muso interview

Muso

HipHop-Verräter, Hoffnungsträger, Anti-Cro – die Szene zeigte sich in ihrer Meinung über Muso lange Zeit alles andere als einig. Daher war die Ausgangslage für sein Chimperator-Debüt "Stracciatella Now" im Jahre 2013 keine leichte. Und obwohl das Release dem Heidelberger einiges an Aufmerksamkeit einbrachte, folgte schlussendlich doch eine dreijährige Auszeit sowie die Trennung vom Stuttgarter Indie-Label. Anstatt auf der Stelle zu treten, wusste Muso diese Pause effektiv für sich zu nutzen – nicht nur, um sich selbst zu finden und ruhiger zu werden, sondern auch, um an seinem neuesten Werk zu arbeiten. Mit einem anderen Management und Vertrieb im Rücken ist Muso nun zurück: Seit ein paar Wochen steht das aktuelle Album "Amarena" in den Plattenläden, für das er unter anderem von Xavier Naidoo und Ali As Unterstützung erhielt. Mit uns sprach der Rapper jetzt über die Zeit nach "Stracciatella Now", seine Trennung von Chimperator sowie die neue Platte. Dabei legte er uns nicht nur seine Haltung zu Ghostwriting sowie der Kritik an Xavier Naidoo dar, sondern erzählte auch, wie er zur aktuellen Politik und Internet-Hasskommentaren steht.

MZEE.com: Nach deinem Album "Stracciatella Now" wurde es recht still um dich. Was war der Grund für die lange Auszeit?

Muso: Ich habe schon zu "Stracciatella Now"-Zeiten Lorenz kennengelernt. Da LO ein begnadeter Drummer ist, habe ich auch live mit ihm gespielt. In der Zeit waren wir gemeinsam im Studio. Wir haben sehr roughe Aufnahmen gemacht und viele Songs produziert. Das Ganze ging eine Weile so. Wir wollten aus den vielen Skizzen schließlich das Album realisieren, aber das dauerte eine ganze Zeit und parallel hat sich in meinem Leben viel getan. Zu "Stracciatella Now"-Zeiten war ich mehr der Disco-Muso. Ich bin danach geerdet und definitiv ruhiger geworden. Man kann sagen, dass ich erwachsener geworden bin.

MZEE.com: Du hast mal gesagt, das letzte Album war düsterer und gleichzeitig warst du der Partymensch. Nun ist das Album positiver und du bist ruhiger geworden. Wie kommt das zustande?

Muso: Wenn man im Nachtleben unterwegs ist, dann sieht man die Sehnsucht in den Augen der Menschen. Weißt du, wenn man viel unterwegs ist – so Apokalypse und "Party like there's no tomorrow" –, macht man das aus einer Sehnsucht heraus. Und das hat mich ein Stück weit zu einem Chaoten gemacht. Ich denke, wenn man geerdet ist, sein Basement hat, dann ist man stärker. Das ist wichtig. Und am Ende musste ich mich selbst finden. Ich finde, dieser Prozess spiegelt sich dann letztendlich in der Musik wider.

MZEE.com: Inwiefern hat sich deine Musik durch die Auszeit geändert?

Muso: Das ist das Ding ... Die neue Musik hat lange Zeit kein Mensch gehört. Es gab da ein veröffentlichtes Album, das die Menschen gehört haben. Und nun hast du daheim jede Menge neuer Skizzen, auf denen du auch singst und dein Songwriter-Dasein auf eine ganz neue Art auslebst. Aber all die Sachen lädst du über lange Zeit nicht hoch und bekommst keinerlei Feedback von außen. Das prägt natürlich den Schaffensprozess und die Musik. Man überarbeitet immer wieder von Neuem und stellt Dinge infrage. Auf dem Album geht es einerseits um genau dieses Zweifeln und andererseits um das Selbstvertrauen, etwas dann doch zu machen oder es eben zu veröffentlichen. Jetzt ist "Amarena" draußen, das sind zwölf Songs. Und ich habe noch unglaublich viele Songskizzen, die noch niemand gehört hat. Insofern war die lange Auszeit auch für etwas gut ...

MZEE.com: Dein erstes Album erschien noch bei Chimperator, wo du mittlerweile nicht mehr unter Vertrag bist. Die Trennung wurde nicht an die große Glocke gehängt. Du hast diesbezüglich von "Timing" gesprochen. Was meintest du damit genau?

