EstA

EstA mach­te in der Rap­sze­ne zunächst vor allem durch sei­ne Teil­nah­me an Battlerap-​Turnieren von sich reden. Inzwi­schen konn­te sich der Saar­brü­cker aber auch abseits von Pun­ch­li­nes als Musi­ker einen Namen machen. So schaff­te er bei­spiels­wei­se mit sei­nen 2013 und 2016 ver­öf­fent­lich­ten Alben "EstA­tain­ment" und "Bes­tA" den Sprung in die deut­schen Album­charts. Ende Novem­ber die­ses Jah­res erschien sei­ne neue EP "Reset", die unter ande­rem in Zusam­men­ar­beit mit dem Ham­bur­ger Pro­du­zen­ten SiNCH ent­stan­den ist. Wir nah­men das aktu­el­le Release zum Anlass, um EstA zu sei­nem Wer­de­gang vom Batt­lerap­per zum eigen­stän­di­gen Künst­ler sowie sei­ner musi­ka­li­schen Zukunft zu befra­gen. Im Zuge des­sen spra­chen wir mit dem Rap­per auch über eini­ge inter­es­san­te Aspek­te der aktu­el­len poli­ti­schen Situa­ti­on im In- und Aus­land sowie sei­nen Gedan­ken dazu. Denn der bis­lang eher wenig poli­tisch in Erschei­nung getre­te­ne EstA sorg­te gera­de im Vor­feld des EP-​Releases mit sei­nem sozi­al­kri­tisch ange­hauch­ten Free Track "Your future is not mine" für Auf­se­hen. Neben die­sem erns­te­ren The­ma blieb deut­scher Rap in unse­rem Gespräch aber natür­lich nicht auf der Stre­cke. So ver­riet uns EstA sei­ne Mei­nung zu aktu­el­len Trends der Sze­ne wie Trap und Clou­d­rap und sprach über die Chan­cen, ihn selbst in Zukunft noch ein­mal in einem Battle­for­mat zu sehen.

MZEE​.com: Dei­ne aktu­el­le EP trägt den Titel "Reset", was so viel wie "Neu­start" bedeu­tet – zu Beginn des Inter­views wür­de ich ger­ne wis­sen, inwie­fern die EP einen Neu­start für dei­ne Musik dar­stellt?

EstA: Der Grund­ge­dan­ke, die EP so zu nen­nen, war wirk­lich ein Neu­start. Was noch geblie­ben ist, ist die Zusam­men­ar­beit mit SiNCH aus Ham­burg, der fünf von den sie­ben Songs pro­du­ziert hat. Ansons­ten ist die "Reset"-EP mein ers­tes Pro­jekt, das unab­hän­gig von mei­nem alten Label erscheint. Mein letz­tes Album "Bes­tA" ist immer noch größ­ten­teils unter Halun­ken­ban­de ent­stan­den und "Reset" ist jetzt das ers­te unab­hän­gi­ge Release davon. Ich sage dazu immer ger­ne, dass es befreit von alten Zwän­gen ist. (grinst) "Reset" wird unter dem neu­en Label Nur! Musik ver­öf­fent­licht. Dort wur­de zwar schon das letz­te Album raus­ge­bracht, aber vie­le Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se lie­fen noch über die Halun­ken­ban­de. Ich woll­te auch mal von die­sen EstA-​Wortspielen weg … "Bes­tA", "EstA­tain­ment", "EstAl­la­ti­ons EP". Irgend­wann war das ein­fach aus­ge­lutscht und ich dach­te mir, dass was Neu­es her muss.

MZEE​.com: Fass doch kurz mal zusam­men, in was für eine musi­ka­li­sche Rich­tung die aktu­el­le EP geht.

EstA: Ich wür­de sagen, sie ist sehr musi­ka­lisch, melan­cho­lisch und auch der jet­zi­gen Jah­res­zeit ange­passt. Es ist kein har­ter Oldschool-​Rap, da sind eher eini­ge pop­pi­ge Sachen drauf. Ich ver­su­che, mich in die musi­ka­li­sche Rich­tung wei­ter­zu­ent­wi­ckeln mit Hooks und Brid­ges, teil­wei­se sind auch Singsang-​Melos in den Stro­phen. Das ist auf jeden Fall der Weg, wo es hin­ge­hen soll und auch auf der EP hin­geht.

