Onkel & dEnk – Pellagra

Wer­fe mor­gen mor­gens, mit­tags, abends 'ne Tablet­te Endor­phin.
Und es wird bald bes­ser sein – kannst du ver­ges­sen.

"Pel­la­gra" beschreibt unter ande­rem eine Krank­heit, die durch den Man­gel an Nico­tin­säu­re her­vor­ge­ru­fen wird. Sie tritt bei­spiels­wei­se bei sehr mais­las­ti­ger Ernäh­rung auf und kann zu Demenz füh­ren. "Pel­la­gra" ist aber auch der Titel des neu­es­ten Relea­ses aus dem Hau­se 2 Zim­mer Gefü­ge. Wobei sich natür­lich fol­gen­de Fra­ge stellt: War­um benen­nen Bains aka Onkel und dEnk ihr ers­tes Kollabo-​Album aus­ge­rech­net nach einer Krank­heit?

Viel­leicht haben sich die bei­den MCs, wie im Pres­se­text ver­merkt, tat­säch­lich auf den Weg gemacht, den Erre­ger einer Seu­che zu fin­den, die vor­läu­fig "Pel­la­gra" genannt wird. Auf die­ser Suche begin­nen sie ihre Umge­bung zu ana­ly­sie­ren, zu kri­ti­sie­ren und uns so teil­ha­ben zu las­sen an ihrer Sicht auf die Welt. Stück für Stück neh­men sie alles aus­ein­an­der: Den "media­len Zir­kus" (dEnk auf "Fla­schen­put­tel"), die aktu­el­le poli­ti­sche Füh­rung auf "Chro­no­me­ter" und mit Unter­stüt­zung der BAF-Jungs auch fik­ti­ve Batt­le­geg­ner. Ja, Onkel und dEnk wis­sen mit Wor­ten umzu­ge­hen und wei­sen mal durch­dacht, mal pro­vo­kant plump, aber immer stil­si­cher auf gesell­schaft­li­che Pro­ble­me hin. Doch auch die ande­ren 2ZG-Mit­glie­der, von denen sich auf "Pel­la­gra" eini­ge für den obli­ga­to­ri­schen Pos­se­track ein­fin­den, rap­pen durch­aus fres­he Parts. Hier hat jeder sei­nen ganz eige­nen Stil gefun­den – sei es Onkels rotzig-​raue Stim­me oder der schnel­le Flow von Drum­tom­ski: Die Saar­brü­cker wis­sen durch­aus zu über­zeu­gen. Das gilt auch für die Beats, die ent­we­der von dEnk selbst oder ande­ren Pro­du­zen­ten aus dem 2ZG-Dunst­kreis bei­ge­steu­ert wur­den. Blazz­co oder auch Tor­ti Tortsen wis­sen genau­so wie dEnk sehr gut, wel­che Jazz-​lastigen Sam­ples mit den ent­spre­chen­den knal­li­gen Drums zusam­men­pas­sen. Bei dem fein gewo­be­nen Klang­tep­pich kann es mit­un­ter schnell pas­sie­ren, dass der Hörer fast ver­gisst, wie ernst die Tex­te der bei­den MCs doch meist sind – bevor Bains' druck­vol­le Stim­me einen glück­li­cher­wei­se rasch wie­der aus der Tran­ce weckt.

Es ist dann auch bei­na­he egal, ob die bei­den auf ihrer Rei­se die Ursa­che der Seu­che gefun­den haben oder sogar selbst die Krank­heit für man­che sein könn­ten. Lässt man sich näm­lich von der sanf­ten Stim­me dEnks und dem rau­en Rap­stil des Onkels ein­mal in den Bann zie­hen, ist man schnell infi­ziert von der Musik auf "Pel­la­gra". Ein klas­si­sches Release der Saar­brü­cker Crew eben – roug­her Rap auf jazzig-​souligen Beats. Für die einen wird das auf Dau­er viel­leicht etwas ein­tö­nig, aber für ande­re wird auch die­se Plat­te aus dem 2 Zim­mer Gefü­ge wie­der Untergrund-​Sound vom Feins­ten sein.

(Lukas Päck­ert)

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