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Alligatoah

Vom Internet-Geheimtipp zur restlos ausverkauften Deutschland-Tournee – und das alles, ohne auch nur einmal vom Kurs "Schauspielerrap" abzuweichen. Seit Alligatoah zum ersten Mal um die Hand einer vermeintlichen Drogen-Bekanntschaft angehalten hat, ging es für den Trailerparker stetig bergauf. Nachdem er erst Anfang April mit seinem aktuellen Album "Musik ist keine Lösung" im Gepäck die "Himmelfahrtskommando"-Tour zu einem erfolgreichen Ende gebracht hat, geht's im November in "Akkordarbeit" weiter. Ganz nebenbei stehen in der Mitte des Jahres dann auch noch eine Reihe von Konzerten auf zahlreichen Festivals an, darunter auch die eigens organisierten Trailerpark-Open Airs. Wir trafen den Rapper, um mit ihm über seinen Schauspielrap im Allgemeinen, die aktuelle politische Lage in Deutschland und noch zu erreichende Ziele zu reden – und stießen dabei noch ganz nebenbei auf eine bis dato unbemerkte Passion für Trompeten.

MZEE.com: Bevor wir mit dem eigentlichen Interview beginnen: Du bist immer wieder auf Tour, spielst regelmäßig vor Tausenden von Leuten und blickst schon auf einige Jahre Bühnenerfahrung zurück ... Hat man da noch Lampenfieber?

Alligatoah: Tatsächlich ja. Man versucht das nicht wahrzuhaben und lehnt das Gefühl ab, aber kurz vor dem Auftritt kocht's dann doch noch mal auf. Du tust so, als würdest du das Gefühl nicht kennen und keine Schwierigkeiten damit haben, aber irgendwie hast du doch Schmetterlinge im Bauch. Zwischen Schmetterlingen im Bauch und ... (überlegt) Kotzen. (grinst) Aber es ist schön.

MZEE.com: Du bist in deinem "Schauspielrap" schon in sehr viele Rollen geschlüpft – egal, ob Terrorist, Weiberheld, Choleriker oder 31er. Würdest du dich als empathisch beschreiben? Kannst du diese Sichtweisen, die du in diesen Rollen teilweise einnimmst, tatsächlich so gut nachvollziehen, wie du es nach außen trägst?

Alligatoah: Ich denk', das eine geht nicht ohne das andere. Wenn man es wirklich überzeugend spielen möchte, muss man ein gewisses Verständnis aufbringen. Das geht natürlich immer nur bis zu einem gewissen Punkt, an dem man irgendwann vor sich selbst erschrickt und vor den eigenen Abgründen Angst bekommt. Und eines darf man nicht vergessen: Was ich da spiele, sind nicht nur komplett abwegige Figuren. Das sind Figuren mit Charakterzügen, die ich auch aus meinem Leben kenne. Die wahrscheinlich jeder aus seinem Leben kennt, weil jeder schon mal einen niederen Gedanken hatte, der vielleicht extrem egoistisch oder unnachhaltig war. Aber man hat diese Gedanken eben und so, wie ich das in die Musik einbaue, komm' ich meiner Meinung nach auf eine ganz gute Annäherung zu den Themen und schließe auch meinen Frieden mit vielen Konflikten.

MZEE.com: Auf deinem aktuellen Album "Musik ist keine Lösung" übst du abermals Gesellschaftskritik und behandelst auch aktuelle politische Probleme, wie beispielsweise auf dem Song "Teamgeist", der meiner Interpretation nach die Flüchtlingskrise behandelt. Kann man das so sagen?

Alligatoah: Das kann man so sagen. Man kann aber auch sagen, dass der Track allgemein auf Faschismus bezogen ist. Letztlich geht es ja um sämtliche Gruppierungen, die aus etwas Positivem – nämlich dem Gemeinschaftsgefühl – in etwas Negatives abdriften können, in dem Fall in das Ausschließen von anderen Gruppen.

MZEE.com: Wo liegen gerade bei solchen Themen deine eigenen Erfahrungswerte?

