Antilopen Gang

Die Anti­lo­pen Gang hat sich ver­än­dert. Die neue Plat­te "Anar­chie und All­tag" stieg auf Platz 1 der deut­schen Charts ein und Kol­jah, Panik Pan­zer und Dan­ger Dan son­nen sich seit­dem im Schein­wer­fer­licht. Neben Cock­tail­emp­fän­gen, Cham­pa­gner­ver­kos­tun­gen sowie der Geburts­tags­par­ty von Gior­gio Arma­ni bleibt den Chart­rap­pern nur wenig Zeit für Inter­views mit unbe­deu­ten­den Nischen­ma­ga­zi­nen wie MZEE​.com. Nach lan­ger Über­zeu­gungs­ar­beit nahm sich immer­hin Kol­jah auf einer Auto­fahrt Zeit für uns, wäh­rend Panik Pan­zer am Steu­er für die Frei­ga­be der zu geben­den Ant­wor­ten zustän­dig war. Dan­ger Dan befand sich ver­mut­lich auf einer der oben genann­ten Ver­an­stal­tun­gen. Wir spra­chen mit Kol­jah zur Abwechs­lung mal nicht über die poli­ti­schen Ansich­ten der Gang. Statt­des­sen ging es um sei­ne Ver­gan­gen­heit als Kif­fer, den per­sön­li­chen Cha­rak­ter der neu­en Plat­te und das Release Date von Panik Pan­zers Solo­al­bum.

MZEE​.com: 2010 hast du auf "Publi­kums­be­schimp­fung" noch gerappt: "Ich mach' so lang Musik, bis Cam­pi­no mir 'ne Hook singt." Das ist auf eurem Punk-​Bonusalbum "Atom­bom­be auf Deutsch­land" nun pas­siert. Ist für dich jetzt Schluss mit Musik?

Kol­jah: Nee. Cam­pi­no hat jetzt zwei Hooks gesun­gen, damals war ja nur die Rede von einer Hook. Neben der Hook von "Enkel­trick" auf der Bonus­plat­te singt er auch noch am Ende von "Hil­fe" auf "Anar­chie und All­tag". So kann ich mich irgend­wie aus der Num­mer raus­win­den.

MZEE​.com: "Atom­bom­be auf Deutsch­land" prä­sen­tiert gleich 12 Antilopen-​Tracks in neu­em Punk­ge­wand, jeder mit der Betei­li­gung eines nam­haf­ten Künst­lers aus der Sze­ne. Wonach habt ihr ent­schie­den, wer wel­che Hook auf der Plat­te singt?

Kol­jah: Meis­tens war rela­tiv klar, wel­che Hook da zu wem passt. Bei Cam­pi­no zum Bei­spiel wuss­ten wir ein­fach, dass er "Enkel­trick" sehr mag. Ich hab' ihn das auch vor­her schon mal grö­len hören. Bei "Ver­liebt" war Mon­chi von Fei­ne Sah­ne Fisch­fi­let ja schon im Video, da war's auch klar. So eine Sauf­hym­ne wie "Alki­lo­pen" passt natür­lich ein­fach zu Wolf­gang Wend­land von den Kas­sie­rern … und so war's eigent­lich bei den meis­ten Songs. Als wir die nor­ma­le Ver­si­on von "Piz­za" gemacht haben, fan­den wir die gan­ze Zeit, dass der Track so ein biss­chen wie ein Ärzte-​Song klingt. Das ist ja auch ein ähn­li­cher Humor. Da haben wir sogar kurz über­legt, Bela B für die nor­ma­le Ver­si­on anzu­fra­gen. Da kam Dan­ger Dan näm­lich nicht so rich­tig mit der Ton­la­ge zurecht. Das haben wir aber gelas­sen, weil wir die Hook dann doch lie­ber selbst machen woll­ten, als so einen gro­ßen Namen für die Sin­gle zu nut­zen. Dann ist es halt die Punk-​Version gewor­den.

