Kollegah - Imperator

Kollegah – Imperator

Früher broke, heute läuft's am Schnürchen wie ein Seiltänzer.

In Sachen Erfolg und Anerkennung zählt Kollegah mittlerweile zur absoluten Speerspitze der hiesigen Rapszene. Kein Wunder auch, denn mit seinem letzten Album hat er gleich mehrere Rekorde geknackt. Und der Hype um seine Person scheint weiterhin ungebrochen. So stehen die Vorzeichen für sein neues Album "Imperator" alles andere als schlecht.

Man merkt schnell: Auf dem neuen Werk bekommt man all das, was man von Kollegah gewohnt ist und auch erwartet. Zu nennen wären da Wortspiele und Vergleiche zum Um-die-Ecke-Denken sowie die typische Selbstinszenierung als unangefochtenes Alphatier. Auch seine markante Raptechnik und die brachialen und epochalen Beats, die man von Kolles bisherigen Releases kennt, gibt es hier zu hören. All das hat der Rapper mittlerweile nahezu perfektioniert – und genau da liegt das Problem von "Imperator". Denn der Boss schafft es einfach nicht mehr, den Hörer zu überraschen, und eine Weiterentwicklung scheint kaum mehr möglich zu sein. Lediglich bei den Titeln, die er sich selbst verleiht, ist eine Progression erkennbar. So wurde aus dem "King" von 2014 eben der "Imperator", "Nero" und der "Pharao", den eine "Kaiseraura" umgibt. Da stellt man sich mit Blick auf ein mögliches nächstes Album die Frage, ob ihm nicht langsam die Herrschertitel ausgehen. Was ebenfalls keine Neuheit ist, sind die gelegentlichen Momente der Introspektive, Reflexion und Motivation, die darauf hinweisen, dass sich unter der harten Schale von Kollegah ein durchaus menschlicher Kern befindet. Tracks wie "Einer von Millionen", der mit einer recht kitschigen Hook von MoTrip aufwartet, stehen jedoch in so starkem Kontrast zum Rest des Albums, dass sie diesen regelrecht untergraben.

Dass Kollegah sich konsequent jeglichen Trends verschließt, zeigt, dass er kein Mitläufer ist. "If it ain't broke, don't fix it", sagt man auf Englisch. Und vor allem handwerklich wurde hier mehr als gute Arbeit geleistet. Doch ein paar neue Ansätze hätten der Maschinerie gutgetan, denn diese setzt langsam aber sicher ein wenig Rost an.

(Steffen Bauer)