Philo - Höhen & Tiefen

Philo – Höhen & Tiefen

Was soll ich sa­gen? Ich renn' seit vie­len Jahren ge­gen Mauern …
Um zu se­hen, ob sie dann im­mer noch ste­hen.

Während die ei­nen auf Codein Reime über ih­ren brand­neuen "Rrari" ins Mikrofon nu­scheln und die an­de­ren auf der Straße um das blanke Überleben kämp­fen, um an­schlie­ßend wü­tende Zeilen über den täg­li­chen Hustle zu Papier zu brin­gen, gibt es auch noch Rapper wie Philo aus Mannheim. In sei­ner Musik geht es we­der um das Verweilen an der Spitze der Nahrungskette noch um das Überleben in der Gosse, son­dern um das ge­wöhn­li­che Leben ei­nes ge­wöhn­li­chen jun­gen Mannes aus der Mitte der Gesellschaft. So auch auf sei­nem neuen Album "Höhen & Tiefen".

Optimismus scheint nicht ge­rade Philos Stärke zu sein. Entgegen der Erwartungen, die bei dem Namen des Albums un­will­kür­lich auf­kom­men, wird hier nicht ver­sucht, das ge­samte mensch­li­che Gefühlsspektrum in ei­nen ein­zel­nen Tonträger zu pres­sen – wie es sonst viele Rapper ver­su­chen, nur um dann eine völ­lig zu­sam­men­hangs­lose Sammlung von Songs auf den Markt zu wer­fen. Mangelnde Kohärenz kann man im Falle von "Höhen & Tiefen" kei­nes­wegs fest­stel­len, denn der Sound des Albums ist durch­ge­hend träge und me­lan­cho­li­sch. Flächige Synthies tref­fen auf trau­rige Pianoklänge und hal­lende Drums. Handwerklich ist das al­les ziem­lich gut, nur wünscht man sich hin und wie­der eine kleine Auszeit vom Pathos, von den ganz gro­ßen Gefühlen, um nicht völ­lig de­pres­siv zu wer­den. Thematisch mun­tert ei­nen "Höhen & Tiefen" auch nicht ge­rade auf. Ständig scheint Philo vor ei­nem Abgrund zu ste­hen, wor­auf­hin er sich mit­un­ter wie­der Hoffnung macht. Doch in al­lem steckt eine fa­ta­lis­ti­sche Schwere, die ihn wie­der auf den tris­ten Boden der Tatsachen zieht. Probleme, die er bei sich selbst er­kennt, wer­den kur­zer­hand auf sein Umfeld und die ge­samte Menschheit über­tra­gen und um­ge­kehrt. Man er­war­tet fast, dass Philo zwi­schen­durch mal auf­platzt und sein Pessimismus in blanke Wut oder igno­ran­ten Hedonismus um­schlägt. Stattdessen reißt die drü­ckende Stimmung nicht ab. Selbst Songs mit Namen wie "Halb so schlimm" oder "Glück" zeich­nen ein äu­ßerst düs­te­res Bild vom Leben, in dem al­les an­ge­zwei­felt wer­den muss und echte Freude und Hoffnung la­bile Konstrukte sind.

Philo ist al­les an­dere als un­ta­len­tiert und die mu­si­ka­li­sche Untermalung des Albums er­in­nert in ih­ren stärks­ten Momenten an pa­the­ti­sche Großwerke wie Caspers "XOXO". Wirklich schlecht ist hier nichts und si­cher­lich gibt es ge­nü­gend Menschen, die sich in der Musik des Mannheimers spie­geln und ihr Weltbild be­stä­tigt se­hen. Wer je­doch keine Lust auf ge­ballte Melancholie hat, der sollte bei "Höhen & Tiefen" bes­ser nicht zu­grei­fen.

(Steffen Bauer)

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