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Samy Deluxe

"Einer der le­gen­därs­ten deut­schen Rapper al­ler Zeiten" oder "Nach dem ers­ten Album kam nicht mehr viel" – an kaum ei­nem deut­schen Rapper der ers­ten Stunden schei­den si­ch die Geister seit Jahren so sehr wie an Samy Deluxe. Für die ei­nen hat er schon lan­ge den ewi­gen Legendenstatus er­reicht, für die an­de­ren hat er si­ch ge­nau die­sen durch Experimente wie das "Herr Sorge"-Projekt auf ewig zer­stört. Eines ist aber je­dem klar: Egal, für wel­chen Sound Samy Deluxe ak­tu­ell steht – der Hamburger hat rapt­ech­nisch ge­se­hen ei­ni­ges drauf, wenn er denn will. Und ge­nau das möch­te der Baus of the Nauf mit sei­nem ak­tu­el­len Album "Berühmte letz­te Worte" wohl wie­der un­ter Beweis stel­len. Ein Album, das nicht mehr mit Anleihen aus den Staaten oder gro­ßen Experimenten über­zeu­gen soll, son­dern zur Abwechslung wie­der auf pu­ren, klas­si­schen Rap setzt. Um zu gu­cken, was Samy Deluxe wirk­lich in die­sem Album sieht, was die Highlights sei­ner mehr als 20-​jährigen Karriere wa­ren und wie es um die po­li­ti­sche Wirklichkeit für Migrantenkinder in Deutschland steht, ba­ten wir den 38-​Jährigen zum Gespräch.

MZEE​.com: Dein neu­es Album heißt "Berühmte letz­te Worte". Viele dei­ner Fans ha­ben den Titel wört­lich ver­stan­den und dach­ten, mit die­sem Release be­en­dest du dei­ne Karriere. Erzähl doch mal di­rekt zu Beginn des Interviews: Was war dei­ne Intention hin­ter dem Titel?

Samy Deluxe: Ich woll­te mir mit dem Titel in ers­ter Linie ei­ne Art Korsett schnü­ren, das mi­ch dar­an hin­dert, ein ex­pe­ri­men­tel­les Rap-​Album zu ma­chen. Das hab' ich im Prozess ir­gend­wann ge­merkt. Ich mach' ja im­mer sehr vie­le Songs und muss eher aus­su­chen, wel­che ich neh­me, als krampf­haft neue Tracks da­zu­zu­be­kom­men. Vor un­ge­fähr ei­nem Jahr hat­te ich dann schon vie­le Song-​Gerüste und ge­merkt, dass mir die Sachen, in de­nen ich et­was aus mei­nem Leben er­zähle, ge­rade ir­gend­wie mehr ge­ben. Zum Beispiel der Song, den ich für mei­ne Mum ge­schrie­ben ha­be. Das war ei­ner der ers­ten, die das Album, wie es jetzt ist, ge­prägt ha­ben. Ein paar an­dere Songs sind schon vor­her ent­stan­den; die ka­men dann er­st wie­der da­zu­. Es hät­ten sehr un­ter­schied­li­che Alben wer­den kön­nen – dar­an ge­mes­sen, was ich an Material hat­te. Ich hät­te mi­ch mu­si­ka­lisch sehr un­ter­schied­lich dar­stel­len kön­nen. Deshalb gibt's auch die drei Bonus-​Songs, die mit dem Sound des Albums gar nichts zu tun ha­ben, son­dern eher trap­pig sind und Dancehall-​Anleihen ha­ben. So ein Album hät­te ich auch ma­chen kön­nen. Mit Bazzazian hat­te ich auch no­ch Songs, die sehr pop­pig wa­ren. Dann gab es no­ch vie­le ASD-​ähnliche Sachen, die voll auf die Zwölf gin­gen. In de­nen ha­be ich zwar Double- und Tripletimes so­wie wahn­sin­ni­ge rhyth­mi­sche Konstrukte aus­ge­packt, aber ir­gend­wie nicht viel ge­sagt. Irgendwann im Laufe des Weges hab' ich ent­schie­den, dass es für mi­ch ge­rade am in­ter­es­san­tes­ten ist, so ein klas­si­sches HipHop-​Album zu ma­chen. Dafür steht der Titel. Wenn ich wüss­te, es wä­re mein letz­tes Album, dann wä­re ich da­mit cool. Das soll­te ein HipHop-​Statement sein. Dann kam die­ser Mama-​Song raus und der Titel "Berühmte letz­te Worte" in mei­nen Kopf und ich hab' über­legt, wie ich den mit Inhalt fül­le. Danach war klar, was für ei­ne Art von Songs ich auf dem Album ha­ben will. Es soll­te kei­ne Biografie sein, aber je­der Song soll­te et­was über mei­nen Stil und mei­ne Weltansicht aus­sa­gen.

MZEE​.com: Ist das Album das Statement, mit dem die Hörer dich in Erinnerung be­hal­ten sol­len?

