Ali As – Free Ali 3

Jedes Mal, wenn ich release, Hoe …
Ist es für MCs so wie die Apple-​Keynote.

Wäh­rend man­che Künst­ler zwi­schen ihren Alben aus der Soci­al Media-​Welt ver­schwin­den, schei­nen ande­re kon­ti­nu­ier­lich im Fokus zu ste­hen. Nach dem Album fol­gen EPs, Video­sin­gles, Fea­tures oder eine Tour samt kos­ten­lo­sem Mix­tape, damit der eige­ne krea­ti­ve Fluss nie ver­siegt. Ali As gehört wohl zu genau die­ser Sor­te. Irgend­wie scheint er immer da zu sein und ver­öf­fent­licht mit "Free Ali 3" bereits das drit­te Werk in die­sem Jahr. Hat der Münch­ner wirk­lich einen der­ar­tig qua­li­ta­ti­ven Out­put oder will er sich ein­fach unent­wegt in den Fokus drän­gen?

Ein Blick auf die The­men, die auf "Free Ali 3" behan­delt wer­den, lässt zunächst wenig Krea­ti­vi­tät und Eifer ver­mu­ten. Par­ty, Dro­gen, Par­ty­dro­gen und dann noch eine Hym­ne auf ein kof­fe­in­hal­ti­ges Erfri­schungs­ge­tränk. Ali As lebt zwi­schen Gras- und Alko­hol­kon­sum. Dabei wird einer­seits "das Gor­gon­zo­la im Porte­mon­naie" knapp, ande­rer­seits geht er aber nur noch für 'nen "Taui ans Pho­ne" und lässt die gold­be­ring­te Hand mit der Spezi-​Dose von schö­nen Damen küs­sen. Was er sagt, ist dabei jedoch weni­ger wich­tig als die Fra­ge, wie er etwas sagt. Der Sound und Alis Umgang damit ste­hen stets im Vor­der­grund. Mal von locke­rem Urlaubs­fee­ling umspielt, mal schep­pernd und fast orches­tral auf­ge­bläht, bedient man sich an aktu­el­len Trap-​Instrumentals – viel­sei­tig, aber stim­mig. Pas­send dazu bie­tet der Rap­per mal trap­pi­gen Stakkato-​Flow, Autotune-​Singsang-​Einlagen und dann wie­der eine Dou­ble­time­pas­sa­ge, um sich dem jewei­li­gen Beat anzu­pas­sen. Wirk­lich aus­ge­legt ist das Gan­ze jedoch vor allem auf ein­gän­gi­ge Hooks. Die­se sind meist sehr sim­pel gehal­ten und wer­den mög­lichst oft wie­der­holt, um sich auch wirk­lich im Ohr fest­set­zen zu kön­nen. Denn wenn schon nicht das gesam­te Mix­tape, soll­te wohl zumin­dest der ein oder ande­re Ohr­wurm im Kopf blei­ben.

Weder sound­tech­nisch noch inhalt­lich gehört "Free Ali 3" wohl zur Spit­ze von Alis Dis­ko­gra­fie. Ganz ent­zie­hen kann man sich dem Gra­tis­werk dann aber doch nicht. So besticht das Release durch sei­nen einer­seits irgend­wie ner­vig auf­dring­li­chen, ande­rer­seits aber gera­de des­we­gen char­man­ten Cha­rak­ter. Letzt­lich also genau das, was auch Ali As selbst aus­zu­ma­chen scheint.

(Dani­el Fersch)