Silla – Es war einmal in Südberlin

Ich habe Torch ent­täuscht.

Deut­sche Rap­per lie­ben Gangs­ter­fil­me. Unzähl­bar sind die Male, in denen MCs ihren Habi­tus mit dem eines Micha­el Cor­leo­ne oder Tony Mon­ta­na ver­gli­chen haben. Und so konn­te es sich auch Sil­la nicht ver­knei­fen, sein neu­es Album an einen die­ser Klas­si­ker anzu­leh­nen. "Es war ein­mal in Süd­ber­lin" – das refe­riert natür­lich auf "Es war ein­mal in Ame­ri­ka" mit Robert De Niro in der Haupt­rol­le. Kön­nen die Geschich­ten aus dem Süden der Haupt­stadt etwa eine ähn­lich bra­chia­le Kraft ent­fal­ten wie die in Ser­gio Leo­nes Epos?

Bei solch einem gigan­ti­schen Vor­bild ist Schei­tern qua­si vor­pro­gram­miert. Viel­leicht war die Ambi­ti­on ein­fach zu groß, denn Sil­la scheint nicht so recht zu wis­sen, wo er mit sei­ner neu­en Plat­te hin will. Er "war einer von denen, die im Dreck woh­nen", erzählt aber ein paar Tracks zuvor, dass er "aus gutem Haus" kom­me. Zwi­schen der­ar­ti­gen Dis­kre­pan­zen hält der Ber­li­ner wenig inno­va­ti­ve Zei­len über die Stra­ße oder kalen­der­spruch­ar­ti­ge Lebens­weis­hei­ten bereit. Die feh­len­de Aus­sa­ge­kraft der ein­zel­nen Tracks spie­gelt sich lei­der auch in den Fea­tures wider. So folgt MoTrip auf "Die bes­te Zeit ist jetzt" wie so oft sei­ner gleich­för­mi­gen Reim- und Flow­scha­blo­ne, wäh­rend Vega uns auf "NLP" zum wie­der­hol­ten Mal dar­an erin­nert, dass er Frank­fur­ter ist. Der letz­te Track "Gott­los" klingt da zunächst über­ra­schend frisch, bis man das geis­ti­ge Vor­bild dazu hört. Abge­kup­fert von "Lord Knows", dem gemein­sa­men Song von Meek Mill und Tory Lanez, wur­de hier von Flow- und Hook­struk­tur bis hin zum Streicher-​Instrumental nahe­zu alles kopiert. Selbst die pho­ne­ti­sche Ähn­lich­keit der bei­den Song­ti­tel dürf­te kein Zufall sein.

In eini­gen weni­gen Tracks kann Sil­la sei­ne gro­ße Stär­ke, näm­lich die gewal­ti­ge, mit­rei­ßen­de Stim­me, durch­aus zur Gel­tung brin­gen. Doch täuscht sie nicht über die abge­dro­sche­nen Lyrics und das ent­we­der fade oder dreist zusam­men­ge­klau­te Gerüst der Songs hin­weg. Auch "Es war ein­mal in Ame­ri­ka" hat stel­len­wei­se sei­ne Län­gen. Bei Sil­las neu­er Plat­te über­wie­gen die­se aller­dings deut­lich.

(Flo­ri­an Peking)

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(Ama­zon mp3)

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