Muso: Ich habe irgendwann einen Punkt erreicht, an dem ich gedacht hab', wir könnten das jetzt schnell finalisieren und hätten dann ein Album. Aber das richtige Album zum richtigen Zeitpunkt fertigzustellen und allen Ansprüchen gerecht zu werden – das entspricht eben auch nicht meiner künstlerischen Herangehensweise. Und so dauert das dann eben auch mal länger. Gleichzeitig kann man die Zeit natürlich nicht anhalten. Die Welt dreht sich weiter und drei Jahre ohne ein neues Album sind heutzutage einfach eine sehr lange Zeit.

MZEE.com: Und wie kann man sich das vorstellen? Ist der Vertrag ausgelaufen oder ...

Muso: Nee, das ist nicht der Grund. Aber natürlich haben Unternehmen Businesspläne. Entweder ist man sich dann einig und die Vorstellungen decken sich – oder eben nicht. Aber wir sind alle down miteinander. Für mich ist dieser Weg der beste Deal. Ich habe ein sehr gutes Team von Leuten um mich und bin dafür sehr dankbar.

MZEE.com: Es steckt nun aber keine Reue dahinter und du sagst: "Hätte ich das Album besser mal gemacht"?

Muso: Natürlich ist das eine Riesenchance. Es gibt eine Masse an guten Künstlern, die nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient hätten. Da gibt es so viele Beispiele. Und klar, manchmal ist es so, dass man die Plattform braucht. Aber man kann es eben auch so schaffen – am Ende des Tages setzt sich Qualität schon durch. Es ist nun eine Riesenchance für mich, mit Believe Digital und den Leuten zu arbeiten, die an das Ding glauben und es vorantreiben. Klar ist es gut, Türöffner zu haben, aber vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Du brauchst Menschen, die zu tausend Prozent daran glauben und viele sehen nicht, wie viele andere Personen dahinterstecken. Durch diese Leute, die dahinterstecken, wird das was. Nicht, weil irgendwo ein großer Name darunter steht.

MZEE.com: Bei einem Label wie Chimperator fühlt man sich vielleicht auch automatisch durch Erwartungshaltungen anders unter Druck gesetzt.

Muso: Das war noch nie so. Das sind alles sweete Typen. Die machen das alles aus Liebe zur Musik und es war nicht ein einziges Mal so, dass sie gesagt haben: "Mach doch mal so oder so". Natürlich haben sie finanziellen Druck, bei dem Arbeitsplätze dranhängen. Das ist Business. Das ist auch bei mir Business. Aber wir machen das auf einer freundschaftlichen Ebene – egal, wie viel Business da dranhängt.

MZEE.com: Kommen wir doch mal auf das eigentliche Thema zu sprechen: Wie kann man sich den Sound von "Amarena" vorstellen?

Muso: Amarenakirschen-mäßig: klebrig, rot, warm. Wie ein warmer Schleier, der sich über das Gemüt legt. Einfach ehrlich. Ich habe emotional die Hosen runtergelassen. Obwohl es viel Selbstbewusstsein bedarf, zu sagen, dass man kein Selbstbewusstsein hat.

MZEE.com: Gab es Momente, in denen du gesagt hast: "Nein, das kann ich nicht veröffentlichen, das ist zu sehr 'Hosen runterlassen'"?

Muso: Nee, gar nicht, weil es eben für die Leute ist. Ich habe vor drei Jahren ein Album rausgebracht und habe Die-hard-Fans, die sich Textzeilen tätowieren lassen. Das ist iller Shit. Das sind Leute, die so viel Liebe in sich tragen und mir so viel Liebe zurückgeben für so wenig Musik, die ich bisher releast habe. In erster Linie ist die Musik für diese Menschen.

MZEE.com: Du hast Xavier Naidoo auf deinem Album. Er stand sowohl beim Xavas-Projekt als auch beim Eurovision Song Contest in der Kritik. Hast du bei der Featurewahl daran gedacht?

