Lucky Looks – Lieutenant

'Alles wird gut' war lei­der nur 'ne Lüge.
Wir führ'n kei­ne Bezie­hung, wir führ'n Krie­ge.

Bietigheim-​Bissingen soll­te mitt­ler­wei­le zahl­rei­chen Rapf­ans in Deutsch­land ein Begriff sein. Immer­hin stam­men nam­haf­te Künst­ler wie Shin­dy, RIN oder Caz aus der schwä­bi­schen Pro­vinz. Und auch Lucky Looks hat dort sei­ne Hei­mat. Die eins­ti­ge Rotz­na­se ver­öf­fent­lich­te kurz vor Jah­res­en­de eine EP namens "Lieu­ten­ant". Da stellt sich die Fra­ge: Kann er das Stan­ding sei­nes Hei­mat­dorfs damit auf­recht­erhal­ten?

Lucky Looks rappt über das, wofür er seit gerau­mer Zeit steht. Wäh­rend er frü­her noch aso­zia­le Parts in der RBA kick­te, ste­hen mitt­ler­wei­le Melan­cho­lie, Gefühls­cha­os und Selbst­re­fle­xi­on auf dem Pro­gramm. Auf Erfolg ist der Jun­ge aus Süd­deutsch­land sowie­so nicht aus. Der "Lieu­ten­ant" führt in die­ser EP meta­pho­risch durch die Spiel­zeit, indem er The­men wie Lie­be auf eine Ebe­ne mit Kampf und Krieg führt. Musi­ka­lisch unter­mau­ert wird das Gan­ze durch die Beats von Dela­pi, der schon zu Luckys vor­he­ri­ger EP "zzZ" drei Beats bei­steu­er­te. Mit sei­nen Instru­men­tals erzeugt der Pro­du­zent eine stim­mi­ge Atmo­sphä­re, die per­fekt zu den lyri­schen Inhal­ten passt. Hier ein Pia­no, da ein Vocal-​Sample von Schnulzen-​Sänger The Weeknd, alles gepaart mit der Stim­me von Lucky Looks. Und die­ser wählt die Namen der Tracks dem EP-​Titel ent­spre­chend. So beginnt die musi­ka­li­sche Rei­se aus dem "Hin­ter­halt", bevor die "Kapi­tu­la­ti­on" erklärt wird, die schließ­lich zum "Abzug" führt. Das Gan­ze endet für den Prot­ago­nis­ten mit der "Ehren­me­dail­le" – einer Odys­see durch sein Liebes-​Kriegsgebiet.

Bis­her ver­öf­fent­lich­te Lucky Looks ledig­lich ein Kurz­werk nach dem ande­ren, auf ein gro­ßes Album war­tet man jedoch wei­ter ver­ge­bens. Das ändert sich auch mit "Lieu­ten­ant" nicht. Wenn der Rap­per uns aber wei­ter mit so star­ken EPs wie der jet­zi­gen berei­chert, kann man das War­ten gut ver­kraf­ten. Er muss sich also kei­nes­wegs zwi­schen den gan­zen Talen­ten sei­ner Hei­mat ver­ste­cken und hält auch mit die­ser EP den guten Ruf der klei­nen schwä­bi­schen Pro­vinz auf­recht.

(Fabri­zio Per­ri)