MZEE​.com: Der Free Track "Your future is not mine" ent­stand in Anleh­nung an die gleich­na­mi­ge Kam­pa­gne von Adi­das. Wie kamst du auf die Idee, aus die­ser Vor­la­ge ein eige­nes Lied zu machen?

EstA: Vor­weg muss ich sagen, dass der Gedan­ke war, den Song auf die EP zu packen. Und das hät­te ich auch sehr, sehr gern gemacht. Aber das Pro­blem ist halt, dass wir wahr­schein­lich Ärger mit dem Sam­ple bekom­men hät­ten, weil es eben aus der Adidas-​Kampagne war. Lus­ti­ger­wei­se hat mir das ein Kol­le­ge gezeigt und ich fand den Song im Hin­ter­grund echt geil. Des­halb kam ich auf die Idee, das zu sam­peln – und habe es SiNCH geschickt. Der war auch direkt begeis­tert und hat sich sofort dran­ge­setzt, sodass ich am Abend schon die ers­te Ver­si­on von dem Beat hat­te. Wegen des The­mas "Your future is not mine" … Ich bin ja eigent­lich nicht so der poli­ti­sche Rap­per und äuße­re mich da eher sel­ten. Mir gefällt aber nicht, dass der­zeit so weni­ge Leu­te zu den aktu­el­len Ent­wick­lun­gen Stel­lung neh­men wie zum Bei­spiel die Pro­zen­te der AfD. Das geht mir schon sehr gegen den Strich. Ich habe mir gedacht, dass ich mei­nen Stand­punkt bezie­hen und klar sagen muss, was Sache ist.

MZEE​.com: Bei all die­sen poli­ti­schen The­men wünscht man sich irgend­wie auch da ein Reset …

EstA: Auf jeden Fall! Ich find's erschre­ckend und trau­rig zugleich. Ich komm' auf die­se gan­zen Pro­test­wäh­ler gar nicht klar. Wie kannst du eine Par­tei wäh­len, deren Par­tei­pro­gramm qua­si so inhalts­los ist wie das von Trump? Das sind popu­lis­ti­sche Äuße­run­gen, da wer­den ein­fach nur Sprü­che raus­ge­hau­en. Das ist Het­ze und die Par­tei­en haben Leu­te in ihren Rei­hen, die ganz klar rechts ori­en­tiert sind. Wie kannst du da noch sagen, dass du nur Pro­test­wäh­ler bist? Wenn du die AfD wählst, bist du ein Nazi – und der Mei­nung bin ich immer noch. Der Spruch kam schon öfter und die Leu­te weh­ren sich auch immer noch dage­gen, aber es ist doch ein­fach Fakt! Die sol­len mal die Augen auf­ma­chen und sich damit befas­sen. Die bla­sen sich ein­fach nur auf, um zu het­zen, und nut­zen die Medi­en dazu, was die­se auch dan­kend anneh­men, um ein gro­ßes The­ma draus zu machen. Dann kommt es zu 13, 14 Pro­zent … Und gera­de mit Blick auf die Bun­des­tags­wahl nächs­tes Jahr: Ich weiß nicht, wer das Inter­view hier alles liest, aber ich appel­lie­re an die Leu­te, sich bit­te vor­her noch mal Gedan­ken zu machen. Die, die nicht wäh­len gehen wol­len, sol­len bit­te trotz­dem gehen, weil das sonst alles zuguns­ten der AfD geht.

MZEE​.com: Das ist ein sehr wich­ti­ges The­ma. Jetzt steht das Wahl­er­geb­nis in den USA im Fokus, aber wir hal­ten uns nicht vor Augen, dass es bei uns nächs­tes Jahr ähn­lich aus­se­hen könn­te.