MZEE​.com: Mit dem neu­en Album seid ihr auf Platz 1 der Charts ein­ge­stie­gen. Hat Panik Pan­zer mitt­ler­wei­le sei­ne Tro­phäe dafür bekom­men? Die hat­te ja etwas Ver­spä­tung.

Kol­jah: Ich stell' dich mal grad auf Laut­spre­cher und lass' ihn selbst ant­wor­ten.

Panik Pan­zer: Ich muss gleich abbie­gen! (lacht)

MZEE​.com: Ich woll­te nur wis­sen, ob dei­ne Tro­phäe für Platz 1 ange­kom­men ist.

Panik Pan­zer: Ja, mei­ne Tro­phäe ist mitt­ler­wei­le ange­kom­men. Ich hat­te Beef mit dem Post­bo­ten eines Logis­tik­un­ter­neh­mens. Ich hab' ihn dann vor der Tür abge­fan­gen, ihm ein paar Schel­len gege­ben und ihm das Paket abge­nom­men. Seit­dem bin ich im Besitz mei­ner eige­nen Tro­phäe. Ich muss mich jetzt wie­der kon­zen­trie­ren, es tut mir leid, ich mach' gera­de Feh­ler. (lacht)

MZEE​.com: Wie sur­re­al ist es für euch, mit einer Antilopen-​Platte auf die 1 zu gehen?

Kol­jah: Ich find's total sur­re­al. Das Wort hab' ich auch immer direkt benutzt, wenn mich Leu­te danach gefragt haben. Es war zwar schon davon aus­zu­ge­hen, dass sich ein paar Leu­te die Plat­te holen und wir Platz 41 von "Aver­si­on" wahr­schein­lich top­pen wer­den. Aber die 1 ist dann schon krass. Natür­lich muss man nicht mehr soviel dafür ver­kau­fen wie frü­her, aber trotz­dem hat die­se 1 ein­fach einen kras­sen Sym­bol­cha­rak­ter. Das ist ja so ein Pres­ti­ge­ding. Und wenn ich mir ver­ge­gen­wär­ti­ge, dass wir halt die Anti­lo­pen Gang sind, was bei uns so geht und wie lan­ge wir das schon machen … dann ist das schon völ­lig bescheu­ert.

MZEE​.com: Bedeu­tet euch die Plat­zie­rung denn etwas?

Kol­jah: Ja doch, klar. Da wür­den wir auch nur koket­tie­ren, wenn wir jetzt so tun wür­den, als wär' uns das scheiß­egal. Klar ist das cool. Aber wir haben uns das halt nicht als Ziel gesetzt. Wären wir jetzt schlech­ter als Platz 41 gechar­tet, hät­te mich das ein biss­chen gewurmt, alles dar­über wäre cool gewe­sen. Auf die 1 haben wir dann ja auch ange­sto­ßen und ein mög­lichst pathe­ti­sches State­ment auf Face­book gepos­tet.

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MZEE​.com: Erfolg­rei­che und pop­pi­ge Sin­gles wie "Piz­za" sor­gen ja gera­de bei alt­ein­ge­ses­se­nen Fans ger­ne mal für Ärger. Gibt es auch bei euch intern Dis­kus­sio­nen dar­über, nicht zu sehr in irgend­ei­ne Rich­tung abdrif­ten zu wol­len?

Kol­jah: Ich ver­steh', was du meinst. Bei uns gibt es da eh so eine ste­ti­ge Dis­kus­si­on, weil wir ein­fach vie­le Facet­ten haben. Da steht die alber­ne und kla­mau­ki­ge Sei­te der ernst­haf­ten und poli­ti­schen gegen­über. Wir müs­sen immer irgend­wie die Balan­ce hal­ten und wenn es zu sehr in eine Rich­tung abdrif­tet, haben wir oft den Ein­druck, dass wir ein biss­chen auf­pas­sen müs­sen. So ein Lied wie "Piz­za" ist schon cool, muss man aber auch nicht noch fünf­mal machen. Am Ende der Plat­te steht dann mit "Ges­tern war nicht bes­ser" ja auch eher so ein Depri­song. Das reprä­sen­tiert uns genau­so.

