Adventskalender: Türchen #23 Pedaz & Pillath

Wie­der neigt sich ein lan­ges und ereig­nis­rei­ches Jahr – auch für deut­schen Rap – dem Ende ent­ge­gen. Um die­ses gebüh­rend abzu­schlie­ßen, prä­sen­tie­ren wir Euch unse­ren MZEE​.com Jah­res­rück­blick in Form eines Advents­ka­len­ders. Zwi­schen dem 1. Dezem­ber und Hei­lig­abend war­ten somit 24 Tür­chen auf Euch, hin­ter denen sich ins­ge­samt knapp 50 Inter­views ver­ste­cken: Neben Rap­pern und Pro­du­zen­ten las­sen auch Jour­na­lis­ten und Ver­an­stal­ter bei uns das ver­gan­ge­ne Jahr Revue pas­sie­ren, indem sie auf fünf Fra­gen zum Jah­res­en­de Rede und Ant­wort ste­hen. Dar­aus ergibt sich ein bun­tes Mosa­ik, das Euch die High­lights aus 2016 noch ein­mal aus unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven erle­ben lässt. Wir wün­schen Euch viel Spaß beim Lesen, eine schö­ne Weih­nachts­zeit und ein fro­hes Fest mit Euren Liebs­ten!

Eure MZEE​.com Redak­ti­on

 

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Pedaz

MZEE​.com: Ob alte Hasen oder New­co­mer: Was prägt ein Jahr mehr als neue Relea­ses? Des­halb wüss­ten wir zu Beginn ger­ne dei­ne per­sön­li­che Top 3 der 2016 erschie­ne­nen Deutschrap-​Platten.

Pedaz: "Tur­bo" von Kara­te Andi, mein Album "Schwer­me­tall". Und auf dem ers­ten Platz "Pal­men aus Plas­tik" von Bonez MC & RAF Camo­ra.

MZEE​.com: Wer­den wir ein wenig klein­tei­li­ger, von Alben hin zu Tracks: Wer hat die­ses Jahr die bes­te Line in einem deut­schen Rap­song gebracht und wel­che war das?

Pedaz: "Wenn wir sagen, wir wären der Boss, kanns­te davon aus­ge­hen wie Fern­se­her vom Knopf", von Jewlz 257.

MZEE​.com: Kom­men wir zu dem, was vor einem Jahr noch nicht abseh­bar war: Was hat dich in Bezug auf deut­schen Rap im ver­gan­ge­nen Jahr so rich­tig posi­tiv über­rascht?

Pedaz: Mein ers­ter Auf­tritt in Ful­da auf der "Mikrokosmos"-Tour mit den 257ers. Es war der Ham­mer.

MZEE​.com: Und im Gegen­teil: Was war in die­sem Deutschrap-​Jahr so rich­tig unnö­tig? War­um?

Pedaz: Lang­wei­li­ger Pro­mobeef.

MZEE​.com: Zu guter Letzt darfst du hier noch heim­lich, still und lei­se jeman­den aus­zeich­nen: Wel­che Per­sön­lich­keit der deut­schen Rap­sze­ne – ganz gleich, ob Rap­per, Pro­du­zent, Mana­ger oder Jour­na­list – hat in die­sem Jahr beson­ders durch eine Leis­tung geglänzt oder konn­te her­vor­ste­chen? Womit und war­um?

Pedaz: Defi­ni­tiv RAF Camo­ra.

 

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Pil­lath

MZEE​.com: Ob alte Hasen oder New­co­mer: Was prägt ein Jahr mehr als neue Relea­ses? Des­halb wüss­ten wir zu Beginn ger­ne dei­ne per­sön­li­che Top 3 der 2016 erschie­ne­nen Deutschrap-​Platten.

Pil­lath: Die Wahr­heit ist, dass ich kei­ne drei Deutschrap-​Alben kom­plett gehört habe. Mein eige­nes Album "Onkel Pil­lo" hab ich ganz gehört, mehr­fach sogar. Ich lass' das aber hier mal außen vor. Was ich aber defi­ni­tiv cool fand, waren Aza­ds "Leben 2", Manu­ell­sens "Gang­land" und "Pal­men aus Plas­tik" von Bonez MC & RAF Camo­ra.

