Sido – Das gol­de­ne Album

Ihr Affen, ich bin der Direktor vom Zoo.
Deutschrap schreibt man 'S-I-D-O'!

Schon wieder ein Sido-Album? Kam "VI" nicht erst vor gefühlt ein paar Wochen? War "VI" überhaupt das letzte? Langsam komme ich mit Siggis Diskografie durcheinander, auch wenn "Maske" das erste Rapalbum überhaupt in meinem Regal war und ich seine Karriere lange Zeit intensiv verfolgte. Inzwischen veröffentlicht Sido also sein siebtes Studioalbum, mit dem er laut eigener Aussage "zurück zur Basis" will. Ist es dafür nicht etwas zu spät?

Was genau hinter dem "goldenen Album" steckt, lässt sich leicht erkennen: oldschoolige Samples, dreckige Loops, ignorante Raps. Das Ganze soll wie früher klingen. Tut es zunächst auch. Der Junge ausm Block hat nach dem Debüt ein wenig Kohle in der Tasche und kann beim zweiten Album mehr in Aufnahme- und Soundqualität investieren. Dabei rappt er auf dem "goldenen Album" ignorant vom Traum, es von "ganz unten" nach ganz oben zu schaffen, dem täglichen Graskonsum, der ihn allmählich zum Hänger macht, und wie ihn der "Alkohol" stockbesoffen vor dem Arbeitsamt erscheinen lässt. Man kommt aber irgendwie nicht umhin, zu bemerken, dass dieser Sido nicht mehr viel mit dem eigentlichen Künstler zu tun hat, der inzwischen gutverdienender Geschäftsmann und Vater ist. Dem kauft man Titel wie "Papa ist da" oder den Storyteller "Der einzige Weg" mit Mark Forster viel eher ab und lässt sich zur Not auch noch auf die durchaus berechtigte Kritik in "Masafaka" ein – aber Siggi aus dem Block ist das eben nicht mehr. Das Rapgame hat Sido nach wie vor im Griff und er beherrscht es wie kaum ein anderer. Vielleicht sollte er sich jedoch langsam eingestehen, dass man das Viertel zwar nicht aus dem Jungen kriegt, es aber auch nicht unbedingt zum Mann passt, der er heute nun mal ist.

"Das goldene Album" ist kein Rückschritt, nur eben auch kein "back to the roots". Viel eher wirkt Sidos siebte Platte wie eine Alternativversion für ein zweites Album, das direkt an "Maske" anknüpft. Vom Sound und vom Feeling her kann es auch absolut überzeugen. So kommt es dem Werk vielleicht sogar entgegen, dass ich die Diskografie des einstigen MV-Jungen nicht mehr so ganz auf dem Schirm habe und "Das goldene Album" im Regal so direkt neben dem ersten Album platzieren kann.

(Daniel Fersch)