Jixspunk – Nuklearer Winterschlaf

Heu­te Unter­grund – mor­gen über den Din­gen.

Als "nuklea­ren Win­ter" bezeich­net man den star­ken Tem­pe­ra­tur­ab­fall der Erd­at­mo­sphä­re, her­vor­ge­ru­fen durch die Ver­dun­ke­lung des Pla­ne­ten als Fol­ge von Kern­waf­fen­ex­plo­sio­nen. Ein End­zeit­sze­na­rio, wel­ches uns in einer ver­strahl­ten Welt zurück­lässt, die dazu ein­lädt, sich in einen Bun­ker zurück­zu­zie­hen und die­sen so schnell nicht wie­der zu ver­las­sen. Wäh­rend alle ande­ren jedoch unter­ir­disch dar­auf war­ten, dass die Erd­ober­flä­che etwas von ihrer Unwirt­lich­keit ver­liert, ist es genau die­ser "nuklea­re Win­ter­schlaf", der Jixs­punk aus dem Unter­grund lockt.

Allein und unge­stört kann sich der Rap­per näm­lich am bes­ten ent­fal­ten und offe­riert dem nicht mehr vor­han­de­nen Publi­kum gleich 17 Musik­stü­cke. Auf die­sen erzählt er von Gedan­ken und Gefüh­len, von Freu­de und Angst und allem, was dazwi­schen­liegt. Inhalt­lich prall gefüllt, behan­delt das Album Kri­tik an der Wand­lung erfolg­rei­cher Künst­ler ("Fun­ky"), die Tei­lung der Welt in drei Ele­men­te ("Geld oder Lie­be oder Angst"), sor­gen­freie Tage ("Som­mer in der Stadt") und das Leben zwi­schen Salon­ko­mö­die und "Eraserhead"-Anspielungen ("Ernst Lub­itsch"). Die stel­len­wei­se doch recht eige­nen Flowva­ria­tio­nen, die vom Rap­pen und Spre­chen bis hin zum Gesang so ziem­lich alles beinhal­ten, sind dabei eben­so viel­fäl­tig und teils gewöh­nungs­be­dürf­tig wie die Beats. Futu­ris­ti­sche Syn­thie­ge­flech­te erge­ben gemein­sam mit ein­zel­nen ana­lo­gen Klang­stü­cken und einem Hauch von Pop-​Romantik ein glei­cher­ma­ßen unge­wohn­tes wie ein­gän­gi­ges Sound­bild. Jixs­punks teils ama­teur­haft wir­ken­de Art ver­leiht dem Werk einen ganz eige­nen, unge­wohn­ten Charme, der, gepaart mit einem all­ge­gen­wär­ti­gen End­zeit­ge­fühl, "Nuklea­rer Win­ter­schlaf" her­vor­ra­gend abrun­det.

Jixs­punks kos­ten­los erhält­li­ches Debüt mag tech­nisch kei­ne Offen­ba­rung sein, ist in sei­ner Gesamt­heit jedoch ein sti­lis­tisch wie inhalt­lich gelun­ge­nes Werk, das die Balan­ce zwi­schen Viel­schich­tig­keit und Ein­heit­lich­keit wun­der­bar hält. Wer sich am Ende des nuklea­ren Win­ters wie­der an die Ober­flä­che wagt, soll­te dem Album in jedem Fall eine Chan­ce geben.

(Dani­el Fersch)