massiv-raubtier

Massiv – Raubtier

Wir brau­chen Männer, die si­ch wei­ter­bil­den und studier'n:
Robocop-​Maschinen, die die M-​Power inhalier'n.

Die "Blut ge­gen Blut"-Reihe des ehe­ma­li­gen Waffenfetischisten Massiv ist für ih­re über­trie­be­ne Brutalität und ein nie da­ge­we­se­nes Ausmaß an krea­ti­ven Beschimpfungen be­rüch­tigt. Für mi­ch sind die­se Alben Deutschrap-​Klassiker, denn Massiv ist ein Stereotyp: Ein zwei mal zwei Meter brei­ter Schlächter in Armeejacke mit Zahnstocher im Mund und ei­ner Kalaschnikow in der Hand. Auf den "BGB"-Veröffentlichungen hat er si­ch ein ab­ge­run­de­tes Image ge­schaf­fen, das in der Deutschrap-​Landschaft sei­nes­glei­chen sucht. Massiv ist für mi­ch so et­was wie der Held ei­nes ge­nia­len Comics, ein Bär zum Knuddeln. Mit je­dem neu­en Album aus dem Hause Al Massiva hof­fe ich, dass der Rapper sein sym­pa­thi­sch un­sym­pa­thi­sches Image wie­der auf­le­ben lässt. Leider hat si­ch Massiv seit "EMEW2" da­zu ent­schie­den, auf die für ihn ty­pi­schen, wüs­ten Beleidigungen zu ver­zich­ten. Enttäuscht mus­s­te ich fest­stel­len, dass das auch für "Raubtier" gilt.

Es sind die Männer mit ei­nem ge­fes­tig­ten Wertesystem, de­nen man ger­ne sei­nen Respekt zollt. Der Vorsatz, sein Wertesystem in Form ei­nes Albums zeit­los zu ma­chen, ist be­mer­kens­wert. "Raubtier" lässt an­hand der be­ein­dru­cken­den, trei­ben­den Beats die pas­sen­de Atmosphäre da­zu auf­kom­men. Wenigstens zu ei­nem ge­wis­sen Teil lässt Massiv auch sein Image als bra­chia­ler Kriegsnarr durch­schei­nen: Das macht si­ch in der Wortwahl deut­li­ch. Anstatt – wie no­ch auf "BGB3" – auf den Koksstein zu hau­en, "knallt" das Schleckermaul dies­mal "den Löffel in das Häagen-​Dazs". Das hat Unterhaltungswert, of­fen­bart aber auch das größ­te Problem des Albums. Denn Massiv greift teils auf Lückenfüller zu­rück, die mi­ch mit fra­gen­dem Blick zu­rück­las­sen: "Träum mal wei­ter, nie­mand schnip­pelt mir die Rübe ab. Ich häng' mit Micky Maus und lan­de auf dem Titelblatt". Besser hät­te ich es ge­fun­den, wenn si­ch die Palästina-​Kante mit Micky Maus zu­sam­men­tut und bei­de zu­sam­men wild ki­chernd mit der Kalasch um­her­bal­lern – war­um auch im­mer. Nur, da­mit wir uns rich­tig ver­ste­hen: Massiv hat mit der "BGB"-Reihe die Messlatte ein­fach ziem­li­ch hoch ge­setzt. "Raubtier" ist durch­schnitt­li­ch gut, im di­rek­ten Vergleich je­doch nur ein Schatten der vor­he­ri­gen Veröffentlichungen mit ähn­li­ch gu­ten Beats.

"Raubtier" ist so, als wür­de Al Bundy bei Oprah sit­zen. Für Al Bundy-​Fans ist das si­cher un­ter­halt­sam, aber Oprah-​Zuschauer fin­den das, was Al Bundy von si­ch gibt, nicht über­ra­gend. Es ist durch­aus un­ter­halt­sam, wenn der Waffenfetischist Massiv auf Ghetto Baba macht und auf "Wenn der Mond in mein Ghetto kracht 2" auch mal sei­ne zar­te Seite zeigt. Massiv–Anhänger mö­gen das Album, der ge­mei­ne Rap-​Fan stuft die Veröffentlichung aber eher in der Mittelklasse ein. Ich per­sön­li­ch hof­fe im nächs­ten Jahr auf "BGB4" – und kau­fe mir dann auch drei Mal die Premium-​Box, ver­spro­chen.

(von un­se­rem frei­en Mitarbeiter Simon Schütze)

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