NMZS – Der Ekelhafte

"Was?! Du kenn­st das nicht? Sekun­de, ich su­ch' dir das mal raus." Und schon öff­net si­ch die Plat­ten­kis­te. Wer kennt die­sen Moment nicht? Man re­det über Musik und auf ein­mal fällt ein Name – egal ob von ei­nem Song, ei­nem Künst­ler oder ei­nem Album – mit dem man nicht so recht et­was an­zu­fan­gen weiß. Und plötz­li­ch ha­gelt es Lob­prei­sun­gen, Hass­ti­ra­den oder Anek­do­ten. Gera­de dann, wenn der Gesprächs­part­ner ins Schwär­men ver­fällt und of­fen zeigt, dass ihm das The­ma wich­tig ist, bit­tet man nicht all­zu sel­ten um ei­ne Kost­pro­be. Die Musik setzt ein und es be­ginnt, was der Per­son so sehr am Her­zen zu lie­gen scheint. In die­sem Fall – was uns so sehr am Her­zen liegt: Ein Aus­zug aus der Musik, mit der wir et­was ver­bin­den, die wir fei­ern, die uns be­rührt. Ein Griff in un­se­re Plat­ten­kis­te eben.

 

Am 28. Novem­ber wür­de NMZS 32 Jah­re alt wer­den. Am sel­ben Tag fei­ert aller­dings auch "Der Ekel­haf­te" sei­nen drit­ten Geburts­tag. Denn das post­hum ver­öf­fent­lich­te Solo­al­bum des Anti­lo­pen Gang-Mit­glieds wur­de im Jahr sei­nes Able­bens von den Crew­mit­glie­dern fer­tig­ge­stellt. Neben der übli­chen Free Download-​Version war das Release auch auf CD erhält­lich. Für die ers­ten Käu­fer gab es zusätz­lich einen Comic, bestehend aus Skiz­zen und ange­fan­ge­nen Sto­ries des Künst­lers. Durch die eige­ne Comic-​Passion zu Jakob Wichs Musik gekom­men, schloss sich so für mich eben­falls ein Kreis – wenn auch auf mehr als tra­gi­sche Wei­se.

Wer nicht das Glück hat­te, "N-​Comic #1" zu ergat­tern, hielt den­noch ein wirk­lich groß­ar­ti­ges Stück Musik in den Hän­den. Mit der ihm eige­nen Mischung aus über­dreh­tem Humor, phi­lo­so­phi­scher Nach­denk­lich­keit und bis­si­gem Batt­lerap ver­wan­del­te NMZS die Beats von Pit­lab in ein Werk, das nach wie vor zu mei­nen abso­lu­ten Favo­ri­ten zählt. Denn "Der Ekel­haf­te" prä­sen­tiert eben­je­nen in all sei­nen Facet­ten. Neben dem obli­ga­to­ri­schen Anti­lo­pen-Track, einem Sequel zu "N-​M-​Z-​S" aus "Trash!"-Zei­ten sowie dem fast kryp­ti­schen "Tran­ce" mit Illoy­al erzählt das Album vor allem aus der Bio­gra­fie des Rap­pers. Der Hörer nimmt qua­si teil an der Ver­wand­lung Jakobs zum Ekel­haf­ten. Anris­se sei­nes Lebens­laufs in den "1984"-Skits, die fast schon hit­ver­däch­ti­ge Beschrei­bung vom "Zim­mer aus Papier" sei­nes Vaters und die in "Sie­gen" durch­leb­te Selbst­iso­la­ti­on gestat­ten einen Ein­blick in den Wer­de­gang von NMZS. Text­lich wie sound­tech­nisch prä­sen­tiert der Düs­sel­dor­fer auf dem Album nicht nur sei­ne gesam­te Band­brei­te, er über­zeugt zeit­gleich mit jedem ein­zel­nen Titel immer wie­der aufs Neue.

"Der Ekel­haf­te" hat auch drei Jah­re nach Release nichts von sei­ner Ener­gie ver­lo­ren. Dies zeigt sich mir immer spä­tes­tens dann, wenn ich bei Anti­lo­pen-Kon­zer­ten auf ganz fri­sche Fans der Gang tref­fe, die den­noch jede ein­ge­spiel­te Zei­le Jakobs text­si­cher mitrap­pen kön­nen. Und obwohl es nach einer schreck­lich pathe­ti­schen Phra­se klin­gen mag: Sein Geist lebt in sei­ner Musik, sei­nen Zeich­nun­gen und sei­ner Kunst wei­ter. NMZS für immer!

(Dani­el Fersch)