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Timeless

Rund drei Jahre sind vergangen, seitdem Timeless mit "00:00" sein Freunde von Niemand-Debüt feierte. Nun steht der Nachfolger "Antiheld" im Handel. Ein Album ohne große Experimente, das zeigen soll, wie Timeless wirklich klingen will. Für uns blickt der Rapper mit sizilianischen Wurzeln zurück auf sein letztes Album, die Zeit danach sowie private Probleme und die Entstehungsphase seiner neuen Platte. Darüber hinaus kommen politische Themen wie die Flüchtlingskrise und aktuelle Wahlergebnisse sowie Authentizität im deutschen Rap zur Sprache.

MZEE.com: Zu Beginn des Interviews würden wir gerne über dein letztes Album "00:00" sprechen. Die Reaktionen darauf waren recht positiv, du warst allerdings selber nicht so ganz zufrieden. Woran lag das und wie blickst du heute darauf zurück?

Timeless: Es stimmt, ich war ein bisschen unzufrieden mit der Schaffensphase des Albums. Ich hab' mir von ein paar Leuten um mich rum ein bisschen zu viel reinreden lassen und war dann im Endeffekt böse auf mich selbst. Heute würde ich sagen, dass das Album eine "Probierphase" für mich war. Bis auf ein paar Totalausfälle finde ich es gar nicht mal so schlimm. Ich spiele manche Songs auch heute noch live und die Leute feiern das. Für meine Verhältnisse war es eigentlich sehr erfolgreich und ist gut angekommen. Auf Platz 31 gechartet und 5 000 CDs verkauft. Ich kann sehr zufrieden sein ...

MZEE.com: Was war denn der größte "Totalausfall"?

Timeless: Ein Totalausfall war für mich ohne Frage diese "Vergiss-deinen-Exfreund-Geschichte". Das würde ich so heute nicht mehr machen. Dabei geht es mir um das Gesamtbild. Sei es der Inhalt oder der Beat – das ist jetzt alles nicht mehr feierbar.

MZEE.com: Hast du daraus deine Lehren gezogen und konntest sie in Bezug auf dein neues Album "Antiheld" nun anwenden?

Timeless: Absolut. Dieses Mal habe ich kompromisslos alles so gemacht, wie ich es möchte und wie ich klingen will und das konsequent durchgezogen. Ohne große Experimente.

MZEE.com: Warum hat sich die Entstehung der Platte so lange gezogen?

Timeless: In den letzten zwei, drei Jahren ist bei mir privat sehr viel passiert. Ich hab' zwar viel Musik gemacht, für das neue Album um die 60 Songs ...

MZEE.com: (unterbricht) 60 Songs?! Was hast du denn mit den anderen gemacht?

Timeless: (lacht) Die sind auf meiner Festplatte. Das ist im Endeffekt auch viel halbgares Zeug, teilweise sind es nur Skizzen. Aber ich werde auf jeden Fall mal gucken, wie ich die verwerte. Vielleicht gibt es in ein paar Jahren ein "Lost Tapes"-Projekt oder so. (grinst)

MZEE.com: Kommen wir noch mal auf den Schaffensprozess zurück. Wer war denn alles in die Entstehung des Albums involviert? Und bist du dieses Mal zu 100 Prozent zufrieden mit dem Ergebnis?

Timeless: Ich bin übertrieben zufrieden – ich sag' auch im Intro, dass es genau das Album ist, das ich machen wollte. Eigentlich bin ich da ganz alleine rangegangen. Ich hab' hier und da Sessions gemacht – zum Beispiel war ich bei Joshimixu in Essen, da sind Songs entstanden. Und in unserem Studio in Altenstadt sind auch viele Songs entstanden. Ich hab' mir mit den Jungs ein paar Flaschen gekauft, wir haben uns Beats angehört und dann einfach Musik gemacht – ohne große Vorarbeitszeit oder riesen Planung.

MZEE.com: Es gibt ja unterschiedliche Herangehensweisen, einen Track zu schreiben. Ich hab' gestern Abend die Haftbefehl-Doku gesehen und da meinte er, dass er einen seiner größten Hits in 15 Minuten geschrieben hat. Wie machst du das? Bist du jemand, der sich auch mal wochenlang alleine an einen einzigen Track setzt?

Timeless: Ich mach' das eher wie der Hafti. (lacht) Bei mir ist das echt so ähnlich. Ich hör' den Beat, dann brauch' ich meistens für zwei Parts ein bis zwei Stunden, geh' danach in die Booth und nehm' das auf. Dadurch, dass in den letzten Jahren bei mir so viel passiert ist, weiß ich meistens schon, über welches Thema ich schreibe, sobald ich den Beat höre.