EstA: Rich­tig. Obwohl ich nicht weiß, ob Hil­la­ry Clin­ton unbe­dingt die bes­se­re Alter­na­ti­ve gewe­sen wäre, aber wenigs­tens hat­te sie Inhalt in ihrem Wahl­pro­gramm. Bei Trump waren das ja popu­lis­ti­sche, ras­sis­ti­sche und frau­en­feind­li­che Aus­sa­gen. Der hat rich­tig abge­zo­gen …

MZEE​.com: Du hat­test dich auf Face­book, wie vie­le ande­re Künst­ler auch, kri­tisch über die Wahl Donald Trumps zum US-​Präsidenten geäu­ßert …

EstA: Das hat halt gut gepasst, weil ich gesagt habe, dass man ein Reset gebrau­chen und sich die EP dafür anhö­ren könn­te. (grinst) Lei­der kann man den Zei­ger nicht zurück­dre­hen und ich glau­be, vie­le ärgern sich im Nach­hin­ein auch. Ich bin gespannt, was auf die Leu­te jetzt zukom­men wird. Auch wie sich das Gan­ze auf die Bezie­hun­gen zu Euro­pa aus­wir­ken wird und wie es all­ge­mein wei­ter­geht. Wenn ich schon höre, dass er drei Mil­lio­nen Leu­te am liebs­ten aus dem Land schmei­ßen wür­de … Man denkt immer, dass man so weit davon ent­fernt ist, aber so weit ist das gar nicht. Und es wird uns auch irgend­wo betref­fen. Das ein­zig Gute ist, dass TTIP nicht kom­men wird, aber na ja.

MZEE​.com: Man kann schon sagen, dass du dich mit dem Wahl­kampf und all­ge­mein mit poli­ti­schen The­men aus­ein­an­der­setzt, oder?



EstA: Seit­dem die­ses AfD-​Thema so stark prä­sent ist, habe ich mich ein biss­chen damit aus­ein­an­der­ge­setzt und Dis­kus­sio­nen ver­folgt. Sowas soll­ten die Leu­te auf jeden Fall öfter tun. Ich war auch lan­ge gegen Poli­tik und habe gedacht, dass ich eh nichts bewir­ken kann. Aber ich den­ke, es gehört auch zur Ent­wick­lung dazu, sich damit aus­ein­an­der­zu­set­zen.

MZEE​.com: Kom­men wir noch mal zurück zu dei­ner Musik. Aus dei­nem Track "Kein Mas­ter­plan" habe ich fol­gen­des Zitat mit­ge­bracht: "Ich hab' schon längst die­sen Punkt über­schrit­ten, es irgend­wie, irgend­wann, irgend­wem recht zu machen." – Wel­che Zie­le peilst du denn nach die­sem Neu­start an? Willst du dich musi­ka­lisch in eine neue Rich­tung bewe­gen?

EstA: Also, eine ganz neue Rich­tung wür­de ich jetzt nicht sagen, aber es wird wei­ter in die­se musi­ka­li­sche Schie­ne gehen. Man soll aber nicht ver­ges­sen, dass es immer noch Rap ist. Und ich bin immer noch Rap­per, das sind immer noch gerapp­te Stro­phen, aber teil­wei­se mit Singsang-​Geschichten zwi­schen­durch. Die Leu­te haben mich frü­her immer mit Cro ver­gli­chen, aber das sehe ich als Quatsch an. Es wird all­ge­mein musi­ka­li­scher und geht wei­ter weg von die­sen Battle-​Geschichten. Das ist auch der Weg, den ich gehen will. Irgend­wann wer­den die Hörer ver­ste­hen, dass ich nach den 50 bis 60 Batt­les, die ich abge­zo­gen habe, sagen muss, dass das ein coo­ler Teil mei­ner Rap­kar­rie­re war, aber: Irgend­wann ist auch mal gut. Ich will auch nichts aus­schlie­ßen – es kann sein, dass mich irgend­wann noch mal jemand oder etwas rich­tig auf­regt, aber jetzt gera­de nicht. Neben dem Batt­le­ge­dan­ken habe ich immer den musi­ka­li­schen Aspekt ver­folgt und des­halb ist es auch die logi­sche Kon­se­quenz, dass es nun in die­se Rich­tung geht. Ich habe vie­le Fans, die die­sen Battlerap-​EstA noch mal haben wol­len und da tut es mir auch leid, dass ich denen das gera­de nicht geben kann. Aber ich den­ke, sie wer­den das auch irgend­wann nach­voll­zie­hen kön­nen.