Samy Deluxe: Ja … Also, be­vor ich das Album ge­macht ha­be, wuss­te ich auch schon, dass ich bei "Sing mei­nen Song" mit­ma­chen wer­de. Da hät­te ich ja auch die Möglichkeit ge­habt, im Zuge des­sen ein pop­pi­ges oder ein Gesangsalbum zu ma­chen. Aber ich dach­te mir dann ir­gend­wann: "Nee, ich wer­de ja in der Sendung auch 'der Rapper' ge­nannt". Und wenn ich schon so ei­ne brei­te Masse durch die­se Sendung an­spre­che, will ich kei­ne Sachen ma­chen, die si­ch für mi­ch nicht na­tür­lich an­füh­len.

MZEE​.com: Als Samy Deluxe will­st du al­so in ein paar Jahren für die­ses klas­si­sche Rapding ste­hen, ob­wohl du auch an­dere Sachen ge­macht hast.

Samy Deluxe: Es ist das, wo­für ich jetzt ste­hen will. Genau in die­sem Moment. Wofür man am Ende steht, ist ja no­ch ei­ne an­dere Frage. Irgendwann werd' ich ster­ben, tau­send Alben ge­macht ha­ben und man­che Leute ken­nen mi­ch nur vom Freestyle bei Oli Pocher. Das kann ich nicht be­ein­flus­sen. Wenn du so vie­le ver­schie­dene Dinge in der Öffentlichkeit machst, kann­st du nicht de­fi­nie­ren, wor­an die Leute dich mes­sen und wie sie dich in Erinnerung be­hal­ten.

MZEE​.com: Wie blick­st du auf dei­ne Experimente in der Vergangenheit zu­rück?

Samy Deluxe: Das ist halt mein Weg. Viele an­dere Rapper ha­ben nur ei­nen Weg, kön­nen viel­leicht auch nicht mehr und zie­hen dann ih­ren Stil auf tau­send ver­schie­de­nen Alben und Mixtapes durch. Bei mir gibt's halt im­mer wie­der et­was an­de­res, das mi­ch reizt. Manchmal sind es Melodien, manch­mal Rapsachen – jetzt ist es der Ansatz, ein klas­si­sches Rap-​Album zu ma­chen, das ich so auch von mei­nem Lieblingsrapper am liebs­ten hö­ren wür­de. Manchmal ist der Ansatz aber auch, zu gu­cken, wie weit man Rap no­ch pus­hen und wie vie­le un­ty­pi­sche Einflüsse man no­ch da­zu­tun kann. Das jet­zige Album ist auch kein Reißbrett-​Album. Irgendwann hab' ich ein­fach ge­se­hen, dass die Songs, die eher nach den klas­si­schen Rezepturen ge­macht wur­den, die bes­ten wa­ren.

MZEE​.com: Hast du denn ir­gend­ei­nen Wunsch, wie du nach dei­ner ak­ti­ven Karriere in Erinnerung blei­ben möch­test?

Samy Deluxe: Damit kann man si­ch na­tür­lich ver­rückt ma­chen. Man kann es eben nicht be­ein­flus­sen. Natürlich möch­te ich lie­ber mit den schlau­en und coo­len, den ge­wag­ten oder den tech­nisch bril­lan­ten Momenten in Erinnerung blei­ben, statt da­mit, wen ich mal ge­da­tet hab'. Aber das kann ich mir ja nicht aus­su­chen, al­so ver­such' ich auch nicht, mi­ch zu viel mit der Außendarstellung zu be­schäf­ti­gen.

MZEE​.com: Bereust du Dinge wie den Auftritt da­mals bei Oli Pocher?

Samy Deluxe: Nein. Ich be­reue echt gar nichts. Es gibt ja mitt­ler­weile so vie­le Kanäle, auf de­nen si­ch Leute Dinge rein­zie­hen. Dadurch be­kom­men auch ganz un­ter­schied­li­che Leute et­was von mir mit. Manche ken­nen mi­ch jetzt, weil ich auf dem Nena-​Album ge­rappt hab', an­dere, weil ich auf dem Tabaluga-​Album ge­rappt hab'. Und no­ch mal an­dere, weil ich auf dem Haftbefehl-​Album ge­rappt hab'. Die Bandbreite, die ich mitt­ler­weile ab­de­cke, ist so groß. Da ist es ver­schwen­dete Zeit, si­ch dar­über Gedanken zu ma­chen, was wo wie an­kommt. Ich bin im­mer froh über al­les, was ich ge­macht hab'.

MZEE​.com: Letzte Frage zum Albumtitel: Gibt es ge­ne­rell "be­rühmte letz­te Worte", die dich be­son­ders be­rührt, be­ein­druckt oder be­ein­flusst ha­ben?

