Trettmann – KitschKrieg 2

Sie sagen: 'Gib uns noch mehr, Tret­ti!
Du machst die Audi­ence hap­py'.

Kur­ze Zeit nach der ers­ten EP lie­fert Trett­mann mit "Kitsch­Krieg 2" bereits das Nach­fol­ge­werk. Die naht­lo­se Fort­set­zung der Rei­he erschien rela­tiv uner­war­tet und los­ge­löst von bran­chen­üb­li­chen Release-​Strategien. Und auch hier gibt es statt Dan­ce­hall und Reg­gae wie­der Trap mit Auto­tu­ne. Mit die­sem künst­le­ri­schen Image­wech­sel weiß Tret­ti seit dem Able­gen sei­nes Vor­na­mens zu über­zeu­gen.

Musi­ka­lisch gese­hen wer­den vom Produzenten-​Trio Kitsch­Krieg aus Ber­lin auf der EP die­sel­ben Geschüt­ze wie beim Vor­gän­ger auf­ge­fah­ren. Erneut tref­fen zum Teil sehr tie­fe Bass­li­nes auf Syn­thies, die eine beson­de­re Sound­ku­lis­se erzeu­gen. Mit den ruhi­gen Klän­gen, die zum Zurück­leh­nen und Ent­span­nen ein­la­den, trifft Trett­mann ein wei­te­res Mal abso­lut den Zeit­geist. Rap­t­ech­nik steht dabei wie­der weni­ger im Vor­der­grund. Auf Pun­ch­li­nes wird wei­test­ge­hend ver­zich­tet, Reim­ket­ten sind ver­gleichs­wei­se kurz gehal­ten. Sofern man kein Fana­ti­ker in Sachen Tech­nik ist, soll­te man sich dar­an nicht unbe­dingt stö­ren. Denn der Leip­zi­ger lässt dem Hörer aus­rei­chend Platz, den Vibe auf sich wir­ken zu las­sen. Trotz­dem gibt es auch ein inhalt­li­ches High­light: den Song "120 Jah­re", auf dem Trett­mann von Haiy­ti unter­stützt wird. Hier fin­det man eine außer­or­dent­li­che Ohrwurm-​Hook und einen wit­zi­gen Text, in dem die Prot­ago­nis­ten bekräf­ti­gen, dass sie noch lan­ge nicht zum Ver­las­sen des Clubs bereit sind. Die selbst­iro­ni­sche Prä­sen­ta­ti­on der bei­den sorgt dafür, dass man sich mit der Situa­ti­on sofort iden­ti­fi­zie­ren kann – ob man damit ver­traut ist oder nicht. Der Rap­per beweist hier zudem wie­der ein­mal, wie man mit Auto­tu­ne umzu­ge­hen hat.

"Kitsch­Krieg 2" ist ein­fach eine siche­re Fort­set­zung des ers­ten Teils. Trett­mann ver­lässt sich auf alt­be­währ­te Mit­tel und geht kei­ne Risi­ken ein. Bei der ver­gleichs­wei­se kur­zen Spiel­dau­er kommt kei­ne Lan­ge­wei­le auf. Ob der Rap­per mit die­sem aktu­el­len Kon­zept jedoch auf Alb­um­län­ge funk­tio­nie­ren kann, bleibt abzu­war­ten.

(Ben­ja­min Boro­witza)

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(Ama­zon mp3)

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