter Titel. Man­cher Name ist jedoch so gewählt, dass er nicht unbe­dingt für Über­ra­schung oder Auf­re­gung sorgt – son­dern ein­fach für ein ungu­tes Gefühl. Ob man den Titel von Jef­freys neu­em Album "Zigeu­ner" gut­hei­ßen mag oder nicht, ist letzt­lich natür­lich rein sub­jek­tiv. Eben­so sub­jek­tiv wie die Fra­ge, ob man Gefal­len an sei­ner Musik fin­det.

Dass der Titel eini­gen Hörern bit­ter auf­sto­ßen könn­te, scheint auch Jef­frey klar zu sein. Nicht umsonst wird direkt im "Intro" klar­ge­stellt, was es damit auf sich hat. So sah er sich als Kind selbst mit Belei­di­gun­gen und Vor­ur­tei­len kon­fron­tiert. Über die gesam­te Lauf­zeit beschäf­ti­gen Jef­frey genau die­se Erleb­nis­se und die damit ver­bun­de­nen Fra­gen. Was genau sagen die Wur­zeln über einen Men­schen aus? Kann man Kli­schees und Vor­ur­tei­le abstrei­fen oder gar in Stär­ken ver­wan­deln? Mit tie­fer, krat­zi­ger Stim­me und ruhi­gem, bedäch­ti­gen Flow sucht der Rap­per nach Ant­wor­ten. "Gebor­gen unter Glück­lo­sen" in der "Karl-​Stolcke-​Straße" stellt er fest, "viel zu oft" "stark" gewe­sen sein zu müs­sen, um die gefes­tig­te Per­son zu wer­den, die er heu­te ist. Das Gan­ze ist musi­ka­lisch recht anspre­chend. Jef­freys dump­fer Klang ver­sorgt die kla­ren, ana­lo­gen Instru­men­tals mit dem nöti­gen Tief­gang und füllt das Sound­spek­trum so voll aus. Und auch wenn nicht jede Hook ein Glücks­griff ist und man hier und da ein wenig mehr Tem­po ver­tra­gen könn­te, ist "Zigeu­ner" ein klang­lich star­kes und inhalt­lich durch­aus über­zeu­gen­des Album.

In Anbe­tracht der Tat­sa­che, dass Jef­frey sich mit einer Zeit aus­ein­an­der­setzt, in der er selbst als "Zigeu­ner" bezeich­net wur­de, kann man sich mit dem Titel durch­aus abfin­den. Den­noch soll­te letzt­lich die Musik für das nöti­ge Auf­se­hen sor­gen – unab­hän­gig davon, wie pro­vo­kant man das Werk benennt. Und das kann die­ses Album in jedem Fall.

(Dani­el Fersch)