Samy Deluxe: Ich hab' na­tür­lich auch ein biss­chen ge­goo­glet, was be­rühmte letz­te Worte sind. Ich hab' dann eher wit­zige Dinge ge­fun­den, die mi­ch in­spi­riert ha­ben. Der Bombenentschärfer, der sagt: "Der blaue Draht. Ich glau­be, es ist der blaue Draht". Viele an­dere letz­te Worte sind al­ler­dings eher kli­schee­mä­ßig und lang­wei­lig. Aber ich lass' mi­ch ger­ne no­ch po­si­tiv über­ra­schen, was Leute da an Zitaten aus­gra­ben und mir schi­cken.

MZEE​.com: Kommen wir zum Soundbild des Albums. Deine letz­ten Alben klan­gen im­mer sehr ver­schie­den. Welchen Sound hat "Berühmte letz­te Worte"?

Samy Deluxe: Das Album ist auf je­den Fall sehr soul­ful auf ir­gend­eine Art. Es sind vie­le Breakbeats mit Samples drauf, vor al­lem Vocal-​Samples. Viel Rap, viel Textinhalt. Man kann das Album durch­aus als Konzeptalbum be­zeich­nen, auch wenn si­ch das nicht so di­rekt zeigt.

MZEE​.com: Wie wür­dest du das Konzept be­schrei­ben?

Samy Deluxe: "Berühmte letz­te Worte". (lacht) Das ist schon ge­nug. Es ist ein in­halts­star­kes Album, das si­ch nicht so auf­drängt. Der Hörer denkt si­ch nicht die gan­ze Zeit: "Oh, der will mir jetzt et­was er­zäh­len". Es pas­siert flow­tech­nisch und mu­si­ka­lisch viel, dem man gut fol­gen kann, oh­ne über­for­dert zu wer­den.

MZEE​.com: Wie bist du auf Farhot und Bazzazian als Produzenten für die Platte ge­kom­men?

Samy Deluxe: Mit Farhot hat­te ich schon mal bei "Herr Sorge" zu­sam­men­ge­ar­bei­tet. Und Bazzazian hat­te ja schon drei Beats auf dem ASD-​Album. Die Zusammenarbeit mit ihm hat si­ch di­rekt dar­aus ab­ge­lei­tet. Mit ihm hat­te ich ei­nen rich­tig gu­ten Workflow. Ich fand den Sound von ihm bei den Dingern mit Afrob so gut, dass ich kom­plett von ihm über­zeugt war. Wir ver­ste­hen uns auch pri­vat gut und des­halb hab' ich ihn dann für das Album di­rekt an­ge­ru­fen und we­nig spä­ter auf ein paar Beats von ihm auf­ge­nom­men. Die Songs sind dann er­st nichts ge­wor­den, jetzt kom­men sechs Beats von ihm. Sechs wei­tere stam­men ur­sprüng­lich von DJ Vito, mir, Matteo und den Jungs aus der KunstWerkStadt. Die hat Bazzazian dann aus­pro­du­ziert. Und zwei Beats sind von Farhot.

MZEE​.com: Was macht für dich die Beats der bei­den aus? 

Samy Deluxe: Farhot ist ein­fach ein sehr ver­spiel­ter Produzent, der vie­le ei­gen­wil­lige Soundquellen be­nutzt. Er ist so ein klei­ner Bastelfreak. Bei Bazzazian ist da­ge­gen al­les su­per­klar und kna­ckig, da hat al­les sei­nen Platz. Er ist ein sehr gu­ter Arrangeur. Sobald du ihm et­was schick­st, holt er im­mer et­was Geiles aus dem Song raus.

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MZEE​.com: Das ein­zige Feature auf dei­ner Platte stammt von Megaloh. Wieso fiel dei­ne Wahl ge­rade auf ihn?

Samy Deluxe: Der Song hat das ge­for­dert. Er hat zwei Strophen und soll­te ei­gent­lich auch nicht mehr ha­ben. Dann hat­ten Bazzazian und ich aber die Idee, den Beat in­ner­halb des Songs noch­ mal et­was zu ver­än­dern. Und als dann die­ser zwei­te Instrumental-​Part da war, hab' ich ir­gend­wie so­fort Megaloh dar­auf ge­hört. Dann hab' ich ihn ge­be­ten, da mal was Geiles drauf­ zu ­dich­ten. Daraufhin hat er das ge­macht, wie er das eben macht.

MZEE​.com: Wenn man so vie­le Jahre im Geschäft ist und dann mal auf sei­ne ers­ten Platten zu­rück­blickt: Welchen Stellenwert misst du "Deluxe Soundsystem" heu­te für die Geschichte des deut­schen Raps bei?

Samy Deluxe: Boah, ich weiß nicht. Darüber mach' ich mir nicht so vie­le Gedanken. Es ist na­tür­lich ei­ner der Klassiker die­ser Deutschrap-​Generation. Aber um es in den Gesamtkontext ein­zu­ord­nen, ken­ne ich, glaub' ich, viel zu we­nig Deutschrap und in­ter­es­siere mi­ch auch zu we­nig da­für.

MZEE​.com: Und wo wür­dest du das Album heu­te ein­ord­nen? Meinst du, dass es in der heu­ti­gen Zeit re­least im­mer no­ch ei­nen sol­ch im­men­sen Erfolg und Stellenwert hät­te?