MZEE​.com: Ertappt ihr euch durch den Mainstream-​Erfolg auch bei dem Gedan­ken: "Boah, ich hab' gar kei­nen Bock dar­auf, dass der und der unse­re Musik hört"?

Kol­jah: Das hat nicht unbe­dingt etwas damit zu tun, wie vie­le Men­schen dei­ne Musik hören. Du kannst auch in einem AZ vor 100 Leu­ten spie­len und dir den­ken: "Mei­ne Güte, die sind jetzt auch nicht alle cool und mit denen würd' ich auch nicht chil­len wol­len." Ich hab' ja auch die Plat­te "Publi­kums­be­schimp­fung" gemacht, die war nicht auf Platz 1 in den Charts, son­dern eine CD-​Pressung mit 500er Auf­la­ge. Damals hab' ich schon gegen mein Publi­kum geschos­sen und mir zur Atti­tü­de gemacht, mein eige­nes Publi­kum zu belei­di­gen. Viel­leicht mul­ti­pli­ziert sich das natür­lich, wenn du in einer 1 000er Hal­le spielst. Aber sobald du dei­ne Musik auf die Welt los­lässt, ist ja eigent­lich klar, dass sich das Leu­te anhö­ren, mit denen man pri­vat nicht so viel zu tun haben wür­de. Das find' ich aber auch okay. Und es ist natür­lich auch unan­ge­bracht eli­tär, zwi­schen denen zu unter­schie­den, die eine Berech­ti­gung haben, das zu hören, weil sie län­ger dabei sind, und neu­en Hörern, die "Piz­za" aus dem Radio ken­nen. Da sind bestimmt auch coo­le Leu­te dabei.

MZEE​.com: In Hin­blick auf eine Viel­zahl der kuli­na­ri­schen Ablich­tun­gen eures Tou­rall­tags, spe­zi­ell auf der Face­book­sei­te von Dan­ger Dan: War­um ist eigent­lich aus­ge­rech­net Piz­za und nicht Cur­ry­wurst mit Pom­mes die Lösung aller Pro­ble­me gewor­den?

Kol­jah: Es gab auch einen Song, in dem wir Cur­ry­wurst und Pom­mes erwähnt haben. Der hat es aber lei­der nicht auf das Album geschafft, wir haben irgend­wie das sehr bekann­te Sam­ple nicht geklärt gekriegt. (lacht) Tat­säch­lich kam dann Dan­ger Dan mit der Pizza-​Idee. Auf Piz­za kön­nen sich wahr­schein­lich auch mehr Leu­te eini­gen als auf Cur­ry­wurst. Die Vegetarier-​Problematik ist da unkom­pli­zier­ter, 'ne vege­ta­ri­sche oder vega­ne Cur­ry­wurst ist halt echt nicht so geil. Dazu fan­den wir's dann noch ganz inter­es­sant, dass es ja in den ver­schie­dens­ten Kul­tu­ren die­se Äqui­va­len­te zu Piz­za gibt. Im End­ef­fekt inter­pre­tie­re ich da aber gra­de im Nach­hin­ein etwas Sinn hin­ein, das war auch ein biss­chen Will­kür. (lacht) Der Mann Panik Pan­zer hat gera­de gesagt: "Piz­za ist wie Pan­zer, mag jeder".

MZEE​.com: Was waren die Unter­schie­de bei der Ent­ste­hung von "Anar­chie und All­tag" und "Aver­si­on"? Wel­che Rol­le hat es gespielt, dass ihr mitt­ler­wei­le viel mehr in der Öffent­lich­keit stan­det?

Kol­jah: Also, bei "Aver­si­on" wuss­ten wir auch schon, dass die Auf­merk­sam­keit grö­ßer sein wird als vor­her, aber da wuss­ten wir ja noch gar nicht, wohin die Rei­se geht. Jetzt, zwei Jah­re spä­ter, haben wir halt den gan­zen Kram schon ein­mal durch­lebt. Medi­en­rum­mel, Fes­ti­vals und so wei­ter. Man hat natür­lich im Hin­ter­kopf, dass sich dann mehr Men­schen dafür inter­es­sie­ren. Aber wir haben gemerkt, dass man bes­ser dran ist, wenn man sich von die­sen Gedan­ken frei­macht. Das bringt ja der Musik nichts. So gese­hen haben wir es so gemacht wie immer und getan, wor­auf wir Bock hat­ten. Erst als die Songs fer­tig waren, haben wir über­legt, was eine gute ers­te Sin­gle ist oder was live gut rüber­kommt.