MZEE​.com: Ich glau­be, dass vor allem dein Track "Zwi­schen ihren Bei­nen" für Auf­ruhr sor­gen könn­te. Ganz plump gefragt: Wie kamst du auf die Idee, einen Track dar­über zu machen und inter­es­siert es dich, wie er von den Hörern auf­ge­fasst wird?

EstA: Den Song habe ich sogar wegen dem Feed­back geschrie­ben, da woll­te ich auch bewusst pro­vo­zie­ren. Der zwei­te Punkt, wie­so ich den Song geschrie­ben habe, ist, dass Shin­dy immer so Ansät­ze hat­te, wo er auch sowas beschreibt. Ohne ihm zu nahe tre­ten zu wol­len, fand ich das The­ma aus mei­ner Sicht nicht genug gewür­digt. Des­halb habe ich mir gedacht, dass ich mal selbst so einen Song schrei­ben muss. Ich wuss­te schon, dass der Song unter die Gür­tel­li­nie gehen und anstö­ßig sein wird, aber das The­ma muss mal rich­tig behan­delt und abge­hakt wer­den. (grinst) Ich bin sehr gespannt, was die Leu­te dazu noch zu sagen haben. Ich hab' auch schon ein biss­chen Feed­back bekom­men …

MZEE​.com: Und wie fiel das so aus?

EstA: Das Lus­ti­ge ist, dass mir die weib­li­chen Hörer und Fans dann immer schrei­ben, dass sie sowas fei­ern. Das war bei "Sex mit der Ex" auch schon so. Da drau­ßen ist eini­ges los …

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MZEE​.com: Die EP wird es, abge­se­hen von einer klei­nen Auf­la­ge im Fan-​Bundle, nur in digi­ta­ler Form geben. Hast du als Künst­ler nicht das Bedürf­nis, dei­ne Musik für dei­ne Fans "greif­bar" zu machen? Oder erreichst du das auf ande­rem Wege?

EstA: Bei einem Album auf jeden Fall, denn ich hab' auch immer gern ein Exem­plar zu Hau­se. Da ich aber ziem­lich stark in die­sen Strea­ming­por­ta­len ver­tre­ten bin, gera­de auch auf Spo­ti­fy, haben wir gesagt, dass wir die EP nur ganz limi­tiert als CD phy­sisch raus­brin­gen. Ich den­ke aber, dass der Trend zum Strea­ming geht, auch wenn Deutsch­land in Bezug auf CD-​Käufe ein sehr tra­di­tio­nel­les Land ist. Ich habe mich vor Kur­zem erst damit beschäf­tigt. Wenn man sich näm­lich dem­entspre­chend die Umsatz­zah­len anschaut, sind die Ver­käu­fe nur um cir­ca zwei Pro­zent gesun­ken. Aber Strea­ming ist trotz­dem extrem im Kom­men. Das ist zwar immer noch ein Nischen­markt, aber es wird die Zukunft sein – beson­ders, weil jeder heut­zu­ta­ge ein Smart­pho­ne hat. Bei einem Album ist das noch mal was ande­res: Da habe ich das Pri­vi­leg, dass mei­ne CD im Laden steht und sich die Leu­te das vor Ort kau­fen kön­nen.

MZEE​.com: Ich den­ke auch, dass Strea­ming­por­ta­le in den nächs­ten Mona­ten noch grö­ße­ren Zuspruch fin­den wer­den. Der­zeit wird ja wirk­lich groß­flä­chig dafür gewor­ben.

EstA: Kom­plett! Es ist halt die Fra­ge, wie vie­le Ein­nah­men der Musik­in­dus­trie und dem Künst­ler dadurch ver­lo­ren gehen. Das ist hart in der Dis­kus­si­on, aber jetzt haben wir ja wenigs­tens die­ses GEMA- und YouTube-​Ding halb­wegs geklärt. Ich bin gespannt … Aber Strea­ming wird das Nächs­te sein, wo es Klä­rungs­be­darf geben wird.

