Splinta823_UnentdecktesGold

Splinta823 – Unentdecktes Gold

Die Welt ist Goliath – Mama hat mi­ch David ge­nannt.

Eine gol­de­ne Schallplatte er­hält, wer ei­ne be­stimm­te Anzahl an Tonträgern ver­kauft. Eine Auszeichnung, die in­di­rekt al­so auch für die Aufmerksamkeit steht, die ein Musiker be­kommt oder ver­dient. Bei Splinta823s neu­em Album han­delt es si­ch laut Titel um "Unentdecktes Gold". Ist er al­so even­tu­ell der Meinung, sei­ne Musik ha­be ei­nen ähn­li­chen Status ver­dient, bis­her nur no­ch nicht ge­nü­gend po­ten­zi­el­le Fans er­reicht? Lohnt es si­ch denn, Splintas Gold zu ent­de­cken?!

Das Album des Kölners, der be­reits zwei Mixtapes und ei­ne EP ver­öf­fent­lich­te, ist auf den ers­ten Blick durch­wach­sen. Ob man auf ei­nem eher Straßenrap-​lastigen Album wirk­li­ch auf Autotune-​Hooks zu­rück­grei­fen muss, wie es im Titeltrack der Fall ist, ist eben­so frag­li­ch wie die Daseinsberechtigung des Tracks "Meine Jungs" auf dem Album. Der Representer, der er­zählt, wie hart Kumpels und Gegend doch sei­en, scha­det dem Hörgenuss mit über­zo­ge­ner Härte und ei­ner recht ner­ven­den Hook, was ihn zwei­fel­los zum Tiefpunkt des Albums macht. Das rest­li­che "un­ent­deck­te Gold" steht hier­zu in kras­sem Kontrast. Geschicktes Spiel von Stimme und Beat sorgt für ge­konn­ten Stimmungsaufbau, gibt Splinta den nö­ti­gen Platz, um sein Raptalent zu de­mons­trie­ren, und ver­deut­licht, dass auch klei­ne Gesangseinlagen des Kölners ins Ohr ge­hen. Mal mit kräf­ti­gem Sound und pas­send ag­gres­si­vem Flow, mal nach­denk­li­ch auf sanf­ten Klängen, deckt Splinta823 ein brei­tes Spektrum an Stimmungsbildern ab. Dabei be­darf es gar kei­ner über­spitz­ten Gewaltgeschichten, denn wie et­wa "Nacht" be­weist, sind die ehr­lichs­ten und selbst­kri­tischs­ten Titel Splintas gleich­zei­tig die in­ter­es­san­tes­ten und stärks­ten der Platte.

Hier und da mag es no­ch ein paar Makel zu ent­de­cken ge­ben, im Großen und Ganzen be­zeich­net Splinta823 sei­ne Musik je­doch ab­so­lut zu Recht als "un­ent­deck­tes Gold". Ein we­nig mehr Bedacht bei der Zusammenstellung sei­ner Tracklist und der ein oder an­de­re Fehltritt we­ni­ger wür­den wohl rei­chen, um ei­ne deut­li­ch brei­te­re Masse auf si­ch auf­merk­sam zu ma­chen.

(Daniel Fersch)

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