MZEE​.com: Ich habe mir die Fra­ge gestellt, weil ich fin­de, dass die Alben tat­säch­lich ziem­lich ver­schie­den sind. Nach "Aver­si­on" wur­det ihr in der Öffent­lich­keit vor allem in eine gesell­schafts­be­trach­ten­de, kri­ti­sie­ren­de Rich­tung ein­ge­ord­net. "Anar­chie und All­tag" ist mei­ner Mei­nung nach aber viel per­sön­li­cher gewor­den – es geht mehr um euch selbst, zum Bei­spiel auch um depres­si­ve Ten­den­zen.

Kol­jah: Ja, das ist uns eher im Nach­hin­ein auf­ge­fal­len. Wir haben uns da nicht groß­ar­tig einen Kopf gemacht, das ist ein­fach so raus­ge­kom­men. Wir haben jetzt auch gemerkt, dass die Plat­te etwas per­sön­li­cher und klein­tei­li­ger gewor­den ist, nicht so über­ge­ord­net auf die gesam­te Gesell­schaft. Da haben uns meh­re­re Leu­te drauf hin­ge­wie­sen. Auch ein Song wie "Tin­der­match" bedient sich da ja an ein­zel­nen Bio­gra­fi­en. Die­se gan­zen The­men wie zum Bei­spiel Depres­sio­nen haben sich aber natür­lich schon immer durch unser Schaf­fen gezo­gen, mal mehr, mal weni­ger ein­deu­tig. An sich hab' ich auch das Gefühl, dass wir schon län­ger eigent­lich immer das Glei­che machen. (lacht) Wir haben halt einen rela­tiv gro­ßen Kos­mos, aus dem vie­le Songs ent­ste­hen kön­nen.

MZEE​.com: Mir ist außer­dem auf­ge­fal­len, dass du und Dan­ger Dan auf der Plat­te immer wie­der beto­nen, wie froh ihr seid, nicht mehr zu kif­fen.

Kol­jah: Da hast du gut auf­ge­passt. Das ist, glau­be ich, tat­säch­lich eins der ver­steck­ten Haupt­the­men der Plat­te. Wir haben ja bei Roe Bear­die auf­ge­nom­men und der hat auch irgend­wann gesagt: "Das ist ja voll das Anti-​Kiffer-​Album!" Das wur­de uns dann auch erst so rich­tig klar. Es ist offen­bar ein The­ma, das uns immer noch so sehr im Kopf rum­spukt, dass wir das immer wie­der andeu­ten.

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MZEE​.com: Wie­so beschäf­tigt euch die­se Pha­se in eurem Leben immer noch so?

Kol­jah: Also, ich hab' Ende 2012 auf­ge­hört und das war ein­fach ein total ein­schnei­den­der und wich­ti­ger Schritt in mei­nem Leben. Ich glau­be, dass vie­les in den Jah­ren davor wegen der Kif­fe­rei sub­op­ti­mal lief. Mich hat das unheim­lich lethar­gisch gemacht: Ich hab' antriebs­los zu Hau­se gehan­gen und wenn das Tele­fon geklin­gelt hat, hat­te ich eher Para­noia als Bock, mich mit jeman­dem zu unter­hal­ten. Ich hab' schon mit 13 Jah­ren ange­fan­gen und dann mit 26 auf­ge­hört, das war also echt mein hal­bes Leben. Es hat die letz­ten Jah­re auch über­haupt kei­nen Spaß mehr gemacht, mir nichts gebracht. Und das wuss­te ich auch, aber ich war halt abhän­gig von der Schei­ße und hab' echt lan­ge gebraucht, um das hin­ter mir zu las­sen. Als ich auf­ge­hört hab', ging mir alles viel leich­ter von der Hand, ich hab' neue Per­spek­ti­ven gese­hen, mehr Selbst­be­wusst­sein bekom­men … die gan­zen komi­schen Kiffer-​Verkackungen, die man so kennt, sind von mir abge­fal­len. Und jetzt kann ich mir kaum noch vor­stel­len, wie ich damals so drauf war, das hab' ich kom­plett hin­ter mir gelas­sen. Und Dan­ger Dan ist schon lan­ge kein Kif­fer mehr, der hat wahr­schein­lich seit zehn oder 15 Jah­ren nicht mehr gekifft, aber offen­bar ist es für ihn auch immer noch wich­tig.