Alligatoah: Ich sehe das entweder im Fernsehen oder Internet oder wo man das eben so sieht. Aber natürlich bemerkt man solche Dinge manchmal auch im erschreckend nahen Umfeld. Ich komm' ja auch aus einem kleinen Dorf und möchte mich natürlich davon fernhalten, das Dörfliche generell als einen Nährboden für Rassismus und Faschismus zu bezeichnen. Aber auch dort gibt es nun einmal diese Leute – wie es sie überall gibt –, die ein sehr traditionsbewusstes Gedankengut pflegen, das manchmal so weit geht, andere auszuschließen und letztlich Hass und Gewalt zu predigen.

MZEE.com: Wenn wir schon beim Thema "Politik" sind: In letzter Zeit ist innen- sowie außenpolitisch einiges passiert. Gibt es zum aktuellen Zeitpunkt ein weiteres Thema, das du im Nachhinein gerne noch behandelt hättest, aber zeitlich nicht mehr aufs Album gepasst hat?

Alligatoah: Es gibt immer Themen, die sich anbieten, aber ich behandel' sie nicht, weil sie gerade aktuell sind oder weil ich glaube, dass ich damit einen Nerv treffen und Aufmerksamkeit generieren kann. Ich behandel' Themen, die mir schon länger auf der Seele brennen und weil sich in meinem Kopf etwas anstaut, das irgendwann raus muss. Ich werde mich hüten, ein neues, frisches Thema sofort in einen Song zu verbauen. Vielmehr muss ich meine Gedanken erst einmal fertigdenken und das kann auch gerne mal Wochen oder Monate dauern.

MZEE.com: Wenn man sich dann noch einmal speziell den Song "Teamgeist" herausgreift – wann hast du den fertiggestellt? Ist das bloßer Zufall, dass er gerade so gut zur aktuellen Lage in Deutschland passt? Und wieso wurde er keine Single?

Alligatoah: (grinst) Der Song ist einer der letzten, die ich für das Album aufgenommen hab' – der müsste im Herbst letzten Jahres fertiggestellt worden sein. Am liebsten würde ich mein ganzes Album versinglen und zu jedem Song ein Video drehen, aber das geht natürlich nicht. Man muss da eine gewisse Auswahl treffen, zu welchem Song es am ehesten Spaß machen würde, ein Video zu drehen. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend – vielleicht kommen noch ein paar Sachen. Ich bin dagegen, dass man ein Album in einer heißen Promophase mit drei Videos abfrühstückt und dann ist das Thema durch. Eine Platte sollte so lange leben und ausgeschöpft werden, wie es Freude bereitet und man Ideen dazu hat.

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MZEE.com: Reden wir mal über dein Lieblingsstilmittel: Ironie. In der Rolle als Alligatoah-Kritiker, der feststellt, dass Musik keine Lösung ist, rappst du an dich selbst gerichtet: "Du bist unbesiegbar durch Gleichgültigkeit". Natürlich ist das alles wieder ironisch gemeint, aber denkst du, dass es viele Menschen da draußen gibt, die deine Aussagen komplett missverstehen?

Alligatoah: Das sind ja Aussagen, mit denen ich mich selbst sehr intensiv beschäftige – nicht nur, weil ich sie abwerten oder kritisieren möchte, sondern weil ich diese Gedanken auch von mir kenne und mit diesen Dämonen selber zu kämpfen habe. Das ist das, was ich am Anfang gesagt habe. Auch ich stehe manchmal vor Punkten, an denen ich sage: Okay, ich kann mich aus einer Konfliktsituation herausretten, indem ich einfach Gleichgültigkeit anwende und somit betrifft mich die Problematik nicht mehr. Aber der Grundtenor auf diesem Song ist ja ein Schwall an dunklen Geistern, die ich da aufkochen lasse. Es fällt mir schwer zu glauben, dass jemand dem folgen könnte oder diesen Geist heiligt.

MZEE.com: Wenn dir ein Fan jetzt Props für genau solche Lines gibt und dir sagen würde, dass er ebendiesen Standpunkt vertritt – wie würdest du reagieren? Würdest du ihm erklären, dass er den Song missverstanden hat?