Samy Deluxe: Das ist ja ein kom­plet­tes Fantasieprodukt. Also, der Rest der Realität ist ge­nauso, wie er jetzt auch ist, die Rapper, die ge­rade "in" sind, sind es auch, aber das Album wür­de jetzt her­aus­kom­men und kei­ner wür­de mi­ch ken­nen?

MZEE​.com: Genau.

Samy Deluxe: Na ja, dann wä­re mein Album auch an­ders. Ich könn­te ja in der jet­zi­gen Zeit nicht das glei­che Album wie da­mals ma­chen. Dinge sind im­mer ge­prägt von der Zeit, in der sie pas­sie­ren.

MZEE​.com: Könntest du es trotz­dem in die heu­ti­ge Szene ein­ord­nen, die ja auch viel­fäl­ti­ger als die von vor vie­len Jahren ist?

Samy Deluxe: Ich wä­re na­tür­lich trotz­dem der be­s­te Rapper des Landes. Die Beats wä­ren viel­leicht et­was out­da­tet, aber trotz­dem im­mer no­ch fet­ter als die der meis­ten Produzenten. Es ist echt ein gut pro­du­zier­tes Album, da muss ich Tropf und Dynamite Respekt zol­len. Die ha­ben das da­mals krass ge­macht. Also, wenn ich das Album jetzt hö­re, ge­fal­len mir die Beats auf je­den Fall deut­lich bes­ser als die Raps.

MZEE​.com: Woran liegt das denn?

Samy Deluxe: Daran, dass ich die Beats nicht selbst ge­macht ha­be und die ein­fach neu­tral fei­ern kann.

MZEE​.com: Wenn du das Fantasiekonstrukt ein biss­chen zu­las­sen kann­st – denk­st du, dass de­in Album im­mer no­ch Erfolg hät­te und vie­le Menschen es fei­ern wür­den?

Samy Deluxe: Ja, na­tür­lich. Die Leute hö­ren das ja no­ch. Von den Rappern, die jetzt ge­rade "in" sind, hört kei­ner das letz­te Album. Aber die Leute hö­ren im­mer no­ch "Grüne Brille" und "Wie jetzt". Die wer­den ja auf Spotify im­mer no­ch ge­streamt.

MZEE​.com: Du hat­test zu­letzt 20-​jähriges Bühnenjubiläum. Was sind für dich die drei Meilensteine dei­ner ge­sam­ten Karriere?

Samy Deluxe: Also, wenn es um Auftritte geht, war auf je­den Fall das Jubiläum ei­ner der schöns­ten Tage mei­ner Karriere. Da hab' ich ein­fach so vie­le Leute zu­sam­men­be­kom­men, so vie­le hoch­ka­rä­tige Künstler, die das nur für ei­ne Bahnkarte und ein Hotel ge­macht ha­ben. So et­was kann man nicht mit Geld be­zah­len. Eine mei­ner liebs­ten Bühnenerinnerungen sind auch mei­ne ers­ten 100 Splash!-Bars. Das war ein sehr, sehr gei­ler HipHop-​Moment, weil ich das vor­her no­ch nie ge­macht hat­te und das schon auch nicht so leicht ist. Dann no­ch die Dynamite Deluxe-​Releaseparty zum ers­ten Album da­mals in der gro­ßen Freiheit … Da ha­ben wir die Massiven Töne, Max Herre, Afrob, die Stiebers und so wei­ter mit dem Nightliner aus dem Süden in den Norden hoch­ge­karrt und dann ein le­gen­dä­res Konzert ge­spielt, das, den­ke ich, auch für im­mer in Hamburgs HipHop-​History einge­mei­ßelt ist. Ansonsten gibt's na­tür­lich vie­le gei­le Momente, die ich viel­leicht im­mer gar nicht so sehr mit­be­komme. Ich hab' auch das Gefühl, dass vie­le Nostalgiker Menschen sind, bei de­nen eben nur da­mals gei­le Sachen pas­sier­ten. Ich könn­te dir auch Sachen er­zäh­len, die heu­te ge­sche­hen.

MZEE​.com: Kannst du dich no­ch an ei­nen gro­ßen Moment er­in­nern, der dich in dei­ner Karriere rich­tig nach vor­ne ge­bracht hat?

Samy Deluxe: Der MTV-​Award, den ich nach "Weck mi­ch auf" be­kom­men hab'. Den hab' ich ge­gen die Ärzte, die Toten Hosen, Rammstein und die No Angels ge­won­nen. Einfach, weil die Leute we­gen die­ses Songs un­be­dingt woll­ten, dass ich ge­winne. Das war kar­rie­re­tech­nisch schon ein kras­ser Moment. Als ich an­ge­fan­gen ha­be zu rap­pen, hab' ich mir ja nichts aus ir­gend­wel­chen Awards ge­macht. Aber mei­ne Gegner wa­ren da ein­fach Acts, die viel, viel mehr ver­kauft ha­ben und viel grö­ßer wa­ren. Und trotz­dem hat­te ich ei­nen Song, der das mög­lich ge­macht hat.

