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Maeckes – Tilt

Wenn dir de­in Leben in de­in Essen spuckt –
Du aber so hung­rig bist, dass du's trotz­dem isst, wenn der Rest nicht guckt.

Du gehst mit ei­ner Freundin auf ein Maeckes–Konzert. Während ei­ner der lei­se­ren Nummern er­zähl­st du ihr et­was. Kurz dar­auf er­hält­st du aber die Antwort, sie ha­be dir nicht zu­ge­hört, da sie si­ch in den blau­en Augen des Musikers ver­lo­ren ha­be. Und du kann­st es ihr nicht mal übel neh­men. Dafür macht der Kerl mit der Gitarre auf der Bühne ein­fach viel zu ge­nia­le Kunst, die auch dei­ne ge­sam­te Aufmerksamkeit ver­langt. Doch ge­nug aus dem Nähkästchen ge­plau­dert, schließ­li­ch ist das Album "Tilt" wie­der ei­ne Kollektiverfahrung für die ge­sam­te Fangemeinde.

Wo Maeckes son­st durch ei­ne Bühne und kryp­ti­sche Poesie ei­ne ge­wis­se Distanz zu sei­nen Hörern wahrt, neigt er si­ch mit "Tilt" ganz nah an sie her­an und er­zählt von si­ch als re­a­ler Person. Am Sound än­dert dies nichts. Gemeinsam mit Tristan Brusch baut der Künstler aus ana­lo­gen wie syn­the­ti­schen Versatzstücken ei­ne teils sehr lei­se, dann wie­der aus der Ruhe her­aus­bre­chen­de Klangwelt. Dieser Kontrast ist ty­pi­sch für Maeckes–Releases, doch trotz­dem wirkt das neue Album des Stuttgarters ab­ge­run­de­ter. Experimente, die si­ch et­wa auf dem skiz­zen­haf­ten "Zwei" schon er­ah­nen lie­ßen, fin­den auf "Tilt" nun ih­re Vervollständigung. Technik ist da­bei ir­rele­vant, viel­mehr geht es um die Geschichten aus dem Leben des Künstlers. So han­delt je­der ein­zel­ne Track von sei­nem ganz ei­ge­nen Thema wie et­wa sei­nem Vater ("Urlaubsfotograf") oder der Idiotie der Menschheit ("Atomkraftwerke am Strand"). Im Großen und Ganzen ist je­doch al­les zu ei­ner ein­zi­gen Geschichte ver­bun­den. Tracks be­zie­hen si­ch auf­ein­an­der, deu­ten den Inhalt ei­nes Vorgängerlieds kom­plett um und ver­pas­sen dem Gesamtkonstrukt ei­nen nie­der­schmet­tern­den Plot Twist. Man kann mit Fug und Recht be­haup­ten, dass Maeckes mit "Tilt" sein mu­si­sch wie in­halt­li­ch bis­her bes­tes Werk über­haupt lie­fert.

Am Ende des Albums weiß man gar nicht so recht, was man da­zu über­haupt sa­gen soll. Dafür macht der Kerl mit der blau­en Rose auf dem Cover ein­fach viel zu ge­nia­le Kunst, die mei­ne Aufmerksamkeit auch no­ch lan­ge nach dem ers­ten Hören ein­for­dert. Zwei Karten für die "Tilt"-Tour sind auf je­den Fall schon vor­be­stellt.

(Daniel Fersch)

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