Ahzumjot & Lance Butters – Die Welle

Diese EP ist die einzig logische Antwort auf die Mucke, mit der ihr das ganze Land verschmutzt habt.

Stellen wir uns deutschen Rap als einen Fluss vor. In der Mitte der große, sich ständig wandelnde Hauptstrom, der das meiste Geschehen und die größte Bewegung ausmacht. An den Seiten mäandern ein paar Ausnahmekünstler. Tief unter der Wasseroberfläche dümpelt der Untergrund. Wenn auch mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, fließen all die kleinen und großen Strömungen letztlich doch in die gleiche Richtung. Es sei denn, du bist "die Welle", die sich entgegen des gesamten Flusses bewegt: Ahzumjot & Lance Butters.

Seit jeher zeichnen sich beide Künstler durch ihre Antihaltung aus. Beim einen ging es eher darum, die eigene Kunst gegenüber der Szene zu beweisen, beim anderen war das Ziel stets, sich einfach vom Rest abzugrenzen. Nun haben Lance Butters und Ahzumjot eine gemeinsame Möglichkeit gefunden, sich dem Rest in den Weg zu stellen. Auf sphärischen, elektronischen Beats spielt es dabei keine Rolle, ob fragwürdiger Newcomer oder etablierter Oldschooler: Jeder bekommt sein Battlerap-technisches Fett weg. Mal tiefenentspannte Klangschwaden mit passendem Laidback-Flow, mal analytisch nüchterne Szenedisses auf knallharten Soundfetzen – das Spektrum der EP ist ebenso breit wie in sich stimmig. Während sich Ahzumjot aka "der Beweis dafür, dass Kanye nur ein Mensch ist" für die Beats verantwortlich zeigt, gibt Lance, der nur noch schreibt, "wenn die Scheiße mal hochkommt", in Sachen Rap definitiv den Ton an. Trennbar ist das Ganze aber nicht, arbeitet man doch so gut zusammen, dass jeder Track als ein kompaktes Kunstwerk zu betrachten ist. Und wenn die Szene dem Ganzen etwas entgegenbringen möchte, wird ihr mit dieser EP höflich, aber bestimmt davon abgeraten: "Lassensedis".

So bündeln Ahzumjot & Lance Butters die von ihnen gewohnte Mischung aus Ignoranz, Arroganz und Können zu einer gemeinsamen, grandios klingenden EP. Das Duo beweist, dass es mit seinem Sound problemlos den gesamten Szenestrom aufwirbeln könnte, macht aber zugleich auch klar, dass ihnen der Rest dafür eigentlich zu egal ist. Und so rollt "die Welle" – unbeirrt von der sonstigen Szene – auf ihrem ganz eigenen Weg über das Land.

(Daniel Fersch)