MZEE​.com: Anschei­nend war es euch ja ein Bedürf­nis, dar­über zu reden. Ihr habt euch sicher kei­nen gro­ßen Erzie­hungs­auf­trag auf­er­legt, aber gibt es irgend­was, das du jun­gen Men­schen zu dem The­ma sagen willst?

Kol­jah: Ich weiß ja von mir sel­ber, dass ich über­haupt kei­nen Bock auf irgend­wel­che Leu­te hat­te, die mir sagen, ich sol­le nicht kif­fen. Ich hab's ja selbst wie gesagt 13 Jah­re gemacht und es wäre wohl ziem­lich schein­hei­lig von mir, das irgend­wem zu sagen. Das ist auch nicht mein Anspruch oder Ziel. Wenn mich jetzt jemand fra­gen wür­de, dann wür­de ich halt sagen: "Weiß­te was, ich würd's ein­fach las­sen". Ich glau­be, es ist auf jeden Fall kei­ne schlech­te Idee, ein biss­chen damit zu war­ten.

MZEE​.com: Auf "Flop" rappst du: "Jeder, der behaup­tet, Anti­lo­pen könn' nicht rap­pen, lehnt sich zu weit aus dem Fens­ter wie der Sohn von Eric Clap­ton" – spe­zi­ell nach dem Release von "Aver­si­on" gab es immer wie­der den Vor­wurf, euer Talent sei begrenzt. Hand aufs Herz: Nagt sol­che Kri­tik an einem?

Kol­jah: Natür­lich hat man sowas wie eine "Rap­per­eh­re", die man irgend­wie ver­tei­di­gen will. Ich rap­pe ja auch wirk­lich schon sehr lan­ge. Die Line kann man auch als Reak­ti­on auf die­se Kri­tik ver­ste­hen, denn ich fin­de auf jeden Fall, dass wir die Kyngz sind. Und das kann man auch mal fest­hal­ten. Vor "Aver­si­on" hab' ich die Kri­tik tat­säch­lich auch noch nie gehört. Ich glau­be, dass uns irgend­wann ande­re Sachen wich­ti­ger wur­den, als krass vie­le Flows aus­zu­pa­cken und die geils­ten Rei­me zu haben. Da hab' ich frü­her mehr Ener­gie ver­schwen­det. Viel­leicht ändert sich die Her­an­ge­hens­wei­se auch dadurch, über was für Sachen man rappt. Bei einem Album wie "Mot­to Mob­bing", auf dem es um nichts geht, wird es natür­lich wich­ti­ger, wie man rappt. Bei unse­ren aktu­el­len Sachen ist das eher zweit­ran­gig gewor­den. Ich den­ke, wer ein biss­chen Ahnung hat oder sel­ber rappt, merkt das aber auch.

MZEE​.com: "Aver­si­on", "Abwas­ser", "Atom­bom­be auf Deutsch­land", "Anar­chie und All­tag" - beab­sich­tigt ihr, die aktu­ell anhal­ten­de Albentitel-​Alliteration fort­zu­füh­ren, oder ergab sich die­se bis­her rein zufäl­lig?