MZEE​.com: Ist "Weck mi­ch auf" für dich auch im­mer no­ch der wich­tigste Song in dei­ner Wahrnehmung oder gibt es da ei­nen an­de­ren?

Samy Deluxe: "Weck mi­ch auf" ist auf je­den Fall der ge­mein­same Nenner für al­le. "Poesie Album" ist, glau­be ich, der meist ge­streamte Song von mir. Aber der hat­te na­tür­lich nicht so ei­nen Impact wie "Weck mi­ch auf".

MZEE​.com: Und was ist der un­ter­schätz­teste Track, den du je raus­ge­bracht hast – al­so ei­ner, der in dei­nen Augen zu we­nig Beachtung be­kom­men hat?

Samy Deluxe: So ei­nen Track gibt es für mi­ch gar nicht. Wenn man so tief in sei­nen Projekten drin­steckt, kann man na­tür­lich auch nicht mehr ob­jek­tiv sein und Songs be­wer­ten. Im Nachhinein ver­steh' ich es echt im­mer, wenn Songs nicht so gut an­kom­men. Also, ich den­ke mal, wir re­den von Singles. Von den Singles, die ich je­weils aus­ge­wählt ha­be, ver­steh' ich ge­nau, was war­um funk­tio­niert hat … oder eben auch nicht. Bei mei­nen Alben sieht das ge­nauso aus.

MZEE​.com: Ich wür­de ger­ne mit dir über ein po­li­ti­sches Thema der jün­ge­ren Vergangenheit spre­chen: Böhmermann und Erdogan. Magst du mir kurz dei­ne Meinung zu dem Ganzen er­zäh­len?

Samy Deluxe: Ich hab' da gar kei­ne Meinung zu. Ich weiß nicht, was Böhmermann ge­nau ge­sagt hat und wer die­ser Mensch ist, über den er da ge­re­det hat. Ich bin kom­plett un­qua­li­fi­ziert, um über welt­po­li­ti­sche Themen zu spre­chen. Ich weiß ein­fach nicht ge­nug dar­über und es in­ter­es­siert mi­ch auch nicht.

MZEE​.com: Du hast dich al­so über­haupt nicht mit dem Thema be­schäf­tigt?

Samy Deluxe: Hallo, der ist Comedian, der Typ! Er darf sa­gen, was er will.

MZEE​.com: Du hast al­so doch ei­ne Meinung.

Samy Deluxe: Na ja, wenn er für ir­gend­et­was Kritik ern­tet, dann ist es nicht mei­ne Aufgabe, das zu be­wer­ten. Kunst darf si­ch al­les er­lau­ben, so­lange sie gut ge­macht ist. Ich hab' das Video eben nicht ge­se­hen.

MZEE​.com: Darum ging es ja in gro­ßen Teilen der Diskussion – ob­wohl Kunst si­ch "al­les er­lau­ben kann", stell­te Erdogan Strafantrag ge­gen Böhmermann we­gen Beleidigung. Böhmermann sag­te ja so­gar selbst, dass das, was er vor­trägt, il­le­gal sei. Das dann wirk­li­ch ge­gen ihn er­mit­telt wur­de, schein­st du aber schon nicht so cool zu fin­den.

Samy Deluxe: Er kann ja sa­gen, was er will. Jeder kann sa­gen, was er will. Dann muss man aber auch mit den Konsequenzen le­ben, die das aus­löst. Ich kann mi­ch ja nicht kon­kret da­zu äu­ßern, wenn ich nicht weiß, was er ge­sagt hat. Ich weiß nicht mal ge­nau, wer die­ser Erdogan ist. Ich bin da echt kom­plett un­ge­bil­det. Ich klin­ge im­mer nur schlau, aber ich bin nicht ge­bil­det und ken­ne ir­gend­wel­che Politiker. Barack Obama und Angela Merkel, da hört's auf.

MZEE​.com: Du gehst mit den Singles "Mimimi" und "Klopapier" von dei­nem neu­en Album auf ak­tu­elle po­li­ti­sche Themen ein – vor al­lem Rassismus und Fremdenhass. Das hast du so auch schon in der Vergangenheit ge­macht – denk­st du, im Moment ist das wich­tig wie nie? Wie sehr hat si­ch die Lage aus dei­ner Sicht ge­än­dert?

Samy Deluxe: Die bei­den Songs sind ja nicht ges­tern ent­stan­den. "Klopapier" ist von 2014, "Mimimi" von 2015. Bei der Songauswahl und ge­rade bei der Auswahl der Singles hab' ich na­tür­lich be­wusst die Songs ge­nom­men, die für mi­ch die ge­wag­tes­ten und po­la­ri­sie­rends­ten Statements be­inhal­ten. Ich fand', dass die Dinger jetzt ei­ne Dringlichkeit hat­ten. Sie sind zwar schon ent­stan­den, be­vor die Flüchtlingsthematik so rie­sig in den Medien ver­tre­ten war, aber ich fand schon, dass die Situation es er­for­dert. Es wa­ren aber auch mu­si­ka­lisch die bei­den Banger, die vor dem Album raus­kom­men soll­ten.

