Sinan49 – Mitte des Blocks

Guck nicht so böse, sonst kriegst du noch Fal­ten.
Fick Huren­söh­ne und dazu dei­ne Alte.

Was für ande­re das Schan­zen­vier­tel oder Kreuz­berg ist, ist für den Han­no­ve­ra­ner der Stadt­teil Lin­den: Im Nor­den die tür­ki­sche Gemein­de, im Süden die spa­ni­sche – Mul­ti­kul­ti eben, samt lin­ker Sze­ne und aus­ge­las­se­nen Aben­den. Hier kämpft sich Sinan49 seit jeher – natür­lich mit Eastpak-​Brustbeutel – durch ver­eng­te Gas­sen und mischt Knos­pen mit Tabak vor dem klot­zi­gen Ihme-​Zentrum, des­sen her­un­ter­ge­kom­me­ne Fas­sa­de eine inter­es­san­te Geschich­te geschei­ter­ter Inves­to­ren erzählt. "Mit­te des Blocks" ist das Abbild eines hip­pen Stadt­teils – ein Mix­tape aus der Sicht einer Lin­de­ner Par­al­lel­ge­sell­schaft.

Die Beats des Relea­ses, übri­gens aus den Federn von Brisk Fin­gaz und GEE Futu­ris­tic, sind dem East Coast-​Sound der 90er Jah­re exakt nach­emp­fun­den und bil­den gemein­sam mit Sinans dyna­mi­schem Flow ein trei­ben­des Gesamt­werk. Bezeich­nend sind die Ticker-​Hymne "Run­den", auf der Sinan49 Drü­ckern und Ban­di­ten auf Straßen-​Patrouille sei­ne Ware andreht, und "Alles bei Nacht" mit kri­mi­nel­ler Ver­stär­kung von Nate57. Was die Titel schon ver­mu­ten las­sen: "Mit­te des Blocks" ist ein wasch­ech­tes Street-​Album, dre­ckig und unmo­ra­lisch. Nichts für die Bratans, die alles zu ernst neh­men. Im Zwei­fel kann man aber mit "Guck nicht so böse" kon­tern – hier erhält Sinan Ver­stär­kung vom wibit­zi­gen und zurecht ver­knack­ten Bon­ner Obacha, Kum­pel von SSIO. Bei­de Rap­per zele­brie­ren hier einen tol­len, abfäl­li­gen Humor, der lei­der auf dem Rest des Mix­tapes zu kurz kommt.

"Mit­te des Blocks" eig­net sich per­fekt als Back­ground­mu­sik für eine Par­ty, wenn man sich anstren­gen­de Per­so­nen vom Leib hal­ten möch­te. Das Album ist emp­feh­lens­wert für HipHop-​Liebhaber, rebel­lie­ren­de Teen­ager, Dro­gen­dea­ler und Hän­gen­ge­blie­be­ne. Als Han­no­ve­ra­ner muss man Sinan49 ein­fach mögen, als Rap­fan soll­te man wenigs­tens mal rein­ge­hört haben, denn sein Flow ist wahn­sin­nig ein­gän­gig.

(von un­se­rem frei­en Mit­ar­bei­ter Simon Schüt­ze)

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(Ama­zon mp3)

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