MZEE​.com: Wer­den wir ein wenig klein­tei­li­ger, von Alben hin zu Tracks: Wer hat die­ses Jahr die bes­te Line in einem deut­schen Rap­song gebracht und wel­che war das?

Pil­lath: "Was haben ein Rab­bi, ein Pries­ter, ein Koch mit drei Eiern, ein Fly­er­ver­tei­ler mit einem Paket Fly­ern, ein Esel, zwei Gei­er, ich und 300 Frei­er gemein­sam? Könn­ten alle dein Vater sein", von Sna­ga. Jeder, der eine ande­re Line für den Titel "Pun­ch­li­ne des Jah­res" in Erwä­gung zieht, hat ganz ein­fach kei­ne Ahnung.

MZEE​.com: Kom­men wir zu dem, was vor einem Jahr noch nicht abseh­bar war: Was hat dich in Bezug auf deut­schen Rap im ver­gan­ge­nen Jahr so rich­tig posi­tiv über­rascht?

Pil­lath: Für mich per­sön­lich ist das die Tat­sa­che, dass ich mich seit Som­mer die­ses Jah­res wie­der kom­plett der Musik wid­me. Ich hab' letz­tes Jahr im Herbst gesagt: Ich mach' jetzt ein­fach mal wie­der ein Album ohne Erwar­tungs­hal­tung und sonst was. Das Gan­ze lief so gut, dass es mir auch finan­zi­ell mög­lich ist, nicht mehr im nor­ma­len Job zu arbei­ten und mich nur noch auf die Musik kon­zen­trie­ren zu kön­nen. Das hät­te ich letz­tes Jahr so nie­mals erwar­tet.

MZEE​.com: Und im Gegen­teil: Was war in die­sem Deutschrap-​Jahr so rich­tig unnö­tig? War­um?

Pil­lath: In der Sache zwi­schen KC Rebell und Xatar schei­nen ja Schüs­se gefal­len zu sein. Wenn das nicht unnö­tig ist, dann weiß ich auch nicht. Dar­über hin­aus fand ich Sen­ti­no unnö­tig. Nicht mal von der Musik her, ein­fach nur den Typen an sich …

MZEE​.com: Zu guter Letzt darfst du hier noch heim­lich, still und lei­se jeman­den aus­zeich­nen: Wel­che Per­sön­lich­keit der deut­schen Rap­sze­ne – ganz gleich, ob Rap­per, Pro­du­zent, Mana­ger oder Jour­na­list – hat in die­sem Jahr beson­ders durch eine Leis­tung geglänzt oder konn­te her­vor­ste­chen? Womit und war­um?

Pil­lath: Auch wenn das jetzt nach Vet­tern­wirt­schaft klingt, fin­de ich den Out­put von Gorex unfass­bar. Wenn man mein nächs­tes, am 20. Janu­ar 2017 erschei­nen­des Album "Onkel der Nati­on" mit dazu­zählt, hat der Typ die­ses Jahr ein­fach locker 50 bis 60 Pro­duk­tio­nen – unter ande­rem Manu­ell­sen, Fard, Kay One, KC Rebell – releast. Und dabei hat er sich aus mei­ner Sicht nicht ein ein­zi­ges Mal wie­der­holt. Jetzt zähl mal noch gut und ger­ne 40 wei­te­re Pro­duk­tio­nen mit dazu, die noch nicht ver­öf­fent­licht wur­den oder gar nicht im Rap behei­ma­tet sind … Dann kommst du locker auf über hun­dert Pro­duk­tio­nen in einem Jahr ohne Qua­li­täts­ver­lust. Ich den­ke nicht, dass ich hun­dert Punchline-​Tracks in einem Jahr schrei­ben könn­te.

(Kris­ti­na Scheu­ner)
(Foto von Mario And­reya (Pil­lath))
(Gra­fik von Dani­el Fersch)