MZEE​.com: Findest du, es ist im Moment die Pflicht ei­nes Künstlers, si­ch zu po­si­tio­nie­ren?

Samy Deluxe: Nee, nee. Musik hat nie die Pflicht, et­was an­de­res zu tun, als den Musikern Spaß zu ma­chen. Wenn zehn Jahre lang in­halts­lose Musik raus­kommt, wird das auch ei­ne Berechtigung ha­ben. Vielleicht be­wegt dann die ei­ne star­ke Nummer, die nach zehn Jahren kommt, no­ch mehr Menschen.

MZEE​.com: Hältst du es denn für be­grü­ßens­wert, wenn si­ch mehr Menschen po­si­tio­nie­ren?

Samy Deluxe: Ich freu' mi­ch auf je­den Fall über Rapper, die hin und wie­der ih­re Zeilen für et­was an­de­res als pu­re Selbstverherrlichung und Wortspiele nut­zen. Wortspiele kann man ja auch in je­dem Themenbereich an­wen­den. Ich freu' mi­ch da sehr über Rapper wie Megaloh, MoTrip und Chefket, die gu­te Hobbyphilosophen sind. Die schrei­ben ein­fach gei­le Zeilen, in de­nen sie Dinge ver­pa­cken, die sie in ih­rem Leben auf­spü­ren. Es ist wich­tig, dass es sol­che Rapper gibt und nicht nur die gan­zen an­de­ren Spaten.

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MZEE​.com: Hast du über­haupt das Gefühl, dass si­ch die Lage in Deutschland stark ver­än­dert hat? Oder hast du Angst da­vor, dass es pas­sie­ren könn­te?

Samy Deluxe: Nee. Ich hal­te mi­ch, wie ge­sagt, zu sehr aus dem Prozess her­aus. Ich les' die "BILD" nicht und las­se mir auch nicht von ir­gend­wel­chen Statistiken Angst ma­chen. Solange ich über die Straße ge­hen kann, oh­ne dass mi­ch ir­gend­wel­che Menschen be­schimp­fen oder at­ta­ckie­ren, ma­che ich mir auch kei­ne Sorgen. Also um mi­ch per­sön­lich …

MZEE​.com: Na ja, mir per­sön­lich macht jetzt auch nicht die "BILD" Angst. Aber mi­ch be­un­ru­hi­gen zum Beispiel die Wahlerfolge der AfD. Wie ist das bei dir?

Samy Deluxe: Vielleicht bin ich zu rea­lis­tisch, um mi­ch von so et­was scho­cken zu las­sen. Es ist ja ganz klar, dass es in je­dem Land im­mer rech­tes und na­tio­na­lis­ti­sches Potenzial gibt. Und so­bald si­ch Menschen in dem Land von ir­gend­et­was be­droht füh­len und die­se Angst von ir­gend­wel­chen Parolenschwingern ge­schürt wird, dann pas­siert so et­was. Das ist schon im­mer so ge­we­sen. Auch in den 90er Jahren ha­ben schon Asylbewerberheime ge­brannt. Und wenn das Thema dann in den Medien auf­taucht, ist es wie­der so­weit. Dann gibt es wie­der Rassismus. Dann ha­ben al­le Angst. Wenn du als dun­kel­häu­ti­ger Mensch in Deutschland lebst, lern­st du zwar ir­gend­wann da­mit um­zu­ge­hen, aber hast trotz­dem nie ei­nen Tag, an dem dir nicht be­wusst ist, dass es in die­sem Land sehr vie­le Rassisten gibt. Wenn du ein wei­ßer Deutscher bist, der in sei­nem Umfeld nicht un­glaub­lich vie­le Schwarze und Türken hat, ver­gisst du das schnell. Dann gibt es Rassismus er­st, wenn es in der Zeitung steht. Du spürst Rassismus selbst, wenn du nach Afrika in den Urlaub fähr­st und der ein­zige Weiße bist. Aber das kann­st du auch nicht mit der Situation ver­glei­chen, als "Mimimi" hier zu le­ben.

MZEE​.com: Du sprichst es ge­rade schon an. Auf "Mimimi" rappst du: "Integration ist nur ei­ne Illusion". Meinst du das da­mit?

