LGoony – Intergalactica

Alter, fick die Sze­ne, alles Blen­der!
Ich pass' hier nicht rein, man – Cin­de­rel­la!

Was einem zu "Grapetape"-Zeiten noch ein Bedürf­nis war zu beto­nen, soll­te inzwi­schen jedem bekannt sein. Denn eines der jüngs­ten Sub­gen­res der Sze­ne, das mit der GUDG hier­zu­lan­de eher einen Klamauk-​Start hat­te, ist inzwi­schen nicht nur eta­bliert, es hat mit LGo­ony auch einen sei­ner wich­tigs­ten Ver­tre­ter gefun­den. Spä­tes­tens seit "Auro­ra" mit Crack Ignaz kann nie­mand mehr behaup­ten, dass es sich bei der Musik des Köl­ners nicht um ernst­zu­neh­men­de Kunst han­de­le. Und wenn doch: "Inter­ga­lac­tica" dürf­te das ändern.

Denn was die Video­sin­gle "Hei­lig" schon ankün­dig­te, fin­det in LGo­onys neu­em Album nun sei­ne Bestä­ti­gung: Es geht längst nicht mehr dar­um, ein­ge­ros­te­ten Rapheads mit unge­wohn­tem Sound vor den Kopf zu sto­ßen. Es geht um das Ergrün­den neu­er Klang­wel­ten und dar­um, sie zu Kunst­wer­ken zu fei­len. Die Anti­hal­tung gegen­über alt­ba­cke­ner Sze­ne­re­geln herrscht zwar noch vor, klingt jedoch deut­lich gereif­ter und vol­ler, wäh­rend das Way Above-​Mindsetting durch eine düs­te­re Grund­at­mo­sphä­re einen fast mys­te­riö­sen Cha­rak­ter erhält. Die The­men selbst blei­ben dabei grund­sätz­lich klar – egal, ob LGo­ony gera­de in frem­de Gala­xi­en ent­schwebt, die Wir­kung sei­ner Musik fast bibli­sche Aus­ma­ße annimmt oder er sich scho­nungs­los selbst­be­weih­räu­chert. Den­noch bleibt der Inter­pre­ta­ti­ons­raum des Gan­zen mit vol­ler Absicht extrem breit. Eben­so breit zeigt sich das Spek­trum des Sounds von "Inter­ga­lac­tica". Die gewohn­ten, syn­the­ti­schen Schwa­den wer­den mit ana­lo­gen Ele­men­ten berei­chert, die vom dre­cki­gen Boom bap-​Fundament bis zum düs­te­ren Piano-​Versatzstück rei­chen und in Kom­bi­na­ti­on mit LGo­onys Per­for­mance eine abge­run­de­te Sym­bio­se erge­ben.

Geschmacks­sa­che ist der syn­the­ti­sche Sound von "Inter­ga­lac­tica" selbst­ver­ständ­lich immer noch. Wer jedoch bestrei­tet, dass es sich bei dem, was LGo­ony inzwi­schen pro­du­ziert, um nicht weni­ger als abso­lut ernst­zu­neh­men­de Kunst han­delt, dem sei dies ger­ne noch­mals gesagt. Ganz so, wie man das seit dem "Gra­pe­tape" sowie­so schon tut.

(Dani­el Fersch)