Alligatoah: Selbst wenn ich mit einer Zeile, die nicht aus meiner Perspektive, sondern einer Rolle gesprochen ist, jemanden treffe, ihn dadurch anspreche und sich derjenige damit identifizieren kann, ist das etwas, was dieser Zeile recht gibt und sie legitimiert. Es beweist nur, dass so etwas existiert – und damit ist das für mich eine Art Schulterklopfen beziehungsweise eine Bestätigung, dass ich zumindest auf dem richtigen Dampfer war. (grinst)

MZEE.com: Kann man Kunst überhaupt missverstehen oder sind in deinen Augen auch Interpretationen erlaubt, die genau dem entgegenwirken, was du ausdrücken möchtest?

Alligatoah: Na ja ... (überlegt) Klar. Richtig. Ja zu allem. (grinst) Wahrscheinlich sollte man das auch so stehen lassen und dann dürftest du interpretieren. Das ist ja das Schöne an Kunst: Dass immer zwei dazugehören – der Sender und der Empfänger der Nachricht. Und was der Sender rausschickt, ist vielleicht etwas ganz anderes als das, was beim Empfänger ankommt. Aber das Kunstwerk hat weder der Sender noch der Empfänger für sich gepachtet, sondern ist das, was aus dem Zwischenspiel entsteht und eine dritte neutrale Person vielleicht sehen würde, wenn sie sich dieses Zwischenspiel anguckt. Da glaube ich dran.

MZEE.com: Nehmen wir mal an, du würdest der Ironie und dem Schauspielrap entsagen und dein nächstes Album würde sich komplett mit deiner eigenen Person und deinen Erlebnissen befassen. Also: Alligatoah wird zum Realkeeper. Würde dir das noch jemand abnehmen? Wie würdest du das anstellen? Geht das überhaupt noch oder bist du dafür schon zu tief in der Ironie-Ecke drin?

Alligatoah: (grinst) Ich weiß, was du meinst, muss in die Frage aber doch kurz reingrätschen, weil man das Gefühl bekommen könnte, dass ich keine ernsten Songs schreibe. Ich fühle mich nicht ironisch erhaben und so viel Ironie, wie man mir zuspricht, ist da dann eben doch nicht. Es ist einfach nur ein Schauspiel und damit doch noch mal etwas anderes als Ironie, würde ich sagen. Ein Schauspieler ist ja nicht ironisch, nur weil er eine Rolle in einem Film spielt. Wenn ich jetzt sagen würde: "Ich mach' einen Song aus meiner Perspektive, der von mir und meinem Leben handelt", dann würde ich das höchstwahrscheinlich fertigbringen und mich davor nicht scheuen. Aber ich würde es niemals "Alligatoah" nennen und unter dem Gewand verkaufen, das ich mir angezogen habe. Das wäre nicht der richtige Spielplatz für diese Art von Gedanken. Ob sowas allerdings jemals passieren wird, wage ich zu bezweifeln – ich fühle mich sehr wohl in meinem aktuellen Gewand und es ist mir auch mit der schauspielerischen Art durchaus möglich, sehr viel von meiner Persönlichkeit in die Texte reinzustecken. Und zwar so, wie es meiner Persönlichkeit entspricht: heimlich und versteckt. (grinst)

MZEE.com: Hast du unter all den Songs, die du im letzten Jahrzehnt aufgenommen hast – gerade zu deinen Anfangszeiten –, vielleicht sogar schon mal einen "Realkeeper-Track" gemacht, der exakt dem entspricht, was du denkst – ganz ohne Ironie? Müssen wir da mal dein Archiv durchforsten?

Alligatoah: Es gibt Musik vor Alligatoah, die nicht veröffentlicht wurde, aber das hatte auch gute Gründe. (grinst) Witzigerweise entstanden selbst diese Songs stets aus irgendwelchen Figuren heraus. Es gab nie einen Song, den ich wirklich aus meiner Perspektive geschrieben habe. Ich habe dafür nie einen Anlass gesehen und das kam für mich gar nicht infrage. Ich fand es immer viel spannender und cooler, mir etwas komplett Fiktives auszudenken. Mein erstes aufgenommenes Album war aus der Perspektive eines Lehrers an meiner Schule. (grinst) Den hab' ich da ein bisschen veralbert ... Tut mir leid im Nachhinein, war ein guter Lehrer.

