LW48_AssonanzRadau

LW84 – Assonanz Radau

Das ist nicht nur Flucht, das ist das Streben und Können.
Über den Tellerrand das Besteck ver­wen­den, das Leben ent­de­cken.

Wie wich­tig ist es für die Wirkung ei­nes Werks, je­des Detail ex­akt er­fas­sen zu kön­nen? Kann das Unverständnis ge­gen­über in­di­vi­du­el­len Aspekten zu ei­ner ge­ne­rel­len Fehlinterpretation füh­ren? Steht das große Ganze über der Einzelaussage? Ist es für das Verstehen von "Assonanz Radau" re­le­vant zu wis­sen, warum Lea-​Won nun un­ter dem Namen LW84 ak­tiv ist?

Anhören kann man sich das neue Werk des Münchner Rappers in je­dem Fall auch so. Die EP be­steht aus vier Anspielstationen, die durch­aus noch mit der Kunst Lea-​Wons in Verbindung ge­bracht wer­den kön­nen. Neben den teils et­was ex­pe­ri­men­tel­len Beats hat sich vor al­lem an der Art, wie LW84 seine Inhalte ver­mit­telt, we­nig ge­än­dert. So baut der Rapper in­ner­halb sei­ner Texte viele kleine Bilder auf, die an und für sich manch­mal recht abs­trakt wir­ken, im Kontext des Gesamtwerks aber ih­ren Sinn ent­fal­ten. Der Grundtonus bleibt den­noch klar: Entfremdung und die Suche nach ei­ner Heimat ste­hen im Vordergrund. Mal heißt LW84 Flüchtlinge und Migranten "Willkommen", mal dis­tan­ziert er sich von der west­li­chen Welt, so wie frag­wür­dige Gruppen er­war­ten, dass sich mus­li­mi­sche Mitbürger von welt­wei­tem, is­la­mis­ti­schen Terror dis­tan­zie­ren sol­len. Instrumental sieht sich der Hörer mit ein­zel­nen Versatzstücken kon­fron­tiert, die, mal leicht trenn­bar, mal eng ver­dich­tet, ein en­er­ge­ti­sches Klangbild aus Synthiesounds, Akkordeonklängen und kräf­ti­gen Drums er­ge­ben. Wo je­der Track für sich selbst schon durch Aussagekraft und Soundästhetik be­sticht, gibt das Geflecht aus ein­ge­spiel­ten oder ge­sam­pel­ten Tönen, die der Rapper mit sei­ner Stimme pro­blem­los zu do­mi­nie­ren weiß, der EP noch ein­mal den letz­ten Schliff.

LWs Stärke ist der Mittelweg zwi­schen dem Klarstellen der ei­ge­nen Aussage und der Bereitschaft, dem Hörer ge­nug Spielraum für per­sön­li­che Interpretationen zu las­sen. Er mag zwar nicht je­der­manns Geschmack tref­fen, bie­tet in sei­ner Musik aber je­dem die Möglichkeit, sich dar­auf ein­las­sen zu kön­nen. Und so gilt für "Assonanz Radau" das Gleiche wie für die Umbenennung des Rappers: Das Nachvollziehen ein­zel­ner Schritte spielt nicht zwangs­läu­fig eine Rolle, so­lange man Gefallen am Gesamtwerk fin­den kann.

(Daniel Fersch)