MZEE.com: Wie alt ist denn der älteste und wie alt der jüngste auf "Antiheld" zu findende Track?

Timeless: Der älteste Song ist zwei Jahre alt. Der jüngste entstand kurz vorm Master. Ende Januar. Also ist er zwei Monate alt.

MZEE.com: Findest du, dass eine Entwicklung auf dem Album wahrzunehmen ist, wenn man genau hinhört?

Timeless: Minimal. Ich denke, qualitativ gibt es da keinen großen Unterschied. Aber wenn man sich mit meiner Musik beschäftigt, kann man raushören, welcher Song etwas älter und welcher ein bisschen frischer ist.

MZEE.com: Hättest du das Album inhaltlich gesehen auch schon vor ein paar Jahren veröffentlichen können?

Timeless: Nee, die Zeit hab' ich auch auf jeden Fall gebraucht. Das Album wäre so, wie es jetzt ist, vor ein paar Jahren auf keinen Fall entstanden. Ich hätte bestimmt auch schon vor ein, zwei Jahren ein gutes Album rausbringen können. Aber es wäre niemals das geworden, was es jetzt ist. Und da bin ich schon krass stolz drauf. Ich war damals mitten in dieser "Mir-geht-es-scheiße-Phase" und hätte bestimmt ein paar verrücktere Songs gemacht. Damals war ich auch noch krass auf diversen Substanzen, da bin ich mittlerweile raus. Und ich kann das Ganze ein bisschen differenzierter erzählen.

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MZEE.com: Früher hast du in Köln gewohnt, vor ein paar Monaten bist du nach Offenbach – mehr in die Nähe der anderen FvN-Künstler – gezogen. Hast du das Gefühl, dass sie großen Einfluss auf dein Album hatten?

Timeless: Es gab tatsächlich schon Sessions in unserem Studio in Altenstadt (Nähe Frankfurt, Anm. d. Red.), als ich noch in Köln gewohnt hab'. Da hab' ich immer irgendwo gepennt und Zwei-Wochen-Sessions mit den Jungs gemacht. Und die anderen hatten automatisch Einfluss auf das Album, ja. Wir sind seit fünf Jahren zusammen unterwegs und ich denke, da beeinflusst man sich auf jeden Fall unbewusst. Man guckt sich gegenseitig ein paar Sachen ab, man teilt irgendwann auch denselben Humor. Nicht, dass das jetzt so wirkt, als würde ich das schlimm finden – das ist auf jeden Fall geil.

MZEE.com: Als du gesignt wurdest, kanntest du die restlichen FvN-Künstler ja kaum. Ist das Label eine Art Freundeskreis für dich geworden?

Timeless: Auf jeden Fall. Das merkt man auch immer wieder auf Tour. Selbst, wenn man sich drei, vier Monate nicht sieht – wenn man wieder auf Tour ist, ist alles geil. Klassenfahrt-Atmosphäre. Jeder versteht sich, wir sind ein krasses Team.

MZEE.com: Glaubst du, du machst das noch, wenn du 40 bist?

Timeless: (verwirrt) Wie? Rap?

MZEE.com: Nee, solche Klassenfahrt-mäßigen Touren mit Labelkollegen, die dann schon 50, 60 sind.

Timeless: (lacht) Ich kann dir das nicht sagen. Ich glaube schon, dass ich noch musiktechnisch unterwegs bin. Wahrscheinlich bin ich dann aber um halb eins im Hotelzimmer anstatt um sechs.

MZEE.com: Kommen wir noch mal auf dein Album zu sprechen. Der "Antiheld"-Schriftzug deines Covers ist dem des gleichnamigen Modelabels entliehen – welche Verbindungen bestehen zwischen deiner Musik und dieser Marke?

Timeless: Das ist eine engere Verbindung, als viele Außenstehende vielleicht mitbekommen. Der CEO der Marke ist ein langjähriger Freund von mir. Er hat mich damals schon mit 15 in seinem Kinderzimmer aufgenommen. Er hatte Studioequipment und wir haben unsere Tapes bei ihm gemacht. Irgendwann hat er dann etwas mit Design studiert und sich der Mode gewidmet. Kurz bevor "Antiheld" an den Start gekommen ist, haben wir in einem Kurort in Hessen Urlaub gemacht und im Hotelzimmer überlegt, wie die Marke heißen könnte. Er hatte die ganze Zeit den Namen "Antiheld" im Hinterkopf und ich hab' ihn in seiner Idee bestätigt. Somit war ich von Anfang an dabei, wie das alles groß geworden ist. Ich hab' ihm auch die ersten Kontakte zu RAF geklärt, der seine Klamotten dann getragen hat. Und dann hat er sich etwas auf andere Bereiche mit YouTubern und so ausgeweitet. Er hat sein Ding gemacht, worauf ich sehr stolz bin. Irgendwann haben wir dann darüber geredet, dass ich mein Album gerne "Antiheld" nennen und das Ganze als eine Art Movement verbinden würde. Das haben wir nun genauso gemacht. Von ihm kommen auch die Designs für mein ganzes Merch jetzt.