MZEE.com: Aber gerade im Rap wird ja sehr auf Realness gepocht. Du hast schon vor zehn Jahren deinen "Schauspielerrap" gemacht, als es auch noch nicht so viele Imagerapper wie heute gab und das Thema "Realkeeping" vielleicht sogar noch wichtiger war als heute. Hast du das nie so gesehen? Warum hast du dann gerade Rap als Sprachrohr gewählt?

Alligatoah: Als ich Rap für mich entdeckte, hab' ich den Realness-Aspekt nie als Hauptaspekt angesehen. Das geht anderen vielleicht anders und für diejenigen ist dieses Realkeeping genau der Grund, weshalb sie Rap machen. Für mich war das aber überhaupt nicht das, was mich fasziniert hat oder was ich machen wollte, weil der Rap, den ich gesehen habe, eben auch schon sehr überzeichnet war. Voller überspitzter Gewaltbilder, die ich als Junge vom Dorf immer als eher absurd und unwirklich erlebt habe. Was mir am Rappen eher gefallen hat, war die Möglichkeit, sehr viel in einem Song sagen zu können. Natürlich kann man auch in anderen Musikrichtungen sehr viel sagen, aber die Textdichte und Menge an Worten, die man in einen Song packt, ist im Rap sehr groß. Und was mich darüber hinaus noch sehr fasziniert hat, ist eben der Aspekt, dass man sich sehr stark profiliert und als das Bessere darstellt. Dass man diese klassische männliche Neandertaler-Logik verfolgt: "Du bist scheiße, ich bin geil". Und dass man das eben auf alle möglichen Arten und Weisen untermauert – Battlerap, der Kampf. Daraus hat sich bei mir dann entwickelt, auch andere Figuren battlen und als die Stärksten dastehen zu lassen.

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MZEE.com: Natürlich wünschen wir es dir nicht, aber: Wenn es mit der Musik irgendwann nicht mehr klappt, wäre die Schauspielerei dann eine echte Alternative für dich? Oder würdest du dann lieber etwas ganz anderes machen?

Alligatoah: Ich werd', denke ich, immer irgendwie mein Brot in den Mund bekommen. Im Notfall gehe ich dahin zurück, was ich vor der kommerziellen Ausschlachtung meiner Musik gemacht habe – nämlich Kinokarten abreißen oder weiß der Geier, was man eben noch so machen kann. Ich werde mich irgendwie immer über Wasser halten. Aber meine Musik ist auch so sehr gewachsen, dass ich aus dem Sumpf vermutlich vorerst nicht mehr herauskomme.

MZEE.com: Du rappst, du produzierst, du spielst live mit Band und Orchester und wirst von allen Seiten hochgelobt für deine Auffassung von Kunst – hast du musikalisch noch Ziele?

Alligatoah: Ja, ich würde gerne Trompete spielen können.

MZEE.com: Welche Instrumente spielst du eigentlich?

Alligatoah: Eigentlich kann ich nur Gitarre spielen, aber ich spiele trotzdem auch alle anderen Instrumente. Man kann's ja versuchen und wenn man Glück hat, kriegt man die richtigen Töne zur richtigen Zeit raus. Aber ich bin auf jeden Fall fasziniert von Trompeten. Die gefallen mir gut. (grinst) Vielleicht lern' ich das jetzt.

MZEE.com: Kommen daher auch die Posaunen auf jedes Tourplakat? Auf deinem aktuellen, auf deinem letzten ...

Alligatoah: Stimmt. Das ist jetzt natürlich schon fast etwas Psychologisches und steckt schon die ganze Zeit in mir, aber das bemerke ich auch gerade erst. (lacht) Die Plakate designe ich immer mit meinem Grafiker zusammen und wahrscheinlich sag' ich dann irgendwann: "Mach hier noch mal ein paar Trompeten drauf." Und dann hab' ich es aber auch schon wieder vergessen, weil es unterbewusst einfließt. Gut zu wissen.

MZEE.com: Stichwort "Karriere": Seit deinem letzten Album "Triebwerke" und insbesondere der Single "Willst du" ist vieles passiert und als hättest du es mit dem Song "Meine Band" vorhergesehen: Die Fans streiten darum, wer dich länger kennt und wie sehr du dich verändert hast. Was bekommst du heutzutage noch an Feedback von Fans der ersten Stunde mit?

