Ufo361 – Ich bin ein Berliner

Gewöhnt euch mal dran, denn so werd' ich jetzt kling' ...

Zugegebenermaßen ist es nicht gerade eine kreative Glanzleistung, genau jetzt auf der Trap-Welle mitzureiten. Aber so manch einem steht dieser Sound eben doch gut zu Gesicht. Das beste Beispiel hierfür ist Ufo361, der nach seinem durchwachsenen Solodebüt und der Auflösung von Hoodrich nun den kreativen Neubeginn anstrebt. Sein aktuelles Mixtape "Ich bin ein Berliner" gibt die Marschrichtung deutlich vor.

Das 80er-Jahre-Soundgewand des Vorgängers weicht wummernden Trap-Bangern. Die tiefen Bässe bilden einen gelungenen Kontrast zu Ufos hoher Stimme und seiner gehetzten Vortragsweise. Ein Gespür für wirkungsvolle Instrumentals oder technisch versierte Strophen war jedoch noch nie das Problem des Kreuzbergers. Sein neuer Wurf hat, wie bereits das Album "Ihr seid nicht allein", vor allem inhaltliche Schwächen. Selbst in dem Wissen, dass es bei Trap nicht um lyrische Tiefe geht, fehlt manchen Zeilen des Berliners schlichtweg die nötige Würze. Passend zur musikalischen Ausrichtung dürfen selbstverständlich auch gesungene Autotune-Einlagen nicht fehlen. So nuschelt auch Ufo361 die ein oder andere Zeile in bester Future-Manier. Da sein aufgekratztes Organ nach einer Weile durchaus anstrengend werden kann, versprechen die hochkarätigen Featuregäste willkommene Abwechslung. Während das Frankfurter Dream-Team Celo & Abdi dem Beat von SOTT nur bedingt gewachsen ist, weiß vor allem Bonez MC von der 187 Strassenbande auf "Bleib auf dem Teppich" mit seinem Geprolle zu begeistern.

All die kleinen Makel und auch der redundante "Ich bin ein Berliner"-Remix, der durch die unmotiviert wirkenden Gastbeiträge nicht gerade aufgewertet wird, trüben das eigentlich positive Gesamtbild dann doch merklich. Insgesamt passt die musikalische Neuausrichtung jedoch gut zu Ufo und lässt auf weitere interessante Veröffentlichungen des Berliners hoffen.

(Christian Weins)

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