MZEE.com: Kommen wir noch mal auf die 60 Tracks zurück, die du für das Album aufgenommen hast. Du veröffentlichst nicht nur ein Album mit 15 Tracks, sondern auch noch fünf weitere Songs auf einer EP. Wie kommt es zu einem so großen Output und wie lässt sich das Ganze thematisch eingrenzen?

Timeless: Generell bin ich jemand, der unfassbar viel schreibt. Im Studio kann ich richtig Gas geben. Wenn man mich drei Tage einschließt, kann es vorkommen, dass zehn bis zwölf Songs entstehen. Ich war mit V und Bosca auch eine Woche lang in Bayern in einer Hütte. Da hab' ich zehn Songs aufgenommen und fünfzehn geschrieben. Thematisch lässt sich das Ganze auf die Geschehnisse der letzten zwei, drei Jahre eingrenzen. Es geht um das, was ich und meine Jungs in der Zeit so gemacht haben. Sachen wie ... ganz viel trinken ... (alle lachen) Es geht auch um unschöne Sachen – um Trennungen –, aber auch um schönere Sachen wie Frauen. Ich kann das alles gar nicht unter einen Hut bringen. Das ist schon sehr vielseitig.

MZEE.com: Und wer sucht am Ende die besten 15 Tracks aus den 60 aus? Machst du das alleine?

Timeless: Nee, da gab's auch viele Diskussionen, weil ich meine Songs als Künstler ehrlich gesagt nicht besonders objektiv bewerten kann. Ich finde dann Sachen übertrieben geil, die vielleicht gar nicht so geil sind. Und dann finde ich manchmal auch Sachen scheiße, die eigentlich richtig gut sind. Dann muss manchmal ein Vega kommen und sagen: "Junge, hör dir das bitte noch mal ganz genau an. Und dann reden wir noch mal". Er hatte damit auch oft recht. Manchmal gab es Sachen, die ich richtig geil fand und bei denen er gesagt hat: "Das ist jetzt wirklich nicht so geil". Und zwei Wochen später fand ich das dann leider auch. (lacht) Aber an sich entscheide ich das schon zu 90 Prozent und dazu fließt dann noch die Meinung des Labels mit ein.

MZEE.com: Welcher Song wäre denn von "Antiheld" geflogen, wenn es kein Veto gegeben hätte?

Timeless: "Doktor", die erste Single. Die wollte ich auf die Bonus-EP packen. Ich bin immer relativ schnell von Battlerap-Songs gelangweilt. Aber an sich ist sie ja gut angekommen und ist auch ein Brett.

MZEE.com: Ich habe in dein neues Album reingehört und meine, eine gewisse Aggressivität gespürt zu haben. Woran liegt das?

Timeless: An der Wut auf mich selbst und an dem Frust, der sich angestaut hat. Darauf, dass ich die letzten drei, vier Jahre krass geschlafen und viel Scheiße gebaut hab', mich viel mit Dingen beschäftigt hab', die aufhalten und nicht weiterbringen. Und das musste irgendwie raus. Ich wollte beweisen, dass ich einer der Besten bin und habe deswegen dann auch mal Gas gegeben.

MZEE.com: Verdienst du eigentlich mit Rap dein Geld oder hast du einen Beruf?

Timeless: Ich hab' einen Beruf – ich arbeite in der Gastronomie ... Ich verdiene mit Rap nicht so viel Geld.

MZEE.com: Kommen wir auf ein ganz anderes Thema zu sprechen. Wir würden gerne ein wenig mit dir über die politische Lage in Deutschland sprechen und erfahren, inwieweit du dich damit beschäftigst. Zum Beispiel, wie du die Ereignisse und Folgen der Silvesternacht mitbekommen hast und die Geschehnisse der letzten Zeit bewertest.

