Milonair – Milominati

Milonair – Milominati

Du bist kein Gangster, weil du Vollbart trägst.
Jeder weiß, dass du mit der Schmiere Kontakt pflegst.

"Ihr Hurensöhne habt es so gewollt" – so begrüßt Milonair den Hörer auf seinem neuen Release. Sein Debütalbum vor zwei Jahren erwies sich im Hinblick auf Inhalt und Style als genretypisch, konnte allerdings einzig durch den Track "Bleib mal locker, Lan" eine Art Hype generieren. Doch Straßenrap ist mittlerweile noch größer geworden. Als Künstler sollte der Hamburger jetzt also eine Schippe drauflegen, um sich von anderen Kollegen abzuheben.

Beim ersten Blick auf die Tracklist fällt sofort die Menge an Feature-Beiträgen auf. Auf sieben der 15 Albumsongs von "Milominati" sind andere Rapper vertreten. Entgegen dem sonstigen Azzlackz-Trend, zahlreiche Labelkollegen als Unterstützung auf ein Release zu holen, findet man hier interessante Überraschungen wie Karate Andi oder Kool Savas. Das erscheint zunächst einmal positiv – allerdings zeigt sich schnell, dass es dem Album nicht wirklich gut tut. So wirkt zum Beispiel Sidos Beitrag auf "Hungrig" so lustlos, dass man nahezu hören kann, wie hier Audiodateien über Dropbox ausgetauscht wurden. Andere Beiträge, beispielsweise von Manuellsen, sind wiederum so gut, dass Milonair selbst gar nicht zur Geltung kommt. Auf der zweiten Hälfte von "Milominati" zeigen sich weitere Schwächen, wobei vor allem die inhaltliche Eindimensionalität sehr auffällig wird. Milonair präsentiert Szenen von der Straße in einer unspektakulären und stereotypischen Ausdrucksweise. Den fast einzigen, dafür aber sehr positiven Ausreißer der Platte bietet "Dieses Dasein". Mit der Unterstützung von Labelchef Haftbefehl zeigt Milo hier, was möglich ist: Sehr bildlich verdeutlicht er die Vergangenheit als Migrantenkind und weiß durch seine Vortragsweise zu überzeugen. Die ausgezeichnete Wahl des "Hard Knock Life"-Samples leistet zur Wirkung des Songs ebenfalls einen großen Beitrag.

Eigentlich ist es schade, dass "Milominati" am Ende nicht wirklich überzeugt. Die fehlende Abwechslung macht es schwer, die Platte mehr als zweimal zu hören. Dies ist eher ungewöhnlich für Releases aus dem Azzlackz-Camp, da dessen Künstler eigentlich immer für Überraschungen, innovative Ideen und Hits gut sind. Nur Milonair möchte das mit seinem zweiten Soloalbum leider nicht gelingen.

(Benjamin Borowitza)

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