Samy Deluxe: Die Zeile ist auf je­den Fall ein dop­pel­deu­ti­ges Statement. Auf ir­gend­eine Weise ist Integration kei­ne Illusion. Sie hat ja durch­aus ge­klappt. Ich bin hier ge­bo­ren und hab' mi­ch lan­ge da­mit be­fasst, was und wer ich ei­gent­lich bin, ob ich ein Teil von dem Ding hier bin und ob ich von die­sem Land an­ge­nom­men wer­de. Und dann bli­cke ich auf ei­ne 20-​jährige Musikkarriere zu­rück und weiß, dass ich die­ses Land so­gar mit mei­nem Wortschatz und mei­nem Musik- und Sprachverständnis mit ge­prägt hab'. Auf der an­de­ren Seite … Ich hab' ein Selbstverständnis da­für, dass ich deut­sch bin, ja. Aber ich spü­re bei 99 Prozent der Leute da drau­ßen, dass sie kein sol­ches Selbstverständnis ha­ben. Deshalb ist Integration ei­ne Illusion, denn Integration funk­tio­niert nur, wenn sie von bei­den Seiten aus­geht. Es funk­tio­niert nicht, wenn Ausländer her­kom­men und sa­gen, dass sie al­le deut­schen Gepflogenheiten an­neh­men, die deut­sche Sprache viel­leicht so­gar bes­ser spre­chen als man­che Deutsche und auch bes­sere Rapper wer­den und die an­de­ren trotz­dem sa­gen: "Du bist kei­ner von uns, denn du bist dies oder je­nes".

MZEE​.com: Denkst du da­bei auch an die ak­tu­elle Flüchtlingsthematik?

Samy Deluxe: Beim Schreiben hab' ich da nicht dran ge­dacht. Die Story han­delt von mir und den Leuten, mit de­nen ich auf­ge­wach­sen bin – die, wie ge­sagt, ein kras­ses Selbstverständnis ha­ben, deut­sch zu sein, in Deutschland zu le­ben und trotz­dem mit selt­sa­men Situationen kon­fron­tiert wer­den.

MZEE​.com: Denkst du, dass si­ch das in dei­nem Leben no­ch ­mal än­dert? Oder glaub­st du, dass die­se "selt­sa­men Situationen" im­mer vor­kom­men wer­den?

Samy Deluxe: Es ist ja ei­ne Entwicklungssache. Deutschland hat ein­fach ei­ne ganz an­dere Geschichte als die USA, England, Frankreich und an­dere "Melting Pot-​Länder". Seit dem zwei­ten Weltkrieg kom­men so kle­cker­weise im­mer un­ter­schied­li­che Gruppen von Migranten. Da ka­men er­st die Gastarbeiter, dann gab es meh­rere Flüchtlingswellen. Jetzt ha­ben die gan­zen Menschen, die her­ge­kom­men sind, na­tür­lich Kinder ge­macht. Da gibt es vie­le, die "deut­sch" sind. Und an­dere, die seit 50 Jahren über­haupt nicht in­te­griert sind und si­ch auch nicht in­te­grie­ren wol­len. Da wird auch kei­ne gro­ße staat­li­che Kampagne ir­gend­was brin­gen, weil das Thema viel zu kom­plex ist. Dafür gibt es kei­ne Lösung. Man muss ein­fach se­hen, wie si­ch das ent­wi­ckelt.

MZEE​.com: Ich hab' dir no­ch ein Zitat aus dem Track "Klopapier" mit­ge­bracht: "Ich seh' am 1. Mai in St. Pauli Autos auf Straßen bren­nen – und frag' mi­ch: Warum macht ihr das nicht in Berlin vorm Parlament?" – was ge­nau soll die­se Line aus­sa­gen? Ich be­zweifle jetzt mal, dass du wirk­lich will­st, dass Menschen dort Autos ab­fa­ckeln.

Samy Deluxe: Menschen fa­ckeln ja Autos ab. Allerdings am fal­schen Ort. Genau das soll die Line aus­sa­gen. Die sol­len das lie­ber vor dem Parlament in Berlin ma­chen als im Karoviertel in Hamburg. Warum ma­chen die das denn dort, wo die Menschen nicht reich sind? Wenn die si­ch ge­gen den Staat und den omi­nö­sen, bö­sen, an­ony­men Gegner, ge­gen "die", weh­ren wol­len – dann sol­len sie doch auch zu "de­nen" ge­hen. Natürlich will ich über­haupt nicht, dass ir­gend­wer Autos an­zün­det. Ich hät­te auch sa­gen kön­nen: "Warum macht ihr das über­haupt?" Ich weiß ja, aus wel­cher Motivation her­aus so et­was ent­steht. Teilweise ist es ein­fach Aktivismus und Zerstörungswut. Aber ich fin­de, wenn die schon die­se Energie raus­las­sen wol­len, dann sol­len sie auch den be­kämp­fen, den sie be­kämp­fen wol­len. Ich glau­be, das ist ein gro­ßes Problem un­se­rer Generation. Wenn mal Energie da ist und ge­kämpft wird, dann an den fal­schen Orten und ge­gen die fal­schen Personen. Es wird nie den gro­ßen Feinden ge­scha­det, de­nen man scha­den will.

MZEE​.com: Kommen wir zu ei­nem ganz an­de­ren Thema: Du warst kürz­li­ch in der Sendung "Sing mei­nen Song – Das Tauschkonzert" von VOX im Fernsehen zu se­hen. Dort wer­den gro­ße Songs ei­nes Künstlers von sechs an­de­ren Künstlern neu in­ter­pre­tiert und vor­ge­tra­gen. Wie kam es zu die­sem Projekt, des­sen Gastgeber Xavier Naidoo ist?