Alligatoah: Man liest es hin und wieder mal und bei einigen sind die Kommentare meist auch mit etwas Wehmut verbunden. So ist das natürlich immer, wenn man damals etwas gemocht hat – wie zum Beispiel die ersten Songs, die ich gemacht habe. Dann möchte man dieses Gefühl natürlich gerne zurückhaben und erinnert sich an seine Jugend oder eine gewisse Phase seines Lebens. Interessant ist aber auch, dass dieses "Die-alten-Sachen-Mögen" wiederum nur ein Trend ist, der auch von neuen Fans sehr stark praktiziert wird. Sogar die ganz jungen, die gerade erst dazugekommen sind, schreiben manchmal schon ganz mutig sowas wie: "Mach doch mal sowas wie 'StRW' damals, das war noch geil." Dann guck' ich mir an, wer das schreibt, und denke mir: "Damals warst du vier, du kannst da noch nicht dabei gewesen sein, das stimmt vorne und hinten nicht, das hast du dir ausgedacht!" (lacht) Aber so ist der Trend und das ist in dem Fall einfach eine amüsante Beobachtung.

MZEE.com: Wir haben mal nach negativem Feedback gesucht ...

Alligatoah: (grinst) Ah, kommt jetzt etwas Disslike-Mäßiges?

MZEE.com: Eher das Gegenteil. Unsere erste Anlaufstelle war natürlich YouTube, aber selbst dort hält sich das in Grenzen. Da liest man dann eher Fragen wie: "Wie kann ich mich so zu einem Mann hingezogen fühlen, ohne ihn zu kennen und ohne schwul zu sein?" Wenn du jetzt mal selbst einen bösartigen Kommentar gegen dich schreiben müsstest – wie würde der aussehen? Wofür kann man dich deiner Meinung nach richtig kritisieren und was würde dich treffen?

Alligatoah: Ich bezeichne mich selbst auch gerne als meinen härtesten Kritiker. Das ist das, was mir das Leben manchmal leichter macht, weil ich mich so nicht von Kritik von außen herunterziehen oder beherrschen lasse. Ich weiß, dass mein eigener Anspruch an mich meist noch höher ist als die Erwartungen, die andere vielleicht an mich stellen. Natürlich habe ich Kritikpunkte, die mich beschäftigen, verfolgen und mir schweißdurchtriebene Nächte bereiten ... Aber wie das eben so ist mit inneren Dämonen: Die muss man mit sich selbst austragen und deswegen würde ich als negativen Kommentar unter eines meiner Videos vielleicht einfach einen vielsagenden Mittelfinger-Smiley posten. Ist dann Kunst – da kann jeder zu sagen, was er hineininterpretiert. (grinst)

MZEE.com: Zum Abschluss: Wie du selbst schon festgestellt hast, ist Musik keine Lösung. Wir schätzen dich allerdings so ein, dass du sehr wohl noch einen anderen Lösungsansatz für die Probleme dieser Welt hast, auch wenn er vermutlich sehr utopisch ist. An dieser Stelle darfst du unseren Lesern noch mitteilen, wie jeder einzelne dazu beitragen kann, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Alligatoah: Na ja, das kann ich eben nicht – das kann eigentlich nur jeder für sich selbst herausfinden. Es gibt nicht "die Welt", sondern Tausende, und jeder lebt in seiner eigenen Welt, in seiner eigenen Wahrnehmung, in seiner eigenen Wahrheit und hat seine eigenen Ideen, wie man diese Realtität, die man selbst wahrnimmt, für sich und andere besser machen kann. Insofern kann ich eigentlich nur jedem ans Herz legen, in sich selbst hineinzuhören und herauszufinden, was die eigene Welt verbessert, ohne dabei die Welt der anderen zu verschlechtern und zu viel Schaden anzurichten. Denn Schaden richten wir den ganzen Tag an. Machen wir uns nichts vor: Jeder von uns richtet den ganzen Tag Schaden an und vielleicht hilft es schon, wenn man versucht, diesen Schaden zu minimieren.

MZEE.com: Hast du noch ein paar abschließende Worte?

Alligatoah: (überlegt) Worte sollten nichts abschließen, sondern immer eine offene Tür sein und einladen.

(Pascal Ambros)