Timeless: Was Köln angeht, war ich erst mal darüber geschockt, dass das quasi vor meiner Haustür passiert ist und ich nichts davon mitbekommen hab'. Meine Jungs haben mir davon berichtet. Sie meinten, dass es einen kleinen Ausnahmezustand gab. Ich hab' mir dann natürlich Sorgen gemacht, weil meine Mutter noch in Köln wohnt. Wie das Ganze passiert ist? Dazu kann ich nichts sagen, ich war nicht dabei. Es sind irgendwelche Mobs aufgelaufen und natürlich gibt es überall schwarze Schafe. Das aber zu pauschalisieren, wie manche Medien es machen, ist schon krass ekelhaft. Dass die Flüchtlinge böse sind und nur Schlechtes hier in Deutschland vorhaben – das zu sagen, ist auf jeden Fall nicht der richtige Weg. Ich finde generell auch, dass man nicht alle über einen Kamm scheren sollte. Es ist auf jeden Fall ein schweres Thema, das mich natürlich auch beschäftigt. Aber ich bin nicht der überpolitische Mensch, muss ich ehrlich sagen.

MZEE.com: Hast du denn die Wahlen vor ein paar Wochen verfolgt?

Timeless: Ja. Und ich war ein bisschen erschrocken, was die Ergebnisse angeht. Das Problem ist halt, dass die Leute Angst haben. Dass sie um 22 Uhr Spiegel TV gucken und sich Angst machen lassen, weil da irgendwelche Kriminellen sitzen, die wie Flüchtlinge aussehen. Und dann denken sie: "Fuck, die nehmen unsere Steuergelder und bauen dann Scheiße damit".

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MZEE.com: Ohne darüber informiert zu sein, dass hier niemand einfach so Geld bekommt ... Ich erinnere mich an ein Video von dir und Splinta, in dem ihr Sachen gesammelt und bei der Flüchtlingshilfe abgegeben habt. Was habt ihr genau gemacht und hast du Pläne, in Zukunft noch mehr in dieser Richtung zu tun?

Timeless: Ich war 'ne Weile ziemlich abgefuckt von diesen Facebook-Hetz-Kommentaren, diesen ekelhaften "Ich bin kein Nazi, aber ..." -Nationalstolz-Facebookseiten. Da dachte ich mir: Bevor man sich mit diesen Leuten im Internet beschäftigt und denen auch noch Argumente liefert, weiter Kontra zu geben, sollte man einfach die Fresse halten und seinen Beitrag zur Verbesserung dieser Situation leisten. Nimm zehn Euro, verzichte einen Tag auf deine Tiefkühlpizza und deine Kippen, hol Kosmetikartikel oder sonst was und gib es bei der öffentlichen Flüchtlingshilfe ab. Damit hast du deinen Beitrag geleistet. Das finde ich wichtig. Du musst nicht drei Millionen Euro spenden, um etwas zu bewegen. Und das wollte ich eben zeigen, mit diesem kleinen, unwichtigen Video, das die HipHop-Medien alle ignoriert haben. (lacht) Mach einfach. Leiste einfach deinen Beitrag. Hör auf, diese Leute im Internet anzustacheln und mach sie einfach mundtot. Ignorieren ist immer besser, als so jemandem auch noch eine Plattform zu geben.

MZEE.com: Ist es dir wichtig, deine politische Einstellung nach außen zu tragen? Wäre es für dich denkbar, in Songs oder auf einem Album politisch zu werden?

Timeless: Das kommt bestimmt, das kann ich nicht ausschließen. Aber im Moment hab' ich andere Sachen im Kopf. Meine Musik findet gerade auf keiner gesellschaftskritischen Ebene statt, sondern beschäftigt sich viel mit meinen Emotionen und Gedanken. Ich glaube, dass ich noch nicht so weit bin, mich mit dem aktuellen Weltbild auseinanderzusetzen und den Che Guevara zu machen.

MZEE.com: Würde es denn etwas bringen, wenn einige der bekannten Rapper, die wir aktuell in Deutschland haben, sich dazu öffentlich äußern würden?

Timeless: Klar. Aber das machen manche ja. Zum Beispiel äußern sich Kollegah und Savas dazu und geben ihre Meinung ab. Natürlich haben wir Rapper als Sprachrohr der Jugend auch eine gewisse Verantwortung. Ich glaube, die Hauptaufgabe liegt dann aber doch eher bei den Eltern und dem näheren Umfeld der Kids. Ich denke nicht, dass Rapper da die Welt verändern könnten. Und man kann auch niemanden zwingen, sich dazu zu äußern. Wenn du es machen willst, dann mach's, aber du bist auch kein schlechter Mensch, wenn du's nicht machst.

MZEE.com: Wir haben dir ein Zitat aus deinem neuen Track "Abiball" mitgebracht: "... du bist privat versichert, du hast die Abendlichter im Urlaub genossen, als ich wegen Schulden mit 20 im Strafgericht saß". Kann man bei deiner Musik immer davon ausgehen, dass sie komplett authentisch ist?

