Rokkez – Rokkez

Ich komm' groß raus wie ein über­ge­wich­ti­ger Säug­ling.

Über ein Jahr­zehnt war das Brüder-​Duo Auto­ma­tikk in der Sze­ne aktiv. Gemäß ihrem Namen sorg­ten Rokko81 und Attilah78 für expli­zi­te Raps mit einem Flow wie aus der Maschi­nen­pis­to­le. Nun scheint Rok­ko auf der Suche nach Abwechs­lung zu sein. Als Sei­ten­pro­jekt schnappt er sich sei­nen Zög­ling Akez und bil­det gemein­sam mit ihm die For­ma­ti­on Rok­kez. Auf ihrem gleich­na­mi­gen Debüt­al­bum ver­ges­sen sie die Automatikk-​Wurzeln zwar nicht völ­lig, doch wol­len weder rei­nen Gangster- noch Stra­ßen­rap lie­fern.

Statt­des­sen ver­su­chen Rok­kez auf den ins­ge­samt 15 Songs der Plat­te, mög­lichst vie­le The­men­ge­bie­te abzu­früh­stü­cken. Klas­si­sche Rep­re­sen­ter wie "Rap Tsu­na­mi" kön­nen dabei noch durch­aus über­zeu­gen. Man merkt bei­den Rap­pern an, dass sie Erfah­rung auf den Takt brin­gen und nicht erst ges­tern ihre ers­te Pun­ch­li­ne auf ein Blatt krit­zel­ten. Hier fällt vor allem "Bud Spen­cer" posi­tiv auf. Trotz der dump­fen Wort­wie­der­ho­lung am Zei­len­en­de ver­sprüht der Track – dank des stim­mi­gen Beats und der ver­sier­ten Vor­trags­wei­se der Nürn­ber­ger – einen gewis­sen Kopf­ni­cker­vi­be. Wenn sich die bei­den aller­dings an ver­meint­lich erns­te­ren The­men ver­su­chen, ver­läuft sich das Kon­zept "Rok­kez" recht schnell. Da ist dann ein Song für die "Bud­dys", das Lie­bes­lied "Willst du mich hei­ra­ten" und als Kir­sche auf dem Inhalts­ein­heits­brei "Wun­der­schön". Der Track plä­diert für die indi­vi­du­el­le Schön­heit in jeder ein­zel­nen Per­son – ein durch­aus will­kom­me­nes Anlie­gen. Lei­der machen Rok­kez dies aber auf eine über­aus ober­fläch­li­che Art, sodass der Kitsch aus jeder Zei­le trieft und in der schmie­ri­gen Gesangs­hook sei­nen Höhe­punkt fin­det.

Man wünscht sich fast ein biss­chen, Rok­ko und sein Pro­te­gé Akez hät­ten auch bei "Rok­kez" auf die bekann­te Automatikk-​Formel zurück­ge­grif­fen. Denn strai­gh­ter, har­ter Rap durch und durch wür­de auch ihnen bes­ser ste­hen. Statt­des­sen bedie­nen sie auf ihrem Debüt eine belie­bi­ge The­men­pa­let­te, die fast auf eine mög­lichst gro­ße Ziel­grup­pe aus­ge­rich­tet zu sein scheint. Letzt­end­lich bleibt so aber lei­der kaum etwas inhalt­lich hän­gen – außer der einen oder ande­ren stump­fen Pun­ch­li­ne.

(Flo­ri­an Peking)

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(Ama­zon mp3)

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