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Gebrüder King – Mörder

Gebrüder King, Junge – harte Schale, harter Kern.

"Bäms!" – "Wie kreativ!": Wer das deutsche Battle-Geschehen verfolgt, weiß bereits, von wem die Rede ist. Wer sich dagegen nur auf Musik fokussiert, dem dürfte selbst nach der Nennung der Namen Nedal Nib und Mighty Mo noch kein Licht aufgegangen sein. Rap-Releases und Live Battles finden so getrennt voneinander statt, dass man in einem der beiden Bereiche ganz oben mitmischen kann, ohne im anderen je wirklich erfolgreich gewesen zu sein. Und doch wagen die Gebrüder King mit dem Kollabo-Werk "Mörder" nun den Sprung von der einen in die andere Welt.

Dass dieser Weg kein lustiger Spaziergang wird, machen die Rapper schon mit dem Mixtape-Titel klar. Ob sie auch ohne Mimik, Gestik und Crowdreaktion überzeugen können, müssen Nedal und Mighty aber erst noch unter Beweis stellen. Zwar handelt es sich für keinen der beiden um ein Debüt, doch immerhin um das erste richtige Werk seit dem gestiegenen Bekanntheitsgrad durch DLTLLY und RAM. Nach dem gutturalen Intro-Hosting von Rako Panzer rappen die Gebrüder über kriminelle Handlungen und ihr hartes Leben. Was dabei klar fehlt, ist die "Tongue-in-cheek"-Mentalität, die sonst klarmacht, dass Mo und Nedal sich und ihre Texte nicht immer ganz so ernst nehmen. Wenn das entsprechende Augenzwinkern jedoch fehlt, wirken die Texte der MCs zu ernst gemeint, um zu funktionieren. Gerade Zeilen wie "Ich bin auf der Hut, als hätt' ich mich auf Mützen gesetzt" oder "Ich ernte Gras wie ein Rasenmäher", laden so eher zum Fremdschämen als zum Lachen ein. Rappen können die beiden zweifelsohne und ein gewisser Straßenflair kommt dank passender Beats und der Mixtape-typischen Übergänge von DJ Cesar ebenfalls auf. Dennoch ist man von den Künstlern aus ihren Liveperformances mehr gewohnt als den hier präsentierten Standardsound.

Wirklich überzeugen kann "Mörder" nicht. Es handelt sich keineswegs um ein schlechtes Mixtape, allerdings auch nicht um etwas Besonderes. Und das ist ziemlich schade. Denn wo Mighty Mo und Nedal Nib in Sachen releaster Musik eher zwei Gangsterrapper von vielen sind, sticht jeder von ihnen als Charakter im Live Battle hervorragend heraus. Und das durch mehr als ein paar Catchphrases.

(Daniel Fersch)