Muso: (überlegt) Nee, wir waren erstens nicht gezielt für ein Feature im Studio und zweitens war das auch vor dem ganzen Eurovision-Eklat. Wenn ich Xavier für einen homophoben Nazi halten würde, würde ich den Song dann auch nicht rausbringen. Das ist natürlich Bullshit, aber es ist eben auch nicht meine Aufgabe, Xavier zu erklären oder zu verteidigen. Ich muss nicht die gleichen Vorstellungen teilen. Unabhängig davon halte ich die Mechanismen heutzutage jedenfalls für sehr bedenklich. Wie entsteht öffentliche Meinung, wie krass unreflektiert werden da zum Teil Menschen pauschal verurteilt ... Es ist einfach wahnsinnig schwierig geworden, sich zu einem Thema differenziert zu äußern, ohne für den einen oder den anderen dekontextualisierten Halbsatz vom einen oder anderen Lager ans Kreuz gehängt zu werden. Persönlich habe ich Xavier als Mensch und Künstler schätzen gelernt und die Zusammenarbeit bei einigen Sessions war eine sehr krasse Erfahrung für mich.

MZEE.com: Apropos "Medien": Kannst du Internetkommentare ausblenden oder könnte das für dich mal ein Grund sein, die Lust zu verlieren?

Muso: Puh, wir leben in einer Welt und werden in dreißig Jahren denken: "Früher konntest du jemanden im Internet straffrei niedermachen". Da wird sich in Zukunft noch sehr viel ändern. Und ganz ehrlich: Keiner meiner Freunde inszeniert sich durch das Posten von dämlichen Hate-Kommentaren bei YouTube. Hoffe ich jedenfalls. Es ist einfach sehr schade, dass diese Menschen mit ihrem Hass im Netz so viel Darstellungsfläche bekommen. Oder kennst du so jemanden? Ich kenne keinen.

MZEE.com: Ich auch nicht ... Gott sei Dank. (lacht)

Muso: Das ist absurd, völlig ill. (lacht)

MZEE.com: Aber vielleicht hat das Internet auch was Gutes ...

Muso: Voll, das darf man nie vergessen. Ich habe mir zwar vorgenommen, keine YouTube-Kommentare durchzulesen – aber dann erwischt man sich doch dabei. Da gibt es dann zum Beispiel auch Kommentare wie die zu "Ultimatum", dass ich da ein bisschen Offbeat rappe. Das ist schon so und ich verstehe manche dieser Kommentare. Wenn etwas begründet ist, dann finde ich das auch cool. Es ist ja auch irgendwie mein Style – ein bisschen Offbeat. Und im Internet bekommst du eben reales Feedback. Die Leute fühlen sich halt sicher hinter ihren Rechnern und sind oft ehrlich. Das ist halt auch die Doppelmoral in diesem Land. Die Leute, die auf liberal machen und dann mit drei bis vier Bier im Kopf PEGIDA-Reden schwingen ... Und im Internet siehst du ja, wie viel fucking Rechtsgespreade es gibt. Im wahren Leben gibt es viele, die das nicht sagen würden, sondern sowas nur mit einem anonymen Account raushauen.

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MZEE.com: Rausgehen, Filme gucken und Bücher lesen kann kreativer machen. MC Bomber hat dazu gesagt: "Für Innovation braucht man Input, man muss sich geistig ernähren". Wie holst du dir deinen Input, beispielsweise für ein Album?

Muso: Das ist so die Theorie, aber man trägt viel in sich. Als ob jemand, der in einen weißen Raum eingesperrt ist und keinen Input hat, keine Hits schreiben könnte. Es gibt den Künstler Dagobert, der war mal ein Jahr auf einer Skihütte und hat über hundert Songs geschrieben ... Natürlich hat er da auch seine Erfahrungen und den Input der letzten Jahre verarbeitet. Ich für mich brauche auf jeden Fall stets den Input der Menschen. Ich brauche das Leben an sich als Input. Wenn ich ausschließlich schreiben würde, würde ich das Leben nur noch verneinen. Und dafür ist es zu kurz. Man muss eine gute Balance finden. Und dabei dreht man sich teilweise im Kreis. Ich bin so ein Mensch: Wenn ich heute einen geilen Song schreibe, dann weiß ich in zwei Tagen gar nicht mehr, wie das geht oder dass ich den überhaupt geschrieben habe. Ich fange dann immer irgendwie wieder bei null an, für mich ist das wichtig.

MZEE.com: Machst du dir Notizen, wenn du unter Menschen gehst? Oder merkst du dir das einfach und kannst daraus einen Song machen?

Muso: Das ist einfach nur Input und du weißt, dass es irgendwann, irgendwo wieder hervorkommt. Das ist wie in der Kneipe hinter der Theke zu stehen: Du hast den ganzen Tag Eindrücke. Es sind oft kleine Dinge, die du beim Songwriting auf die große Bedeutungsebene hebst. Weil es eben die kleinen, zwischenmenschlichen Dinge sind, die wichtig sind.