Kol­jah: (lacht) Spä­tes­tens mit den bei­den neu­en Plat­ten ist es kein Zufall mehr. Es gab ja vor "Aver­si­on" tat­säch­lich auch schon "Aschen­be­cher". Bei "Abwas­ser" haben wir schon gesagt: "Ja, das 'A' ist cool", aber da war's schon noch Zufall. Für "Anar­chie und All­tag" hat­ten wir lan­ge Zeit noch einen ande­ren Album­ti­tel ohne "A" – und zwar "Gor­don Shum­way". Das ist der bür­ger­li­che Name von Alf, über den es ja auch einen Track auf der Plat­te gibt. Das hät­ten wir aber wegen der Rech­te nicht durch­be­kom­men. Als wir uns dann auf "Anar­chie und All­tag" geei­nigt haben, war klar: "Das müs­sen wir machen, das hat ja sogar zwei 'A's." Genau in dem Moment haben wir dann etwas geschaf­fen, aus dem wir schwer wie­der her­aus­kom­men. Das heißt aber nicht, dass wir nicht jeder­zeit wie­der einen Schluss­strich dar­un­ter set­zen kön­nen. (lacht)

MZEE​.com: Also haben wir noch nicht exklu­siv den Anfangs­buch­sta­ben des nächs­ten Anti­lo­pen Gang-​Albums gele­akt.

Kol­jah: Ich bin selbst unsi­cher, ich weiß es nicht. Mit Album­ti­teln haben wir uns zuletzt auch immer etwas schwer getan. Ist auch die Fra­ge, wie vie­le gei­le Wor­te mit "A" am Anfang es noch gibt. Bis jetzt hat es halt immer irgend­wie gepasst.

MZEE​.com: Sind eigent­lich auch noch Solo­plat­ten von euch geplant oder ste­hen nur noch Band­al­ben an?

Kol­jah: Wir haben da kei­nen gro­ßen über­ge­ord­ne­ten Plan. Ich den­ke, man kann mit bei­dem rech­nen. Min­des­tens Dan­ger Dan und Kol­jah sind ja auch mal als so eine Art Solo­künst­ler bekannt gewe­sen und ich glau­be, dass frü­her oder spä­ter der Zeit­punkt kom­men wird, an dem wir das auch wie­der aus­le­ben wol­len. In wel­cher Form und wann und wie genau, das weiß kei­ner so genau. Wahr­schein­lich wür­de es uns gut­tun, auch mal wie­der über den Tel­ler­rand zu gucken, den wir selbst um uns her­um gemau­ert haben. Man darf gespannt sein.

MZEE​.com: Was wird wohl eher fer­tig: der Flug­ha­fen Ber­lin Bran­den­burg oder die Solo­plat­te von Panik Pan­zer?

Kol­jah: (lacht) Da weiß ich jetzt selbst nicht so genau Bescheid. Will sich der Mann Panik Pan­zer dazu äußern? Ich mach' dich noch mal kurz auf laut …

Panik Pan­zer: (lacht) Das ist eine gute Fra­ge. Ich möch­te in Aus­sicht stel­len, dass die Panik Panzer-​Soloplatte, ohne dass ich jetzt genaue­re Anga­ben zum Umfang machen kann, noch vor die­sem däm­li­chen Flug­ha­fen und auch vor Stutt­gart 21 fer­tig wird.

MZEE​.com: Die letz­ten Wor­te gehö­ren dir, Kol­jah.

Kol­jah: Ich möch­te dar­auf hin­wei­sen, dass ich schon 2001 ein MZEE​.com Exclu­si­ve hat­te: Kol­jah & Tai­phun mit "Du bist frei". Das war zu dem Zeit­punkt mein größ­ter Erfolg, mit einem mei­ner ers­ten Songs über­haupt auf der MZEE​.com Start­sei­te zu lan­den, weil ich damals ins Forum geschrie­ben hab' und Ralf Kott­hoff (MZEE​.com CEO, Anm. d. Red.) es irgend­wie klar­ge­macht hat, dass ich damals mit zar­ten 15 Jah­ren oder so einen Song als MZEE​.com Exclu­si­ve hat­te. Woll­te ich noch mal eben sagen …

(Alex­an­der Hol­len­horst)
(Fotos von Robert Eikel­poth)