Curly - Munchies

Curly – Munchies

Es geht immer weiter, ich hab' ewigen Hunger.

Unter "Munchies" versteht man den durchs Kiffen ausgelösten Drang, sich plötzlich und wahllos mit zumeist ungesunden Lebensmitteln vollzustopfen. Curly – ehemals Curlyman – kennt dieses Phänomen nur allzu gut. So gut, dass er sein Album danach benannt hat.

Der Rapper ist ein richtiger Hänger. Glaubt man seinen Lyrics, so besteht sein Leben zu 90 Prozent aus Cannabiskonsum. Was er sonst noch so treibt, ist wiederum gar nicht so leicht zu beantworten, denn aus thematischer Sicht ist "Munchies" ein extrem flaches Album. Von den angeberischen Bars über den entspannten und sorglosen Lifestyle des Karlsruhers bleibt auch nach mehrmaligem Hören sehr wenig hängen. Dabei kann der Lockenkopf recht amtlich rappen. Auch die Beats, die von Max Mostley und Enaka sowie Curly selbst stammen, haben einen modernen Sound und pumpen ordentlich. Doch die Kombination aus den größtenteils energetischen Instrumentals, der bereits erwähnten Themenarmut Curlys und seiner oberflächlich-arroganten Art überzeugt im Falle von "Munchies" nicht. Die Crux des Albums ist schlichtweg, dass es keine Spannungskurve besitzt. Für sich genommen funktionieren die meisten Anspielpunkte wunderbar. Neben wenigen Lückenfüllern, beispielsweise dem nervig-hektischen "Praxis" oder dem Track "Jagd" mit Schote, können andere Tracks durchaus punkten. So ist das titelgebende "Munchies" ein treibender Trapbanger, der einen dazu animiert, sich zu bewegen und den eigenen Kühlschrank zu plündern. Auch das trotzige "Warum nicht" mit Young Kira weiß zu überzeugen – was auch daran liegt, dass es sich beim dazugehörigen Instrumental um das wohl entspannteste des gesamten Werks handelt.

Mit "Munchies" liefert Curly ein Album, das er besser gekürzt als EP veröffentlicht hätte. Thematisch und stilistisch betrachtet herrscht hier zu wenig Vielfalt. Es verhält sich ein wenig wie mit dem Fastfood, das man spätnachts bekifft und ausgehungert aus der Verpackung holt: Je mehr man sich davon gönnt, desto weniger befriedigt es einen.

(Steffen Bauer)