MZEE​.com: Hast du wäh­rend der Pro­duk­ti­on dei­ner EP eigent­lich ver­folgt, was in der Sze­ne pas­siert ist, oder warst du dies­be­züg­lich kom­plett iso­liert?

EstA: Ich den­ke, es gehört bei einem Schaf­fens­pro­zess dazu, dass man sich ein biss­chen abkap­selt, aber ich hab' ver­sucht, den Traf­fic auf mei­ner Sei­te durch Free Tracks hoch­zu­hal­ten. Ich bin aber ja nicht nur Musi­ker, das muss man auch dazu sagen. Ich stu­die­re noch neben­bei und habe ein biss­chen was zu tun. Die deut­sche Rap­sze­ne habe ich aber den­noch ver­folgt. Ich bin auch jemand, der ver­sucht, sich alles min­des­tens ein­mal anzu­hö­ren.

MZEE​.com: Was hältst du denn per­sön­lich von Clou­d­rap, der der­zeit in sei­ner Hoch­pha­se ist?

EstA: Vor einer Woche habe ich mich damit inten­si­ver aus­ein­an­der­ge­setzt und habe mir auch das Album "Hydra 3D" von Dat Adam rein­ge­zo­gen. Ich weiß noch nicht so recht, was ich davon hal­ten soll. Das ist jetzt alles mei­ne sub­jek­ti­ve Mei­nung, aber ich weiß es nicht … Ich fin­de, es klingt schön, da kann man echt nichts gegen sagen. Aber ich bin mitt­ler­wei­le auch jemand, der Wert auf Text und Aus­sa­ge legt. Das Gan­ze geht viel mehr in Rich­tung Auto­tu­ne und es wer­den Wör­ter gar nicht mehr rich­tig aus­ge­spro­chen oder neu aus­ge­dacht. (grinst) Ich will nicht sagen, dass es immer mehr in die Trash-​Richtung geht, aber wenn man heut­zu­ta­ge auch die gan­zen Wer­bun­gen sieht, ist alles immer mehr Trash – und die Leu­te wol­len das. Dage­gen kön­nen sich mei­ner Mei­nung nach nur noch die gro­ßen Künst­ler durch­set­zen wie Cas­per, Mar­te­ria, KC Rebell. Und die gan­zen New­co­mer mei­nen, sie müs­sen ihre Musik jetzt auf Trap umstel­len.

MZEE​.com: Wie das immer so ist mit Trends …

EstA: Wie das immer so ist mit Trends! Das Ding ist: Ich wehr' mich nicht gegen die­se Trends. Wer mei­ne EP hört, wird zwar mer­ken, dass da kein Trap-​Song drauf ist, aber all­ge­mein ver­än­dert sich auch die Beat­pro­duk­ti­on und ergibt einen neu­en, fres­hen Sound. Musik soll ja auch immer am Zahn der Zeit sein – wär' ja doof, wenn nicht. Es gibt aber auch immer Aus­nah­men wie bei­spiels­wei­se Gene­tikk, die mit Oldschool-​Beats um die Ecke kom­men und alles zer­le­gen. Aber selbst die hat­ten bei einer ihrer letz­ten Aus­kopp­lun­gen einen Trap-​Beat. Ich hab' auch schon von ande­ren Künst­lern gehört, die noch nicht ver­öf­fent­licht haben, dass sie auch in die­se Rich­tung gehen wer­den. Und von denen erwar­tet man es gar nicht. Sol­len sie machen, aber ich bin da immer ein biss­chen eigen und mach', wor­auf ich Bock habe. Wenn auf mei­nem nächs­ten Album ein Trap-​Ding dabei sein wird, dann soll es halt so sein und dann mach' ich das, weil ich Bock drauf habe. Aber ich bin kei­ner, der das machen wird, weil es jeder tut und ich viel­leicht vie­le CDs dadurch ver­kau­fen könn­te. Das ist nicht Sinn der Sache.

