Beataura

Kaum eine Sze­ne hier­zu­lande scheint so facet­ten­reich zu sein wie die Deutschrap­szene. Wäh­rend es bereits jetzt schon fast unmög­lich erscheint, jeden ein­zel­nen, eta­blier­ten Ver­tre­ter zu ken­nen, steigt die Zahl neu­er, noch unbe­kann­ter Künst­ler expo­nen­ti­ell wei­ter an. Den Über­blick zu behal­ten, gleicht einer Her­ku­les­auf­gabe: Hat man sich ein Gesicht der HipHop-​Hydra gemerkt, tau­chen schon wie­der min­des­tens zwei neue auf. Gleich­zei­tig ist es für unbe­kannte, jun­ge Talen­te über­aus schwer, aus der über­wäl­ti­gen­den Mas­se an Musi­kern her­aus­zu­tre­ten und sich einen Namen zu machen.

Bei­den Sei­ten soll unser Sound­check eine Hil­fe­stel­lung bie­ten. Pro­du­cern, die bis­her noch in den Tie­fen des Unter­grunds unter­ge­gan­gen sind, eine Platt­form geben, auf der sie sich kurz, aber prä­gnant prä­sen­tie­ren kön­nen. Und Hörern und Fans ermög­li­chen, sich einen schnel­len Über­blick über nen­nens­werte Künst­ler zu ver­schaf­fen, die sie bis­her viel­leicht noch gar nicht auf dem Schirm hat­ten.

 

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MZEE​.com: Du hast erst kürz­lich an eini­gen Hit-​Singles des Albums "Pal­men aus Plas­tik" mit­ge­ar­bei­tet. Wenn man aber die Pres­se durch­fors­tet, tauchst du maxi­mal am Ran­de auf. Bist du zufrie­den damit, wie Pro­du­zen­ten heut­zu­ta­ge wahr­ge­nom­men wer­den?

Beatau­ra: Auf kei­nen Fall! Die Beat­pro­du­zen­ten haben viel mehr Auf­merk­sam­keit ver­dient, doch lei­der wird das hier oder auch all­ge­mein sehr oft nicht wirk­lich aner­kannt. Auch wenn es Aus­nah­men gibt … Jetzt mal im Ernst: Wie wür­de ein Rap­per ohne Beat klin­gen? Lang­wei­lig! Es soll­ten auch viel mehr HipHop-​Magazine dafür sor­gen, dass Musik­pro­du­zen­ten erwähnt wer­den.

MZEE​.com: Im glei­chen Atem­zug: Hat sich durch dei­ne Mit­ar­beit an die­sem Album etwas für dich geän­dert, zum Bei­spiel in Bezug auf Anfra­gen?

Beatau­ra: Das Inter­es­se ist enorm, damit habe ich nicht wirk­lich gerech­net. Ich müss­te eigent­lich mei­nen Job kün­di­gen, um die gan­zen Anfra­gen zu bear­bei­ten. Ich bin natür­lich extrem dank­bar und freue mich sehr, dass es nach knapp fünf­zehn Jah­ren in der Musik­sze­ne end­lich geklappt hat. Es pusht mich auch zusätz­lich enorm und macht Lust auf neue Musik.

MZEE​.com: Um bei "Pal­men aus Plas­tik" zu blei­ben: Für den titel­ge­ben­den Track hast du mit RAF aus einem Sam­ple von Cul­tu­re Beats "Mr. Vain" einen kom­plett neu­en Beat gebaut. Pro­du­zierst du vor­zugs­wei­se mit Sam­ples und, wenn ja, woher beziehst du sie?

Beatau­ra: Ich sam­ple so gut wie nie, bin auch kein Fan davon. Ich spie­le alles lie­ber sel­ber ein. Mich inspi­rie­ren vie­le Din­ge, denn ich höre sehr viel Musik aus den unter­schied­lichs­ten Rich­tun­gen. Hier fand ich den Sound rich­tig gut. Ich habe dann aus rei­nem Spaß eine Skiz­ze pro­du­ziert und sie mei­nem Bru­der gezeigt. Der war total über­zeugt davon. Als ich das Beat­pa­ket dann an RAF schick­te, dau­er­te es nicht lan­ge und dar­aus wur­de die Hit-​Single "Pal­men aus Plas­tik", die übri­gens inzwi­schen Gold-​Status erreicht hat.

MZEE​.com: Du kannst mitt­ler­wei­le auf die Zusam­men­ar­beit mit eini­gen nam­haf­ten Rap­pern zurück­bli­cken, unter ande­rem Kol­le­gah und Farid Bang. Wel­chen wei­te­ren Künst­ler wür­dest du unbe­dingt mal auf einem dei­ner Beats hören wol­len?

Beatau­ra: Was Frank­reich angeht, bin ein sehr gro­ßer Fan von Boo­ba. Ansons­ten PNL, Nis­ka et cete­ra. Aus Ame­ri­ka Wiz Kha­li­fa, Dra­ke … Ich fei­er' momen­tan auch Tdot ill­du­de sehr krass, der Typ wird sicher­lich durch die Decke gehen. Und aus Deutsch­land Fard, Metrickz, Cas­per, Bushi­do, KC Rebell, Joshi Mizu, 187 Stras­sen­ban­de, MoTrip, Cha­ku­za … Ich habe sicher­lich noch eini­ge ver­ges­sen, aber auf Anhieb die auf­ge­zähl­ten Musi­ker.

MZEE​.com: Dei­ne neu­en Beats gin­gen rein vom Stil her in eine ganz ande­re Rich­tung als das, was du unter ande­rem für Mas­siv gemacht hast. Fin­dest du, Pro­du­zen­ten soll­ten wei­test­ge­hend offen sein, was die musi­ka­li­sche Ori­en­tie­rung ihrer Pro­duk­tio­nen angeht? Oder ist es bes­ser, sich fest­zu­le­gen und in einer Spar­te sein Kön­nen zu per­fek­tio­nie­ren?

Beatau­ra: Ich fin­de, man soll­te ver­su­chen, sich wei­ter­zu­ent­wi­ckeln. Ich habe noch nie in Rich­tung Dan­ce­hall pro­du­ziert und des­halb etwas Zeit gebraucht, um mei­nen Style zu fin­den. Ich bin aber auch ein sehr gro­ßer Fan von Akus­tik. Frü­her hab' ich viel akus­ti­sche Musik pro­du­ziert. Aktu­ell arbei­te ich am "Migo"-Album mit. Das macht extrem viel Spaß und ist von der Pro­duk­ti­on her ein neu­es Level. Ansons­ten bin ich sehr offen für neue Her­aus­for­de­run­gen.

Beatau­ra auf Face­book

(Dani­el Fersch & Lukas Päck­ert)
(Gra­fi­ken von Puf­fy Pun­ch­li­nes, Logo von KL52)

 

Du bist der Mei­nung, Du oder jemand, den Du kennst, soll­te sich unse­rem Sound­check unter­zie­hen? Wir freu­en uns über Bewer­bun­gen oder Emp­feh­lun­gen mit dem Betreff "Sound­check – *Künst­ler­na­me*" an daniel@mzee.com.