Shindy – Dreams

Bitch, ich kann die Welt ver­än­dern – gib mir ein Kla­vier!
Nicht zu diskutier'n, hier: das Album of the year!

Jetzt mal ohne über­trie­be­nes Rucksack-​Gelaber: Wer sich ernst­haft über Ruck­sä­cke in Fan­bo­xen auf­regt, hat womög­lich ein­fach nur die Musik aus den Augen ver­lo­ren. Mehr als ein Wer­be­gag sind die Inhal­te sol­cher Boxen meist sowie­so nicht. Und außer­dem soll­ten sie nicht vom Wesent­li­chen – dem Album selbst – ablen­ken. Des­halb ver­ges­sen wir das Drum­her­um und kon­zen­trie­ren uns auf Shin­dy und sein neu­es Werk "Dreams".

Setzt man sich mit dem drit­ten Album des egj-​lers aus­ein­an­der, wird eines schnell klar: "Dreams" funk­tio­niert als ein ganz eige­ner Film. Ein Film, gedreht im Wal­dorf Asto­ria, zwi­schen wei­ßem Mar­mor, gebräun­ter, weib­li­cher Haut und weiß­gol­de­nen Kron­leuch­tern. Und zwi­schen wabern­den Trap­wol­ken und kna­cki­gen Boom bap-​Beats. Wäh­rend die Sound­äs­the­tik durch Pro­du­zen­ten wie B-​Case, Cubeatz, O.Z und auch Shin­dy selbst auf Hoch­glanz poliert und in ver­schie­de­ne Klan­g­rich­tun­gen getrie­ben wird, bleibt die Hand­lung von "Dreams" sehr sta­tisch. Statt Geschich­ten zu erzäh­len, wir­ken die ein­zel­nen Tracks des Albums eher wie die Beschrei­bung einer Moment­auf­nah­me aus ver­schie­dens­ten Blick­win­keln. Shin­dy im Mit­tel­punkt wird umringt von luxu­riö­sem Ambi­en­te, teu­ren Kla­mot­ten und ero­ti­schen Damen­be­kannt­schaf­ten. Lan­ge­wei­le kommt trotz der Sta­tik nicht auf, denn wie in jedem Film stellt sich die­se eher dann ein, wenn der Haupt­ak­teur nicht aktiv ist. Nico San­tos' Gesangs­bei­trä­ge tra­gen immer­hin zur klang­li­chen Atmo­sphä­re bei und auch die Fea­ture­parts des ersguterjunge-​Labelbosses haben ihre Berech­ti­gung. Doch vor allem die wan­deln­de Reim-​Autocorrect-​Funktion Laas Unltd. wirkt ziem­lich fehl am Platz. Glück­li­cher­wei­se han­delt es sich dabei eher um eine skip­ba­re Wer­be­pau­se eines sonst stim­mi­gen Strei­fens.

Mit "Dreams" zeigt sich Shin­dy nicht nur als selbst­si­che­rer, fähi­ger Künst­ler, das Album selbst ist auch ein ästhe­tisch anspre­chen­des und bes­tens funk­tio­nie­ren­des Kunst­werk. Ein Kunst­werk, das voll­kom­men in sich selbst auf­geht, sodass man weni­ger schmü­cken­des Bei­werk – wie frag­wür­di­ge Boxen-​Accessoires – ruhi­gen Gewis­sens igno­rie­ren kann.

(Dani­el Fersch)

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(Ama­zon mp3)

iTu­nes: Shin­dy – Dreams

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