Timeless: Ich glaub', das kann man schon gut differenzieren. Wenn ich in einem Song darüber rappe, dass ich Selena Gomez mit einer Freddy Krüger-Kralle finger', dann ist es nicht real. (lacht) Aber wenn ich deepe Sachen wie diese Schulden-Thematik behandel', dann kannst du davon ausgehen, dass es passiert ist ...

MZEE.com: Vor Kurzem gab es ein Fler-Interview, in dem er gesagt hat, dass ein Rapper das, was er rappt, auch erlebt haben müsse. Wie stehst du zu diesem Thema? Findest du, dass Authentizität für Rapper und guten Rap Voraussetzung ist?

Timeless: Ich sag' mal so: Ich hab' mir das Fler-Interview natürlich angeguckt und gut gelacht, aber ich kann schon verstehen, was er sagt. Und ich finde es nicht scheiße, wie Kollegah das jetzt macht. Er trägt diese Kunstfigur nach außen und das ist vollkommen okay. Aber als Raphörer kann ich mir Kollegah persönlich nicht geben. Ich kann mir das anhören, wenn es um gute Punchlines geht. Ich hör' mir das "Zuhältertape" viermal durch, hab' gut gelacht – und dann leg' ich's weg. Das Album wird mich nicht begleiten. Es gibt mir keine Gänsehaut-Momente, es lässt mich nicht nachdenken ... für mich erfüllt es nicht die Aufgabe, die Musik eigentlich erfüllen soll. Authentizität spielt für mich in der Musik auf jeden Fall eine große Rolle. Und ich versteh' in dem Sinne schon, was Fler meint und geb' ihm da in ein paar Punkten auch recht. Aber so, wie er sich daran aufhängt, würde ich das nie machen. Da würde ich drauf scheißen.

MZEE.com: Hörst du viel deutschen Rap?

Timeless: Leider nicht. Ich höre viel Musik, aber keinen deutschen Rap. Das ist vermutlich die Standard-Aussage des Jahrtausends, aber: Mich langweilt deutscher HipHop. Ich finde vieles gut, aber ich kann es mir nicht auf Dauer reinziehen. Keine Ahnung, wieso. Ich höre mehr amerikanischen Rap und ältere Sachen. Ich krame immer wieder deutschen Rap aus meiner Zeit raus und höre den dann wieder eine Weile: Azad – Der Bozz, Savas – Die besten Tage sind gezählt … sowas höre ich sehr gerne. Und aktuelle Sachen hör' ich mir alle kurz an. Einfach, um Bescheid zu wissen. Das Manuellsen-Album fand ich zum Beispiel sehr gut und die Montez- und Xatar-Alben auch.

MZEE.com: Denkst du, dass Authentizität und gute Verkaufszahlen in direkter Verbindung stehen? Wenn ja, inwiefern?

Timeless: Nee, find' ich gar nicht. In erster Linie zählt das Produkt und wie gut es ist. Und wenn ich "Produkt" sage, dann meine ich nicht die Musik, sondern das Gesamtprodukt. Ein perfektes Beispiel hierfür ist Farid Bang. Ich finde, das hat wenig mit Authentizität an sich zu tun – aber es verkauft sich trotzdem sehr gut.

MZEE.com: Kommen wir noch mal auf das Thema "Antihelden" zurück und die damit einhergehende Serien- und Filmthematik. In unserem letzten Interview 2012 durftest du uns einen Film- und einen Serientipp geben. Damals hast du uns "Entourage" und einen Film namens "Dead Silence" empfohlen. Zum Abschluss wäre es schön, wenn du unseren Lesern einen neuen Film und eine neue Serie empfehlen könntest, die dich seit 2012 besonders beeindruckt haben.

Timeless: Ein Film: "Prinzessin Mononoke". Das ist ein unglaublich krasser Film. Ein Meisterwerk aus den Ghibli Studios – das ist das japanische Pendant zu Disney. Die haben jetzt leider aufgehört, Filme zu machen. Den Film sollte sich aber auf jeden Fall jeder angucken. Und Serie ... "Dragon Ball" wäre jetzt die Standard-Aussage, die jeder erwartet. Aber nein. Guckt euch mal "Death Note" an, das ist auch krass. Sollte man definitiv gesehen haben.

MZEE.com: Alles klar. Falls für dich noch irgendwas im Raum steht, darfst du es sehr gerne jetzt loswerden.

Timeless: Am 08.04. kommt "Antiheld". Ich danke euch für das Interview.

(Florence Bader & Fabian Thomas)