T der Bär – Bienenwolf

Ver­schlüs­sel' mei­ne Bot­schaf­ten.
Halt' damit Idio­ten fern, die das eh nie raf­fen.

Der Lebens­lauf des Tau­send­sas­sas Tim San­der ist alles ande­re als lang­wei­lig: Ange­fan­gen bei sei­nem Durch­bruch in der Soap "GZSZ" um die Jahr­tau­send­wen­de, kann er inzwi­schen auf vie­le Jah­re Film- und Fern­seh­er­fah­rung zurück­bli­cken. Außer­dem hat er neben­bei eine Indie-​Pop-​Band ins Leben geru­fen, bei der er den Sän­ger gibt. Und unter dem Pseud­onym T der Bär pro­biert er sich nun auch als Rap­per. Pas­send zum Künst­ler­na­men ziert ein star­ker Bart­wuchs sein Gesicht – mit dem unschul­di­gen "Kai vom Kor­ner" bringt man den Ber­li­ner daher nicht mehr wirk­lich in Ver­bin­dung. Doch kann er mit sei­ner Musik in die­ser Bran­che Fuß fas­sen?

Vor­ge­nom­men hat er sich auf jeden Fall so eini­ges, denn auf "Bie­nen­wolf" ist T der Bär nicht nur für den Rap, son­dern auch die kom­plet­te Pro­duk­ti­on ver­ant­wort­lich. Bereits durch die Beats wird klar, dass sein Debüt­al­bum ganz anders als gewöhn­li­che HipHop-​Releases klingt. Hier tref­fen wabern­de, hef­ti­ge Bass­li­nes auf ein­präg­sa­me Vocal-​Samples, Flö­ten­tö­ne und völ­lig ver­zerr­te Synthie-​Melodien. Einen der­art abs­trak­ten Sound hört man nur sel­ten, aber eine bes­se­re Kulis­se kann man sich kaum vor­stel­len für die hei­se­re, raue Stim­me von Tim San­der. Mit eben­die­ser flowt er äußerst varia­bel über die Beats – mal schnell und aggres­siv, dann wie­der lang­sam und mit ver­stell­ter Stim­me. Auf Songs wie "Prä­rie" singt er sogar ver­blüf­fend sanf­te Hooks. Bei solch einem Sound­bild ver­schwim­men die Gren­zen zwi­schen Elec­tro, Hip­Hop und Indie-​Rock stel­len­wei­se kom­plett. Klingt zwar gewöh­nungs­be­dürf­tig, aber auch erfri­schend anders. Die­se "Außen­sei­ter­po­si­ti­on" erlaubt ihm außer­dem auch, nicht nur über den all­täg­li­chen "Kampf" mit sich selbst zu rap­pen, son­dern eben­so pro­blem­los über die HipHop-​Szene und ihre Kli­schees auf Tracks wie "Hulk in der Lun­ge" her­zu­zie­hen. Das Anpran­gern von Zweck­rei­men durch amüsant-​selbstironisches Ein­set­zen von eben­sol­chen ist nur ein Bei­spiel dafür, wie der Ber­li­ner ande­re Musi­ker ein wenig vor­führt. Ganz ähn­lich dem Stil von Fea­ture­gast Man­fred Groo­ve. Nur dass T der Bär text­lich gern mal durch anschei­nend zusam­men­hang­lo­se Lines abs­trakt wird – wie bei­spiels­wei­se auf "Bär aufm Schoss". Sowas irri­tiert inhalt­lich zwar sehr, aber immer­hin wird es ein­gän­gig vor­ge­tra­gen und ist eher die Aus­nah­me wäh­rend der 47 Minu­ten dau­ern­den Spiel­zeit.

Selbst wenn Tim San­der sagt, "… du kannst wei­ter­pen­nen, ich werd' mich nie­mals Rap­per nen­nen …", so kann er das eigent­lich durch­aus tun. Manch ein Reim mag sim­pel sein und der ein oder ande­re Beat stark D'n'B-lastig, aber vom Gesamt­bild her bedient der Schau­spie­ler eine eige­ne Nische im HipHop-​Kosmos. Das und die stel­len­wei­se kom­ple­xen Tex­te machen die Musik sicher für so man­chen Hörer schwer zugäng­lich. Doch dazu kann man abschlie­ßend nur Fol­gen­des zitie­ren: "Die­se Mucke ist nichts für dich. Das liegt dar­an: Die­se Mucke ist nicht für dich".

(Lukas Päck­ert)

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(Ama­zon mp3)

iTu­nes: T der Bär – Bie­nen­wolf

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