Disarstar-Sturm-und-Drang

Disarstar – Sturm und Drang

An Wandel ist sowieso nicht zu denken ...
Wenn wir statt der Krankheit nur Symptome bekämpfen.

Disarstar ist nicht gerade das, was man als unbeschwerte Seele bezeichnen würde. Seine Musik ist verkopft, selbst- und gesellschaftskritisch. Nach seinem letztjährigen Debütalbum legt er nun mit dem Mixtape "Sturm und Drang" nach.

Der junge Rapper traut sich etwas, wovor sich viele Künstler scheuen: Er spricht in seiner Musik unbequeme Themen an. Und das tut er direkt und ohne die in Deutschland so beliebte Ironie. Eines der Fässer, das Disarstar aufmacht, ist die omnipräsente Flüchtlingsdebatte – zweifelsohne ein Thema, das die Gemüter spaltet und in einer halben Stunde kaum halbwegs differenziert aufzubereiten ist. Dennoch widmet der Hamburger diesem Thema auf einem Großteil der Tracks einzelne Zeilen. Es wird deutlich, dass er bedingungslose Hilfe für diejenigen fordert, die es so dringend nötig haben. Er verkörpert einen anderen Typ des "besorgten Bürgers" als den Bild-Zeitung lesenden Stammtischtrinker, der befürchtet, dass ihm Flüchtlinge den Arbeitsplatz und die Frau wegnehmen. Disarstars Wut richtet sich nicht gegen Flüchtlinge. Vielmehr lauten seine Feindbilder Kapitalismus, Imperialismus, NATO und das System. Man merkt, dass der Rapper ein kluger Kopf ist, der sich viele Gedanken macht und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besitzt. Viele sei­ner Aussagen wir­ken je­doch ex­trem und sollten daher auch kri­tisch hin­ter­fra­gt werden. Gleichwohl ist "Sturm und Drang" aus musikalischer Sicht äußerst hochwertig. Die Amibeats, unter anderem von Dr. Dre, Abstract Rude und Eminem, die der Rapper für das Mixtape gepickt hat, werden emotional und technisch versiert auf hohem Niveau berappt.

"Sturm und Drang" ist ein Projekt, das genaues Zuhören erfordert. Musik im Sinne von Eskapismus ist Disarstars Sache nicht. Er will Denkanstöße liefern und letzten Endes die Welt verändern, um einen schöneren Ort für alle zu erschaffen. Wie genau man seine politischen Aussagen einordnet, muss jedoch jeder für sich selbst entscheiden.

(Steffen Bauer)