Eno – Xalaz

War fünf Jah­re schwarz, heu­te Stu­dent – Xalaz!
Sieh zu, wie ich dei­ne Crew bang' – Xalaz!

Deut­scher Rap ver­än­dert sich, adap­tiert Sti­le ande­rer Gen­res oder Län­der und ent­wi­ckelt sich wei­ter. Aktu­ell ist es etwa die fran­zö­si­sche Sze­ne, die stark auf hie­si­ge Künst­ler abfärbt. So ein Trend beein­flusst natür­lich nicht nur eta­blier­te Musi­ker, er bringt auch sei­ne eige­nen New­co­mer mit sich. Eno wird ger­ne mit der nun her­über­schwap­pen­den Wel­le in Ver­bin­dung gebracht. Und mit Xatar als Label­chef dürf­te er dar­auf auch noch eine gan­ze Wei­le lang rei­ten kön­nen. Zumin­dest, wenn er die Gunst der Stun­de nutzt. "Xalaz" erscheint also genau recht­zei­tig.

Dass das Stree­tal­bum laut Anga­ben des Künst­lers inner­halb eines Monats ent­stan­den ist, spricht für den nöti­gen Hun­ger, den ein New­co­mer mit­brin­gen soll­te. Mehr Pro­duk­ti­ons­zeit scheint Eno aber auch gar nicht zu benö­ti­gen. Auf zehn Anspiel­sta­tio­nen prä­sen­tiert er ein brei­tes Spek­trum homo­ge­ner Sound­ge­bil­de aus ana­lo­gen Klän­gen und sphä­ri­schen Tönen. Über allem schwebt ein Hauch "Künst­lich­keit" in Form von star­ken Autotune-​Einflüssen und trap­pi­gem Flow, der die ganz eige­ne Note des Wies­ba­de­ners aus­macht und sei­nen Hang zur fran­zö­si­schen Sze­ne ver­deut­licht. Inhalt­lich hat er das Rad frei­lich nicht neu erfun­den: Rep­re­sen­ting, das Stre­ben nach einem prall gefüll­ten Kon­to und der blitz­schnel­le, ver­meint­li­che Auf­stieg auf den Thron der Sze­ne ste­hen im Vor­der­grund. Den­noch weiß Eno auch von erns­ten The­men zu erzäh­len. So beschreibt er bei­spiels­wei­se auf "Fuchs" das Leben im Kriegs­ge­biet oder auf "Rein raus" die ver­zwei­fel­te Lage, die ihn zu man­cher Straf­tat ver­lei­te­te. Die­se Inhal­te trägt der Rap­per mal im ganz ent­spann­ten Laidback-​Stil, mal mit aggres­siv bis­si­gem Flow, doch stets auf sei­ne ganz eige­ne Art vor.

Die einen sind der Mei­nung, die jun­ge Gene­ra­ti­on kopie­re die fran­zö­si­sche Sze­ne ein­fach nur, die ande­ren sagen, sie käme nicht ansatz­wei­se dar­an her­an. Letzt­lich haben die­se neu­en Künst­ler aus den fran­zö­si­schen Ein­flüs­sen ein­fach ihren ganz eige­nen Style ent­wi­ckelt. Und der hat mit Eno und sei­nem Debüt "Xalaz" nicht nur einen talen­tier­ten Vor­rei­ter, son­dern sicher­lich auch einen für deut­schen Rap all­ge­mein rele­van­ten Künst­ler gefun­den.

(Dani­el Fersch)