MZEE​.com: Du warst mit "Bes­tA" bereits auf Platz 34 der deut­schen Album­charts. Ist die­se Plat­zie­rung ein Maß­stab für das nächs­te Album?

EstA: Dann müss­te ich ja jetzt den Kopf in den Sand ste­cken, weil das ers­te Album auf 11 gegan­gen ist und das zwei­te auf 34. Ich glaub aber, so geh' ich gar nicht an die Sache dran. Natür­lich ist es cool, sich zu stei­gern, das soll­te auch der Anspruch sein. Aber mir geht es in ers­ter Linie um das posi­ti­ve Feed­back. Das wird dann mein drit­tes Album sein und ich wer­de – wie jedes Mal – erst Gän­se­haut bekom­men, wenn ich mei­ne CD dann im Laden ste­hen sehe. Mir kommt es da eher auf die Reso­nanz an: Dass ich mein Bes­tes gebe und die Fans wis­sen, dass ich noch am Start bin.

MZEE​.com: Lass uns kurz vor Abschluss des Inter­views noch auf ein ande­res The­ma zu spre­chen kom­men: Du hast durch dei­ne Teil­nah­men am VBT sehr viel Bekannt­heit, aber nicht immer unbe­dingt viel Sym­pa­thie erhal­ten. Bereust du die Teil­nah­me – ins­be­son­de­re, da sich dei­ne Musik mitt­ler­wei­le doch sehr von Batt­lerap unter­schei­det?

EstA: Bereu­en ist nicht das rich­ti­ge Wort, dann wür­de ich es ja leug­nen. Ich bin dank­bar, dass ich die Platt­form bekom­men habe, ich habe ja auch drei­mal dar­an teil­ge­nom­men. Wir haben rich­tig Ener­gie inves­tiert, alle zwei Wochen was raus­ge­hau­en und voll durch­ge­zo­gen. Es war ein coo­les Sprung­brett für mich – ich weiß nicht, ob ich so viel Auf­merk­sam­keit in so kur­zer Zeit anders bekom­men hät­te. Des­halb bin ich dafür sehr dank­bar. Auf dem EP-​Track "Kein Mas­ter­plan" beschreib' ich auch, dass es Fluch und Segen zugleich ist, weil die Fans, die mich nur daher ken­nen, viel­leicht die aktu­el­le Musik nicht mehr so fei­ern. Aber das nehm' ich in Kauf, dage­gen kann ich lei­der nichts machen … Wenn ich jetzt nicht das machen wür­de, wor­auf ich Bock habe, dann könn­te ich in zwei bis drei Jah­ren nicht mehr in den Spie­gel gucken. Da will ich defi­ni­tiv auf mich und mein Bauch­ge­fühl hören und das machen, was mir gefällt. Wenn 10 000 Leu­te absprin­gen, dann ist das so, aber dann kann ich in zwei Jah­ren sagen, dass ich mir treu geblie­ben bin und mein Ding durch­ge­zo­gen habe.

MZEE​.com: In einer Stu­die hat der Musik­ex­press ver­sucht, Rap­per in ver­schie­de­ne Kate­go­ri­en zu unter­tei­len. Eine davon war das "Müt­ter­be­lei­di­gen" – eine Dis­zi­plin, in der du dich durch­aus auch schon bemüht gezeigt hast. Bist du ent­täuscht, den­noch nicht in die­ser Auf­lis­tung vor­ge­kom­men zu sein?

EstA: Vor zwei Jah­ren wäre ich wahr­schein­lich ent­täuscht gewe­sen. (lacht) Aber jetzt ist es mir eigent­lich rela­tiv egal. Die Stu­die habe ich übri­gens auch gese­hen! Ich weiß nicht, was da der High­score war … 271 oder so, aber das hät­te ich ja schon in drei Run­den getoppt. (grinst) Spaß bei­sei­te, aber jetzt ist es ja schon fast posi­tiv, dass ich da nicht ein­ge­teilt wur­de. Das heißt dann, dass mei­ne neue Musik eher im Fokus steht.

(Kris­tina Scheu­ner)
(Fotos von Jan­nick Plu­me)