MZEE.com: Wenn man die deutsche Rapszene so betrachtet, hat man nicht das Gefühl, dass sich viele mit kulturellen Dingen beschäftigen. Gehst du denn beispielsweise ins Museum, ins Theater oder in die Oper, um dir kreativen Input zu holen? Oder reicht dir der Austausch, den du gerade beschrieben hast?

Muso: Das ist so ein Mix. Ich weiß nicht, ob ich in die Oper oder ins Musical gehen muss. Die, die Kohle haben, um in die Oper oder in ein Musical zu gehen, sind die, die in Schöneberg leben und jetzt nach Kreuzberg ziehen. Was heißen soll, dass aus Armut oder dem Schlechte-Zeiten-Ding die krasse Kunst entsteht. Weißt du, was ich meine? In armen Gegenden wie dem Bahnhofsviertel Frankfurt geht halt Kunst, die oft aus einem Verlangen heraus entsteht. Da entsteht die Kunst nicht in Theatern oder Musicals, sondern auf der Straße – mit Rap und Graffiti. Rap ist eben eine andere Form von Kunst. Ich höre sauviel Rap. Das ist meine Form von Kunst, auch wenn ich später dann was anderes mache. Ich hol' mir sehr, sehr viel Rap als Input, zum Teil auch bei anderen Konzerten und natürlich von Menschen. Ich arbeite in der Gastronomie, tue Menschen gerne etwas Gutes und bekomme durch die Unterhaltung sehr viel Input, weil man als Barkeeper eben oft Therapeut ist. (lacht)

MZEE.com: Wenn man bei Input und Kreativität bleibt – im Rap spricht man oft über Ghostwriting. Für viele ist das kein Theme. Andere werfen den Leuten aber vor, dass sie ihr Handwerk nicht beherrschen und unkreativ sind. Was hältst du davon?

Muso: Da hätte ich Bock drauf ... aber ich weiß nicht, wie das ist im Ghostwriting. 99 Prozent schreiben doch alles selber?! Das gehört in einem so inhaltslastigen Genre wie Rap dazu, oder nicht? Oder meinst du Drake und die Vorwürfe, dass es da etwas gegeben haben soll?

MZEE.com: Nein, es gibt die Diskussion ja immer wieder. Eko Fresh hat beispielsweise mal offen über das Thema gesprochen und gesagt, dass er für andere Alben geschrieben hat. Kämen denn beide Seiten für dich infrage – also sich Texte schreiben zu lassen oder für andere zu schreiben?

Muso: Ja, ich glaube, das würde meine Musik nicht ausschließen. Es geht ja im Endeffekt um gute Songs. Und Rap ist eben Musik geworden, er hat sich so eine große Scheibe vom Pop abgeschnitten. Und ich würde gerne mit anderen zusammenarbeiten. Ich habe bisher nichts gerappt, was ich nicht geschrieben habe. Vielleicht, weil keiner an mich glaubt? (lacht) Nee, keine Ahnung, aber dafür schreibe ich wahrscheinlich selber zu viel. Ich weiß nicht, ob ich damit ein Problem hätte. Es gibt zum Beispiel Skizzen von Drake oder anderen Künstlern, bei denen man denkt: "Ach, vielleicht hat er sich davon inspirieren lassen". Aber schau mal, am Ende ist es Musik und wenn der andere kohlemäßig davon was sieht, ist das doch geil. Doch bei meinem Ding ... Ich weiß nicht, das ist ja schon sehr persönlich.

MZEE.com: Im Rap ist auch immer die Rede von Realness. Findest du es da ein legitimes Mittel, sich Alben komplett schreiben zu lassen?

Muso: Glaubst du, das gibt es? Ich kann mir das nicht vorstellen. Das ist komplett Popmusik-Style. Mit meinem Rapper-Ego würde ich sagen: "Geht gar nicht", aber als Musiker wiederum: "Es ist halt Musik". Ich kann mir das schwer vorstellen, dass jemand einen Block in die Hand bekommt und gesagt wird: "Hier, das sind deine Lyrics". Denkst du, sowas gibt es echt im Rap? Also, ich glaube, am Ende sitzt man doch zusammen im Studio und das andere sind mehr Gerüchte.

MZEE.com: Das stimmt. Man weiß nie, was davon alles stimmt ...