Samy Deluxe: Die ha­ben im ver­gan­ge­nen Jahr an­ge­fragt, als wir ge­rade in Berlin das Fotoshooting für das Cover vom ASD-​Album hat­ten. Da kam die Anfrage von Xaviers Management … Da hab' ich erst­mal pau­schal ab­ge­sagt. Ich kann­te die Sendung auch nicht. Ein paar Wochen spä­ter hat Xavier mi­ch dann an­ge­ru­fen, um mi­ch zu über­re­den. Dann hab' ich mir die Sendung mal an­ge­guckt und ge­merkt, dass das für Deutschland ei­gent­lich ein sehr gu­tes Format ist. Man kann als Musiker li­ve per­for­men und re­la­tiv un­ge­cut­tet und un­zen­siert re­den. Man kann über sei­ne Karriere und mit an­de­ren Musikern ein­fach über Musik la­bern, was ich auch so in mei­nem Alltag ma­che. Dann hab' ich trotz­dem no­ch mal ab­ge­sagt, weil ich auf die Besetzung der ers­ten bei­den Staffeln kei­ne Lust hat­te. Das war doch zu krass für mi­ch, ir­gend­ei­nen Schlagersong zu sin­gen. Danach hat si­ch her­aus­kris­tal­li­siert, wer in der neu­en Runde da­bei sein wird. Nena hat dann ir­gend­wann zu mir ge­sagt, dass sie nur mit­macht, wenn ich auch mit­ma­che – wir ha­ben ja zu­letzt viel zu­sam­men ge­macht. Dann ha­ben wir mit den Produzenten der Sendung ei­ni­ges für uns aus­ge­han­delt, was die künst­le­ri­sche Freiheit und so wei­ter an­geht. Als ich dann wuss­te, dass die Sendung ei­gent­lich ein­fach ei­ne Plattform für mi­ch ist, auf der ich vor ein paar Millionen Leuten ma­chen kann, was ich eh je­den Tag ma­che, war ich dann da­bei. Vorher war ich von mei­nen Erfahrungen mit Privatfernsehsendern et­was trau­ma­ti­siert, weil die Sendungen dort im­mer sehr dik­tiert sind. Bei "Sing mei­nen Song" pas­siert nur das, was die Künstler da mit­ein­an­der ma­chen.

MZEE​.com: Was hat dich wäh­rend der Aufzeichnungen be­son­ders fas­zi­niert?

Samy Deluxe: Es gab vie­le sehr gei­le Momente. Das hät­te ich bei den Meilensteinen vor­hin fast auch nen­nen kön­nen … Also, klar: Das war jetzt nicht der HipHop-​Moment für mi­ch. Aber an dem Punkt, an dem ich ge­rade in mei­nem Leben ste­he, war es schon ei­ne sehr be­rei­chernde Erfahrung für mi­ch. Jetzt konn­te ich mei­ne gan­zen mu­si­ka­li­schen Ausflüge und das stän­dige Bedürfnis, et­was Neues zu ma­chen, mal an­wen­den.

MZEE​.com: Zum Abschluss wür­de ich mi­ch über ei­nen Newcomer-​Tipp von dir freu­en. Du wid­mest dich mitt­ler­weile ja auch vie­len jun­gen Künstlern, vor al­lem mit dei­nem Label "KunstWerkStadt". Bengio und Appletree ka­men zu­letzt et­was ins Rampenlicht. Welchen Newcomer hast du no­ch in der Hinterhand?

Samy Deluxe: Genau, Bengio und Appletree sind erst­mal die bei­den KunstWerkStadt-​Artists. Dazu gibt es no­ch ei­nen Homie von mir, MC Sadri, der ein­fach ein gu­ter Freund ist und eh mit uns ab­hängt. Der hat auch schon so Un­der­ground­-​mä­ßig ein paar Alben ge­macht, aber bis­her im­mer un­ab­hän­gig von un­se­rem Ding. Er hat jetzt mal ein paar Beats von mir ge­pickt und schließ­lich hab' ich sein gan­zes Album pro­du­ziert, das kommt no­ch in die­sem Jahr. Even­tu­ell kommt es auch über KunstWerkStadt her­aus. Es ist mir mu­si­ka­lisch zu gut, um es ir­gend­ei­nem Scheiß-​Label zu ge­ben. Außerdem ha­ben wir no­ch ei­ne KunstWerkStadt-​Compilation ge­plant, weil wir no­ch so vie­le Kollabo-​Songs mit mir und ir­gend­wel­chen Leuten rum­lie­gen ha­ben. Da ist viel kras­ser Kram da­bei, der ein­fach her­um­liegt. Ansonsten ha­ben Appletree und Bengio er­st mal ei­ne EP am Start – die ar­bei­ten jetzt an ih­ren Alben.

(Alexander Hollenhorst)
(Fotos von Pascal Kerouche und Universal)