Muso: Ja, ich nehme an, man sitzt zusammen im Studio und der eine schreibt hier mehr und der andere da oder arbeitet an einer Melodie. Ich denke nicht, dass es so ist wie in der Popmusik. Da bekommst du eine Skizze in die Hand gedrückt, am besten noch von einem Sänger, der nicht deinem Geschlecht entspricht. Du adaptierst den fertigen Song, machst ihn zu deinem eigenen – und das ist dann auch wieder Kunst. Aber ich finde es geiler, zu sehen, wer dahintersteckt. Wie bei dem einen Girl aus Berlin (Bibi Bourelly, Anm. d. Red.), das "Bitch better have my money" geschrieben hat. Für sie ist es doch geil, zu wissen, dass die Melodie oder der Text von ihr ist.

MZEE.com: Lass uns ein wenig über Politik und die aktuelle Lage in Deutschland sprechen. Ich habe einen Facebook-Post von dir gesehen, in dem du deinen Hund auf ein AfD-Plakat gesetzt und "Hundetoilettenalternative für Deutschland" geschrieben hast. Wie wichtig ist es dir, dich für politische Themen stark zu machen?

Muso: Es sind ja vielleicht Ängste und Trotz, was die Menschen so fehlleitet. In meiner Musik geht es darum, dass jeder diese Ängste hat. Insofern ist es immerhin keine Musik, die diese Typen auf ihrem Parteitag laufen lassen können. (lacht)

MZEE.com: Denkst du, dass Deutschrap und du selbst der AfD mehr entgegensetzen müssten?

Muso: Je mehr ich darüber rede, desto mehr wird mir klar, dass es in Amerika einen Kendrick Lamar gibt, der bei Obama chillt. Hier chillt keiner bei der Merkel. Na ja, wir haben hier zum Glück auch keinen Trump. Und wenn es hier mal einen gibt, würde ich vielleicht auch einen "Fuck Donald Trump"-Song machen. Aber der Typ hat sich ja zum Glück selbst ein Bein gestellt ...

MZEE.com: Du hast ja bestimmt die letzten Ereignisse in Deutschland verfolgt, was Terror und Amokläufe angeht. Glaubst du, dass solche Ereignisse die AfD noch stärker machen, weil die Leute mehr Angst haben?

Muso: Ich glaube und hoffe nicht. Ich glaube an das Gute im Menschen. Aber die Tendenz sieht man ja in ganz Europa. Das sind Menschen, die nicht mit Inhalten überzeugen, sondern nur mit stupiden Parolen. Und sobald es um Inhalte geht, werden diese Menschen versagen, weil da nichts geht und die nur auf die Ängste und Panikmache setzen. Am Ende ist es wie in der Musik. Die Leute sind sensibilisiert, sie wollen Inhalt. Etwas, das sie festhält. Früher oder später wird sich das durchsetzen.

MZEE.com: Gehen wir davon aus, dass du auf dem Weg zur nächsten Wahl einen Menschen triffst, der offenbart, dass er aufgrund seiner aktuellen Angst die AfD wählt. Wie würdest du ihn vom Gegenteil überzeugen?

Muso: Ich würde vermutlich versuchen, ihm deutlich zu machen, dass es völlig verständlich ist, aufgrund der weltweiten Entwicklungen und deren Auswirkungen auf das lokale Zusammenleben Angst zu haben. Daran muss man etwas ändern. Aber es bringt eben nichts, aus Trotz und verständlicher Verbitterung über die gegenwärtige Politik eine populistische Partei zu wählen, deren Programm man nicht kennen kann, weil sie keines hat. Das sind Blender und Heuchler. Und sich ihnen aus Angst anzuschließen, ist der Weg in die totale Eskalation und eine noch ungerechtere Welt.

MZEE.com: Zu Beginn haben wir schon über deine längere Pause gesprochen. Müssen deine Hörer im Anschluss an "Amarena" wieder eine längere Zeit auf Neues von dir warten oder wird es eine Tour und vielleicht schon bald wieder ein neues Album geben?

Muso: Im Februar geht es auf Tour und darauf freue ich mich sehr. Ich werde wohl auch nie aufhören, Musik zu machen. Es gibt genügend Ideen und Songskizzen und das sollen die Leute auch zu hören bekommen. Ob in Form eines Albums oder wie auch immer, das wird sich zeigen. Fürs Erste freue ich mich darauf, den Leuten "Amarena" live von Angesicht zu Angesicht präsentieren zu können. Das wird nach so langer Zeit etwas sehr Besonderes für mich und alle sein, die darauf gewartet haben.

(Fabian Thomas)